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Exekutierter Brite: Das glücklose Leben des Akmal Shaikh

Er wollte mit einem Lied über einen Hasen die Welt befrieden und Popstar werden. Nun wurde Akmal Shaikh in China wegen Heroinschmuggels hingerichtet. Das Leben des Briten - eine einzige Tragödie.

Von Cornelia Fuchs, London

Akmal Shaikh war fest davon überzeugt, bald ein weltweit bekannter Popstar zu sein. Und nicht nur das: Er war ebenso sicher, dass er mit einem einzigen Lied den Weltfrieden wird herstellen können. "Come little Rabbit" (Komm, kleiner Hase) singt er in einem Video, das Unterstützer von "Reprieve" vor einigen Tagen ins Internet gestellt haben. Die englische Menschenrechtsorganisation half der Familie des Angeklagten seit seiner Verurteilung im Jahr 2008 mit rechtlichem Beistand.

Es war ein letzter, verzweifelter Versuch, die chinesischen Behörden davon zu überzeugen, Shaikhs psychische Gesundheit zu untersuchen. Zu hören ist auf dem Video ein fröhlich klingender Mann, der völlig schief von dem einen Gott singt und einem kleinen Hasen, der beten soll.

Shaikh, der Traumtänzer

Seine Familie sagt, dass Shaikh bis zum Jahr 2001 unauffällig im Nordlondoner Stadtteil Kentish Town lebte und dort gemeinsam mit Verwandten ein Taxiunternehmen betrieb. Doch nach dem Ende seiner ersten Ehe 2001 scheint sich der Geisteszustand Shaikhs stark verändert, wenn nicht sogar bereits stark getrübt zu haben. Drei Jahre später wurde er von einer Angestellten beschuldigt, sie sexuell bedrängt zu haben und wurde zu einer Strafe von zehntausend Pfund verurteilt.

Ein Jahr später verließ Shaikh London und reiste nach Polen. Er wollte dort, so sagt die Familie, eine Fluglinie aufbauen - ohne Geld, ohne einen Geschäftsplan und völlig ohne irgendwelche Erfahrungen in der Flugindustrie. Er scheint jahrelang zwischen Warschau und Danzig auf der Straße geschlafen zu haben, das berichten Zeugen wie der katholische Priester Jacek Gniadek, der Shaikh in seiner Herbeerge Fu Shenfu in Warschau betreute.

Mit einem Lied das Welt retten

Shaikhs Benehmen wurde zunehmend bizarr in dieser Zeit. Er schrieb Emails und Briefe in riesigen Buchstaben an den Weihnachtsmann, von dem er sich eine Freundin wünschte, an Tony Blair, Sir Paul McCartney, George W. Bush und die britische Botschaft. Dort erzählte er, er habe mit dem Erzengel Gabriel gesprochen und hätte das U-Bahn-Attentat vom 7. Juli 2005 in London verhindert, wenn er nur eine Pressekonferenz hätte geben können.

Während der ganzen Zeit scheint Shaikh ein Ziel mit besonderer Vehemenz verfolgt zu haben: Er wollte eine Platte aufnehmen, ein Lied, das die Welt retten werde. Seinen verwirrten Glauben an diese Mission scheinen zwielichtige Gestalten ausgenutzt zu haben. Immer wieder taucht in seinen Emails der Name von Carlos auf, der ihm den Einstieg in die Musikindustrie versprochen zu haben scheint.

2007 flog Shaikh mit Carlos Hilfe nach Kirgistan. Dort wurde ihm der Pass abgenommen, eine Tatsache, die Shaikh nicht gestört zu haben scheint, weil er glaubte, seine baldige Berühmtheit würde ihn auf allen Flughäfen bekannt machen. In Kirgistan wurde ihm ein Plattenvertrag versprochen, er müsse nur mit einem weiteren Mann namens Okole weiterfliegen. Der kam mit ihm nach Tadschikistan, wo beide in einem Fünf-Sterne-Hotel nächtigten - für Shaikh ein weiterer Beweis, dass er sich auf dem Weg zum Weltruhm befand.

Richter lachten bei Shaiks Verteidigung

Im Hotel gab ihm Okole einen Koffer und befahl ihm, alleine nach China zu fliegen. Shaikh wurde am 12. September 2007 von den Zollbehörden im chinesischen Ürümqi in der uigurischen Region Xinjiang durchsucht. Sie fanden in seinem Koffer über vier Kilo Heroin mit einem Marktwert von über 250.000 Euro.

Shaikh wurde zum Tode verurteilt, bei der Berufungsverhandlung im Mai 2008 bestand er darauf, sich selber zu verteidigen. Seine Rede war so unzusammenhängend und wirr, dass die Richter lachen mussten. Trotzdem wurde sein Geisteszustand von den chinesischen Behörden nicht weiter untersucht.

Die Familie versuchte seitdem mit Hilfe der Menschenrechtsorganisation "Reprieve" eine erneute Evaluierung durch Psychologen durchzusetzen. Die Organisation flog den Psychologen Peter Schaapveld aus London ein, der jedoch keine Besuchsgenehmigung erhielt. Aufgrund von Protokollen, die nach Besuchen von britischen Konsularangestellten bei Shaikh angefertigt wurden, stellte Schaapveld fest, dass zu "99 Prozent eine bipolare oder manische Erkrankung" vorliege.

"Wir werden uns schnell daran gewöhnen müssen"

Doch keine der Einwände wurde von den chinesischen Behörden berücksichtigt, und Shaikh starb in der Nacht zu Dienstag, angeblich durch eine Giftspritze. Er soll bis zum Morgen seines Hinrichtungstages nichts von seiner Strafe gewusst haben.

Der britische Premierminister Gordon Brown verurteilte die erste Hinrichtung eines Europäers in China seit mehr als einem halben Jahrhundert scharf. Er sei entsetzt und enttäuscht, dass die Gnadenappelle nicht erhört worden seien. Die Chinesen reagierten auf diese Äußerungen ebenso deutlich: Sie seien überaus unzufrieden über die unangemessenen Äußerungen der britischen Regierung, die Briten sollten diesen Fehler beheben, um die Beziehung zwischen China und Großbritannien nicht zu gefährden.

Michael White, Kolumnist für die Tageszeitung "The Guardian", erinnerte seine Leser daran, dass das Schicksal von Akmal Shaikh an tief gelegene historische Wunden rührt: die Opiumkriege im 19. Jahrhundert. Damals schmuggelten britische Händler illegal Opium ins Land, um für die heißumworbenen Waren Tee, Seide und Porzellan zu zahlen. Zweimal versuchte sich die chinesische Qing-Dynastie gegen den Schmuggel zu wehren. Zweimal wurden sie militärisch besiegt und verloren Hongkong.

"Akmal Shaikh war der falsche Mann am falschen Ort", schreibt White. "China wird einem Vortrag von Europäern über die Moral des Drogenschmuggels völlig gleichgültig gegenüberstehen. Als aufsteigende Weltmacht wird es sich sowieso keine Vorträge mehr anhören - und wir werden uns schnell daran gewöhnen müssen."