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Ex-Rocker packt aus: Der "Imperator" belastet Hells-Angels-Chef

Der Ex-"Präsident" der Rockergruppe Legion 81 fungiert vor dem Kieler Landgericht als Kronzeuge. Seine Aussage belastet vor allem den hannoverschen Hells-Angels-Chef Frank Hanebuth. Die Innenminister prüfen ein bundesweites Verbot von Rockerclubs.

Ein Ex-Rocker als Kronzeuge: Der Chef einer früheren Hilfstruppe der Hells Angels hat vor dem Kieler Landgericht Einblicke in das Innenleben der Bande gegeben. Bei den kriminellen Machenschaften der Hells Angels spiele demnach der hannoversche Clubpräsident Frank Hanebuth überregional eine zentrale Rolle.

Hanebuth wurde am Donnerstag vom früheren "Präsidenten" der inzwischen aufgelösten Kieler Rockergruppe Legion 81 schwer belastet. Er habe auch die Ermordung eines Türken in Kiel in Auftrag und zur Ausführung "grünes Licht" gegeben. Hanebuths Anwalt sagte zu den Vorwürfen: "Sofern es um Herrn Hanebuth geht, sagt er die Unwahrheit." Hanebuth kenne den Mann gar nicht, der in Kiel ausgesagt habe.

Der Zeuge selbst ist wegen Zuhälterei und schwerer Körperverletzung angeklagt, hat aber nach Angaben seines Anwaltes den Status eines Kronzeugen. Er kann mit einem geringeren Strafmaß rechnen.

"Nicht rechts oder links, es geht um Kohle"

Mit seiner Aussagebereitschaft ging der Angeklagte ein hohes Risiko ein. Aus Sicht der Hells Angels ist er ein Verräter, ihr Ehrenkodex verpflichtet zum Schweigen. Deshalb war der Ex-Rocker mit einem gepanzerten Fahrzeug, geschützt von Spezialkräften der Polizei, zum Gericht gebracht worden.

Der Ex-Rocker mit den früheren Spitznamen "Imperator" und "Kugelblitz" nannte zahlreiche Namen von Rockermitgliedern und deren Aufgaben. "Das ist eine abgeschlossene Welt mit eigenen Autohändlern, eigenen Discos und bestimmten Kommunikationswegen, die eingehalten werden müssen", sagte der Zeuge. "Die Hells Angels sind nicht rechts oder links, es geht um Kohle."

"Der ist tot!"

Hanebuth habe die Finanzlage auch in Kiel überwacht. Sein Okay sei zudem für den Gebrauch von Schusswaffen notwendig gewesen. Neben einem Objekt in Hamburg war auch das Anwesen Hanebuths bei Hannover durchsucht worden. GSG 9-Spezialkräfte hatten sich vom Hubschrauber abgeseilt und das Haus gestürmt.

Der Zeuge trug bei seiner Aussage eine schusssichere Weste. Das Gericht war von zahlreichen Polizisten gesichert. Eine Glasscheibe trennte die Zuschauer von der Verhandlung. Während der Aussage des Rockers sprang ein tätowierter Zuhörer auf und stieß eine indirekte Morddrohung gegen ihn aus: "Der ist tot."

Suche im Beton geht weiter

Der Ex-Rocker soll der Staatsanwaltschaft unter anderem auch den Tipp gegeben haben, dass sich in einer Lagerhalle in Altenholz bei Kiel die einbetonierte Leiche eines seit zwei Jahren vermissten und angeblich von Hells Angels ermordeten Türken befinden soll. Auch am Donnerstag blieb die Suche zunächst ohne erkennbaren Erfolg, wie die Polizei auf Anfrage mitteilte.

Der Kronzeuge hat Zeugenschutz erhalten. Er wird aus Sicherheitsgründen von den Behörden an einem geheimen Ort versteckt. Seine Hinweise sollen die Groß-Razzia mit 1200 Polizisten vor einer Woche in 89 Bordellen, Kneipen und Wohnungen vor allem im Raum Kiel mit ausgelöst haben.

Innenminister beraten über bundesweites Verbot

Unterdessen loten die Innenminister bei ihrer Konferenz in Mecklenburg-Vorpommern ein bundesweites Verbot von Rockerclubs aus. Es gebe Anzeichen für eine intensive Vernetzung der Clubs untereinander, sagte der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Lorenz Caffier (CDU), am Rande des Treffens. Belastbare Beweise lägen aber noch nicht vor.

Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) zeigte sich noch skeptisch: "Die Frage, ob wir bundesweit ein Verbot von Rockergruppen aussprechen können, hängt davon ab nachzuweisen, dass es auch bundesweite Strukturen gibt. So lange diese Beweise nicht eindeutig geführt werden können, muss man länderspezifisch vorgehen."

fw/DPA / DPA