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Ex-Topmodel vor dem Richter: Nadja Auermann soll Steuern hinterzogen haben

Um 270.000 Euro Einkommenssteuer soll Nadja Auermann den deutschen Staat gebracht haben. Dafür muss sich das Ex-Model jetzt vor Gericht verantworten.

Das Ex-Model Nadja Auermann muss sich seit diesem Donnerstag in Berlin vor Gericht verantworten. In dem Prozess wird dem früheren Topmodel vorgeworfen, dem Fiskus genau 272 498 Euro vorenthalten zu haben. Streitpunkt ist eine Immobilie in Berlin-Köpenick. Die Kernfrage lautet: Hat sie darin gewohnt und musste Steuern zahlen oder war ihr Lebensmittelpunkt in Monaco?

Richter Jürgen Kohls gab der mittlerweile dreifachen Mutter viel Raum für ihre Erläuterungen. Anders als ihr mitangeklagter Ex-Mann, der die Aussage verweigerte, bestritt Auermann mit hoch erhobenem Kopf eine Stunde lang, bereits ab 1999 in Deutschland gewohnt zu haben - dann wäre sie hier auch steuerpflichtig gewesen.

Vielmehr habe sie bis 2002 in Monaco gewohnt und dort auch ihre Tochter Cosima im Kindergarten angemeldet. Weil sie es immer schon toll gefunden haben, am Wasser zu leben, habe sie im März 1999 auch eine Immobilie an einem See in Berlin-Köpenick gekauft, in der sie vielleicht eines Tages ihren Ruhestand verbringen wollte, schilderte Auermann.

Die geborene Berlinerin war Anfang der 90er Jahre in die Liga der internationalen Topmodels aufgestiegen. Modezar Karl Lagerfeld nannte sie die "neue Marlene Dietrich", Starfotografen wie Peter Lindbergh und Helmut Newton waren von ihr begeistert und lichteten sie für Modemagazine ab. Nach der Geburt ihres ersten Kindes 1997 suchte Auermann nach finanzieller Absicherung. "Model sein ist - wie bei Sportlern - ein kurzlebiger Beruf", sagte sie.

Die Immobilieninvestition in Köpenick, über zwei Firmen getätigt, machte Auermann jedoch nicht glücklich: Das Haus lag in der Einflugschneise des Flughafens und benötigte darüber hinaus eine grundlegende Sanierung, die sich über Jahre hinziehen sollte. "Jeder, der schon mal gebaut hat, weiß: Man muss vor Ort sein", sagte Auermann. Sie aber sei eben meistens in Monaco gewesen, was die Bauarbeiten in die Länge gezogen habe. "Das war ein Lehrstück für mich. Ich bin Model und kann Immobilien nicht."

Plötzlich schlug die bisher so Selbstsichere im Gerichtssaal die Hände vors Gesicht und brach in Tränen aus, als sie auf ihre Mutter zu sprechen kam. Ihr Anwalt Robert Unger musste fortfahren: 2002 sei Auermann nach Deutschland zurückgekehrt, um sich um ihre kranke Mutter zu kümmern, die kurz darauf starb.

Außerdem sollte ihre Tochter richtig Deutsch lernen und nicht den Mischmasch, der sich im Kindergarten in Monaco aus den Sprachen der 16 Nationen dort ergab.

Doch der Staatsanwalt ließ nicht locker. Auermann bestätigte, dass sie mit anderen Prominenten über Steuern gesprochen habe. Die meisten hätten ihr gesagt: "Bist Du bekloppt, warum willst Du denn zurück nach Deutschland?"

Doreen Fiedler/DPA / DPA