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Ex-RAF-Terroristin Verena Becker: Für Buback-Prozess zurück nach Stammheim

Der Prozess gegen die frühere RAF-Terroristin Verena Becker wird an einem geschichtsträchtigen Ort geführt. In Stammheim saßen bereits die RAF-Mitglieder Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe in Haft - und kamen dort zu Tode.

Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Mordanschlag auf den früheren Generalbundesanwalt Siegfried Buback und zwei seiner Begleiter muss sich die frühere RAF-Terroristin Verena Becker ab dem 30. September wegen mutmaßlicher Beteiligung an den Morden vor Gericht verantworten. Der Prozess wird in Stuttgart-Stammheim stattfinden, wo früher RAF-Mitglieder in Haft saßen, wie das Oberlandesgericht Stuttgart am Montag mitteilte. Das Verfahren ist vorerst bis zum 21. Dezember terminiert.

Die Bundesanwaltschaft wirft der heute 57-jährigen Becker vor, Mittäterin bei dem Anschlag am 7. April 1977 gewesen zu sein. Becker war demnach "maßgeblich an der Entscheidung" für das Attentat sowie dessen "Planung und Vorbereitung" beteiligt. Am Vortag des Attentats soll sie an der Ausspähung des Tatorts in Karlsruhe mitgewirkt haben. Der Bundesanwaltschaft zufolge gibt es aber keine Anhaltspunkte dafür, dass Becker auch eines der beiden Mitglieder des Kommandos der linksterroristischen Rote Armee Fraktion (RAF) war, das den Anschlag auf den Wagen Bubacks von einem Motorrad aus verübt hatte.

Becker war im August 2009 in Berlin verhaftet worden, weil laut Bundesanwaltschaft ihre DNA-Spuren an damaligen RAF-Schreiben gefunden worden waren. Sie wird seitdem verdächtigt, an der Ermordung Bubacks indirekt beteiligt gewesen zu sein. Der Bundesgerichtshof hob allerdings im Dezember den Haftbefehl wegen mutmaßlicher Mittäterschaft auf. Das Gericht sah Becker nur noch der Beihilfe statt der Mittäterschaft verdächtig und entließ sie aus der Untersuchungshaft, da keine Fluchtgefahr bestanden habe.

Die ehemalige Terroristin war 1977 knapp einen Monat nach dem Buback-Attentat zusammen mit dem damaligen RAF-Mitglied Günter Sonnenberg im baden-württembergischen Singen nach einer Schießerei mit der Polizei gefasst worden. Ein bereits damals gegen sie eingeleitetes Ermittlungsverfahren wegen des Buback-Mordes wurde 1980 eingestellt, da trotz eines verbleibenden Tatverdachts keine für eine Anklageerhebung ausreichenden Beweise vorlagen. Becker wurde aber noch im Dezember 1977 in einem anderen Verfahren wegen versuchten gemeinschaftlichen Mordes an sechs Menschen zu einer lebenslangen Haft verurteilt. 1989 wurde sie dann begnadigt.

Michael Buback, Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts, zeigte sich "außerordentlich erleichtert" über die Zulassung der Anklage. "Es kommt darauf an, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Dies ist nicht nur wichtig für mich, sondern auch für das Land und den Rechtsstaat", sagte Buback dem Magazin "Kulturzeit" des TV-Senders 3sat. Er sei sich sicher, "dass die Todesschützen auf dem Motorrad bislang noch nicht angeklagt wurden".

Welcher der Terroristen damals auf dem Motorrad saß und wer die Todesschüsse abgab, ist bis heute unbekannt. Als Täter waren wegen gemeinschaftlichen Mordes die damaligen Terroristen Christian Klar, Knut Folkerts und Brigitte Mohnhaupt verurteilt worden. Michael Buback geht wegen angeblich glaubhafter Hinweise eines Informanten aus der Szene davon aus, dass der ortskundige damalige RAF-Terrorist Günther Sonnenberg das Motorrad gefahren haben könnte. Laut einem "Spiegel"-Bericht von 2007 soll Stefan Wisniewski auf dem Sozius gesessen und Buback sowie dessen Begleiter erschossen haben. Da Mord nicht verjährt, ermittelt die Bundesanwaltschaft seit 2007 auch gegen Wisniewski, allerdings nicht gegen Sonnenberg.

AFP / AFP