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49 Festnahmen Ein Drittel des Kokainhandels in Europa kontrolliert – Europol zerschlägt "Super-Kartell"

Europol Hauptquartier in Den Haag
Das Hauptquartier von Europol in Den Haag
© Peter Dejong / DPA
Der Europäischen Polizeibehörde Europol ist ein Aufsehen erregender Schlag gegen den Kokainhandel gelungen. In einem koordinierten Einsatz wurde ein "Super-Kartell" ausgehoben, das für 30 Prozent des Kokainhandels in Europa verantwortlich gewesen sein soll. 

Mit Polizeieinsätzen in Dubai und mehreren europäischen Ländern ist ein großes europäisches Kokainschmuggelnetzwerk zerschlagen worden. Wie die europäische Polizeibehörde Europol am Montag in Den Haag verkündete, wurden insgesamt 49 Verdächtige festgenommen, darunter sechs "hochrangige Zielpersonen" im Emirat Dubai. Diese hätten sich zu einem "Super-Kartell" zusammengeschlossen, "das rund ein Drittel des Kokainhandels in Europa kontrollierte".

Festnahmen gab es Europol zufolge auch in vier europäischen Ländern: 14 in den Niederlanden, zehn in Belgien, sechs in Frankreich und 13 in Spanien. Außerdem seien im Zuge der Ermittlungen gegen das Schmuggelnetzwerk 30 Tonnen Kokain beschlagnahmt worden. Das Kokain stammte den Angaben zufolge größtenteils aus Lateinamerika. Es sei durch den niederländischen Hafen Rotterdam und den belgischen Hafen Antwerpen nach Europa geschleust worden.

"Das Ausmaß des Kokain-Imports nach Europa unter der Kontrolle und dem Kommando der Verdächtigen war massiv", hob Europol hervor. Von den sechs "hochrangigen Zielpersonen" hatten demnach zwei Verbindungen in die Niederlande, zwei nach Spanien und zwei nach Frankreich.

Bei den Verdächtigen mit Verbindung zu den Niederlanden handelt es sich nach Angaben der niederländischen Staatsanwaltschaft um einen 37-Jährigen mit niederländischer und marokkanischer Staatsbürgerschaft, der 2020 und 2021 tausende Kilogramm Kokain in die Niederlande geschmuggelt haben soll. Außerdem sei ein 40-Jähriger mit niederländischem und bosnischen Pass gefasst worden. Die niederländische Staatsanwaltschaft kündigte an, bei den Vereinigten Arabischen Emiraten die Auslieferung der beiden Verdächtigen zu beantragen.

"Einer der niederländischen Verdächtigen ist ein extrem dicker Fisch", erfuhr die Nachrichtenagentur AFP von einer Quelle bei Europol. Bei den beiden niederländischen Verdächtigen gehen die Ermittler demnach davon aus, dass sie Verbindungen zu dem Drogenboss Ridouan Taghi hatten. 

Taghi war 2019 in Dubai festgenommen worden und steht derzeit in den Niederlanden vor Gericht. Er soll ein riesiges Kokain-Schmuggelnetzwerk in Amsterdam geleitet haben. Zu den diversen Anklagepunkten gegen Taghi zählt aber auch Mord.

Grundstein für erfolgreichen Europol-Einsatz wurde bereits vergangenes Jahr gelegt

Die nun von Europol verkündeten Festnahmen gehen den Angaben zufolge zurück auf den Einsatz "Sky ECC", bei dem vergangenes Jahr ein von kriminellen Organisationen genutztes verschlüsseltes Kommunikationsnetzwerk zerschlagen worden war. Zuvor hatten Ermittler lange Zeit geheime Informationen aus diesem Netzwerk abgeschöpft. Auf die daraus gewonnenen Ermittlungserkenntnisse werden bereits etwa tausend Festnahmen zurückgeführt, darunter die eines kolumbianischen Drogenbrarons.

Zu den nun erfolgten Festnahmen in Spanien teilte die dortige Polizei mit, die 13 Beschuldigten seien am 8. November in Barcelona, Madrid und Málaga gefasst worden, nachdem im Hafen der südostspanischen Stadt Valencia 698 Kilogramm Kokain in einem Container entdeckt worden seien.

Der Versuch, den Kopf dieses Drogenhandels, einen Briten, in Spanien festzunehmen, scheiterte den Angaben zufolge. Er sei nach Dubai geflohen und habe von dort aus die illegalen Geschäfte weiter geführt. Die Droge kam der spanischen Polizei zufolge aus Panama - der Lieferant, ein Panamaer, lebte demnach ebenfalls in Dubai.

kng AFP

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