Fahndung Flucht im Rollstuhl


Schon 1992 war Josef Müller wegen Betrugs und Untreue zu einer Haftstrafe verurteilt worden. Doch die Vollstreckung konnte der querschnittsgelähmte Ex-Diplomat stets verhindern. Seine Agilität hat jetzt die Behörden überrascht.

Kurz vor Haftantritt ist ein wegen mehrfachen Betrugs verurteilter Rollstuhlfahrer und Ex-Diplomat geflüchtet. Für den früheren Honorarkonsul von Panama war wegen seiner schweren Behinderung erst nach zwölfjähriger Suche in ganz Deutschland ein Gefängnis gefunden worden. Der seit einem Unfall querschnittgelähmte gelernte Steuerberater sollte im nordrhein-westfälischen Hövelhof seine viereinhalbjährige Haftstrafe antreten.

Doch wer nicht erschien, war der 49-Jährige. Er wohnte in Fürstenfeldbruck bei München und war bis zuletzt eine schillernde Figur der Schickeria. Er werde mit internationalem Haftbefehl gesucht, teilte die Polizei mit.

Lange Strafakte

Die Strafakte des getrennt von seiner Frau lebenden Ex-Diplomaten ist lang: Im gesamten Großraum München legte der Freund nobler Autos und Gast sündteurer Hotels arglose Leute mit Immobilienbetrügereien und Anlagegeschäften herein. Er versprach seinen Geschäftspartnern hohe Zinsen für das ihm überlassene Geld, das sie freilich nie mehr wiedersahen. 1992 wurde er vom Landgericht München II wegen Betrugs und Untreue zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt.

Für die Justiz begann damit eine schier endlose Suche nach einem geeigneten Gefängnis, in dem der seit einem Autounfall 1973 an den Rollstuhl gefesselte Mann seine Strafe in einer spärlich eingerichteten Zelle hätte absitzen können. Wo die Vollstreckungsbehörden auch anfragten, in ganz Deutschland fand sich keine Justizvollzugsanstalt (JVA), die den an luxuriöse Suiten gewohnten Häftling aufnehmen wollte.

Erst nach fast zwölf Jahren Suche machte die bayerische Justiz die auf pflegebedürftige Straftäter spezialisierte JVA in Hövelhof ausfindig. Der über ein Jahrzehnt gewährte Strafaufschub wurde daraufhin von der Justiz widerrufen. Anfang Oktober wurde dem Betrüger Jahres ein Schreiben mit der Aufforderung zum sofortigen Haftantritt in seine Wohnung nach Fürstenfeldbruck geschickt.

Jede Spur fehlt

Seitdem fehlt von dem mittlerweile 49-Jährigen jede Spur. "Der Mann muss bei seiner Flucht Helfer gehabt haben", meinte am Dienstag ein Polizeisprecher in München, was bei dem bis zuletzt aufwändigen Lebensstil des Gauners kein Problem gewesen sein dürfte. Denn trotz seiner Verurteilung war der Ex-Konsul mit den grauen Schläfen und dem Oberlippenbart eine schillernde Figur in der Münchner Schickeria geblieben.

"Er pflegt einen äußerst luxuriösen Lebensstil", heißt es dazu in einer Mitteilung der Kripo Fürstenfeldbruck. Möglicherweise genießt der Betrüger Luxus pur bereits seit einigen Wochen unter Palmen auf einer fernen Insel.

Paul Winterer/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker