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Fall Etan Patz: 1979 verschwindet ein kleiner Junge - jetzt wurde sein Mörder verurteilt

Die Entführung des Jungen Etan Patz sorgte 1979 weltweite für Aufsehen. Jahrzehntelang rätselten Ermittler, wer den Jungen entführt und getötet hat. Jetzt wurde der langjährige Verdächtige verurteilt.

Der entführte Junge Etan Patz und der verurteilte Täter Pedro Hernandez.

Der entführte Junge Etan Patz und der verurteilte Täter Pedro Hernandez. Er soll das Kind in seinen Keller gezerrt, erwürgt und in eine Kiste geschmissen haben.

Es ist der 25. Mai 1979 in New York. Der sechsjährige Etan Patz ist auf dem Weg zur Bushaltestelle, um in die Schule zu fahren. Es ist das erste Mal, dass seine Eltern ihn diese Strecke alleine gehen lassen. Vor einem Geschäft trifft er auf Pedro H. Der junge Mann bietet ihm ein Getränk an, lockt ihn in den Keller des Ladens und erwürgt ihn. So zumindest schildert H. es in seinem Geständnis den Ermittlern. Die Leiche von Patz wird nie gefunden. Nach 22 Jahren wird er für tot erklärt.

Das Verschwinden von Etan Patz ist einer der berüchtigsten Kriminalfälle New Yorks. Und er war bis vor kurzem immer noch offen. Jetzt befand eine Jury den langjährigen Verdächtigen Pedro H. für schuldig.

Die Eltern des Jungen hatten jahrelang um Aufklärung gekämpft. Etans Vater Stan Patz sagte, er sei sehr erleichtert, dass nun endlich ein Urteil gefällt wurde. "Die Patz-Familie hat lange Zeit gewartet, aber wir haben endlich ein Maß an Gerechtigkeit für unseren wundervollen kleinen Jungen Etan gefunden", sagte Patz.

Erst wurde jemand anderes verdächtigt

Das letzte Verfahren fand 2015 statt. Da die Geschworenen sich allerdings nach 18 Tagen Verhandlung nicht auf ein Urteil einigen konnten, blieb H. zunächst auf freiem Fuß. Jetzt wurde er wegen Entführung und Mord schuldig gesprochen. Der Angeklagte nahm das Urteil ohne Regung hin. Ihm droht eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Stan und Julie Patz, die Eltern des vermissten Jungen.

Stan und Julie Patz, die Eltern des vermissten Jungen.

Jahrzehntelang suchten Ermittler den Täter und reisten dafür sogar bis Israel. Ursprünglich hatten sie jahrelang einen anderen Mann verdächtigt, der ein anderes Kind misshandelt hatte.

H. hatte Tat bereits gestanden

Erst 2012 geriet Pedro H. unter Verdacht. Sein Schwager hatte den Ermittlern erzählt, dass H. einer Gebetsgruppe, einem Freund sowie seiner Ex-Frau die Tat gestanden hatte. Nach einer mehrstündigen Befragung gestand H. dann auch den Ermittlern die Tat. Er arbeite zum Tatzeitpunkt in einem Lebensmittelgeschäft in der Nähe des Wohnortes von Patz. Laut seinem Geständnis hat er den Jungen in den Keller des Ladens gelockt, ihn erwürgt und in eine Kiste geworfen. "Ich konnte einfach nicht loslassen", sagte er während der Verhöre. "Ich hab mich gefühlt, als ob etwas die Kontrolle über mich übernehmen würde".

Die Anwälte von H. argumentierten, ihr Mandant sei unschuldig. Er habe einen sehr niedrigen IQ, sei psychisch labil und könne nicht klar zwischen Realität und Fiktion unterscheiden. Seine Tochter Becky sagte aus, dass er Halluzinationen von Dämonen und Engeln habe. Außerdem sei das Geständnis unter hohem Druck entstanden, da der Angeklagte zu dem Zeitpunkt schon sechs Stunden befragt worden war.

Fall löste Aufmerksamkeit in ganz Amerika aus

Die Verteidigung von H. kündigte nach dem Urteil an, in Revision gehen zu wollen. Harvey Fishbein, der Hauptverteidiger des Verurteilten sagte vor Gericht: "Wir sind sicher, dass wir eines Tages wieder hier sein werden. Leider glauben wir letzten Endes nicht, dass dies die Geschichte von dem, was Etan 1979 passiert ist, auflösen wird."

Der berüchtigte Fall Etan Patz hatte Auswirkungen auf ganz Amerika. Es war einer der ersten Fälle, bei dem das Gesicht des Vermissten auf Milchpackungen gedruckt wurde. Eltern in ganz Amerika wurden vorsichtiger, ließen ihre Kinder weniger alleine und Ermittlungsbehörden entwickelten einfachere Wege, vermisste Kinder zu finden. Seit 1983 ist in den USA der 25. Mai Tag der vermissten Kinder.

Timo Kraus Chronik_17.30

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