Euro-Banknoten Fälscher mit blühender Fantasie


Auf eine Million echte Banknoten kommen 20 Fälschungen - das sind doppelt so viele wie zu D-Mark-Zeiten. Manche Bürger fallen immer wieder auf die einfachsten Blüten herein. Einige Scheine tragen etwa den Schriftzug "100 % Cotton".

Die Fälscher aus Litauen hatten bei ihren falschen 100-Euro-Scheinen an alles gedacht. Die Bande benutzte beste Farben und hochwertiges Baumwollpapier für die Blüten. Ihr Pech: Die Geldfälscher vergaßen das Wasserzeichen im Papier. In einigen Scheinen war der Schriftzug "100 % Cotton" zu lesen. Solchen und anderen Blüten sind die "Falschgeld-Detektive" der Deutschen Bundesbank in Mainz auf der Spur. 35 Mitarbeiter beantworten täglich Anfragen von Bürgern, sichten Falschgeld, geben der Polizei Hinweise und schulen Supermarkt-Kassierer und Banker. In den nächsten Tagen wird in Frankfurt bekannt gegeben, wie viel Falschgeld im ersten Halbjahr 2005 aus dem Verkehr gezogen wurde.

Lohnende Weltwährung

Heute kommen laut Bundesbank auf eine Million echte Banknoten 20 Fälschungen - das sind doppelt so viele wie zu D-Mark-Zeiten. "Grund dafür ist die größere Bedeutung des Euro, der als Weltwährung einfach ein lohnenderes Ziel ist als die Mark", sagt ein Sprecher des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden. 2004 zog die Polizei in Deutschland 81.000 falsche Scheine im Wert von 6,1 Millionen Euro aus dem Zahlungsverkehr - das waren 30.000 Scheine mehr als im Vorjahr. Die Europäische Zentralbank (EZB) arbeitet an einer neuen Serie von Geldscheinen, die bis 2010 mit noch kniffligeren Sicherheitsmerkmalen auf den Markt kommen soll.

"Die Fälschungen werden immer professioneller", sagt Rainer Elm, Leiter des Nationalen Analysezentrums für Falschgeld bei der Bundesbank in Mainz. Bildbearbeitungsprogramme, Drucker und Scanner erleichtern den Kriminellen die Arbeit. Viel Fingerspitzengefühl verlangt die Fälschung von Silberstreifen und Hologramm, die extra aufgeklebt oder aufgebügelt werden müssen. "Es ist aber noch keinem Fälscher gelungen, eine Note eins zu eins zu reproduzieren." Die Kombination von Hologramm, Sicherheitsstreifen, Silberband, UV- Farbfusseln und farblich wechselnden Zahlen habe noch kein Fälscher perfekt geschafft.

Arglose Zeitgenossen fallen immer wieder auf die einfachsten Blüten herein. "Fälscher schneiden das Hologramm oft aus Deko-Folie aus, die man in jedem Buch- oder Geschenkeladen kaufen kann", sagt Bundesbank-Gutachter Roland Müller. Da kleben dann silberne Blumen, metallig-glänzende Sterne oder ein Metallstreifen mit dem Aufdruck "Aral"-Tankstelle auf dem Geldschein - die Rückseite der Note ließ ein Fälscher gleich ganz weiß.

Fantasiescheine mit nackten Damen

Ein pfiffiger Mann aus dem Sauerland spezialisierte sich auf 200-Euro-Scheine. Dafür schnitt er aus 20-Euro-Scheinen die silberne "20" und die silberne "0" aus und klebte sie gemeinsam als "200" auf seine neuen Scheine. Selbst Fantasiescheine landen in den Kassen mancher Geschäfte. 40 Mal gingen bislang 300-Euro-Noten aus einer Mainzer Druckerei in Deutschland über den Ladentresen, berichtet die Bundesbank. Mit ihrer grünen Färbung ähneln die Scherz-Banknoten zwar der 100-Euro-Note - doch an dem Tor, das auf dem Schein abgebildet ist, lehnen zwei nackte Damen. Ein Familienvater legte den falschen Geldschein in die Küche. Seine ahnungslose Frau ging damit zur Bäckerei, um Brötchen für 3 Euro zu kaufen. Das Wechselgeld von 297 Euro wurde ihr anstandslos ausgezahlt.

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes stammt das meiste Falschgeld aus Osteuropa. In Litauen und Bulgarien konnten die Fahnder im vergangenen Jahr große Fälscherwerkstätten ausheben. Die Herstellung und Verbreitung von Falschgeld wird mit 2 bis 15 Jahren Haft bestraft. Wer einen falschen Schein im Portemonnaie entdeckt, sollte schnellstmöglich die Polizei informieren, denn die Weitergabe ist strafbar. Dann erhält der Verbraucher eine Quittung, aber kein Geld - sonst wäre Fälschern Tür und Tor geöffnet. Beruhigt können Bankkunden sein: Trotz einiger Verdachtsfälle wurde laut Bundesbank bislang in keinem Fall nachgewiesen, dass ein Bankautomat tatsächlich Falschgeld ausgegeben hat.

Noten aus reiner Baumwolle

In zehn Prozent der Fälle müssen die Bundesbank-Mitarbeiter auf falschen Alarm reagieren. "Es passiert immer wieder, dass Ladenbesitzer die Polizei rufen und Kunden verhört werden, weil ein angeblich falscher Geldschein aufgetaucht ist", sagt Rainer Elm. Zum Beispiel wenn ein Schein bei 60 Grad oder mehr in der Waschmaschine zu heiß gewaschen wurde. Da Euro-Noten aus reiner Baumwolle bestehen, gehen sie um mehrere Millimeter ein. Der Weißmacher im Waschmittel lässt die Note erblassen, ihr Silberstreifen verschwindet.

Marion Trimborn/DPA DPA

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