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Fahndung nach Heckhoff und Michalski: Zwei haben nichts zu verlieren - Fluchtwagen gefunden

Mord, Geiselnahme, Raub - Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski zählen zu den brutalsten Verbrechern des Landes. Auf der Flucht: zwei Männer, die ihr Leben im Knast verbracht haben. Nun wurde der 5er-BMW gefunden, mit dem die Männer unterwegs waren.

Von Frank Thomsen

Durch Essen kriecht die Angst. Eine ganze Stadt malt sich aus, dass hinter der nächsten Ecke Michael Heckhoff und Peter Paul Michalski lauern könnten - jene zwei bewaffneten Schwerverbrecher, die am Donnerstag aus dem Knast in Aachen ausgebrochen sind. Sie gelten als jederzeit schussbereit und sollen zuletzt im Essener Süden gesehen worden sein. Mütter zeigen nun ihren herangewachsenen Kindern Bilder der Flüchtigen, damit sie beim Kneipen- und Clubbesuch am Freitagabend die Augen offen halten. Autofahrer machen sich an der roten Ampel Gedanken, ob wohl gleich die Tür aufgerissen wird und sie eine Pistole am Kopf spüren. Ladenbesitzer schlossen ihre Geschäfte am Freitagabend früher.

Die Flucht löst eine der spektakulärsten Polizeiaktionen des Jahres aus, koordiniert von der Kölner Polizei. Die Fahndung läuft seit Donnerstagabend. Zuletzt hatten die beiden am Samstag einem Essener Ehepaar einen schwarzen 5er-BMW (Kennzeichen E - PS 1010) geraubt und waren erneut geflüchtet. Die Besitzer blieben unverletzt. Nach Informationen von "bild.de" handelte es sich um ein Unternehmerehepaar aus Essen. Mit dem Manager sollen Heckhoff und Michalski stundenlang umhergefahren sein, anschließend hätten sie ihn in Mühlheim-Saarn freigelassen. Die Frau hätte im Haus warten müssen, ihr drohten die Täter nach bild.de-Informationen an, ihrem Mann etwas anzutun, sollte sie die Polizei rufen. Die Polizei bestätigte den Bericht nicht. Mittlerweile ist das Auto in Mülheim an der Ruhr gefunden worden. Zumindest einer der Ausbrecher hat nach den Erkenntnissen der Polizei in der Gegend "persönliche Bezüge", ob verwandtschaftlicher oder freundschaftlicher Art, wollte ein Polizeisprecher nicht sagen.

Bis zum Ausbruch der Schwerverbrecher galt die Justizvollzugsanstalt in Aachen als hundertprozentig sicher, niemand war hier rausgekommen. Es ist der Knast der besonders schweren Jungs: Mörder, Kinderschänder, viele Lebenslängliche.

Ein Gefängniswärter als Fluchthelfer

Heckhoff und Michalski fanden einen Weg heraus; offenbar half ihnen ein Gefängniswärter, der nun auf der anderen Seite der Gitterstäbe sitzt - in U-Haft. Auf der Flucht fuhren sie zunächst mit dem Taxi, das sie brav bezahlten. Dann aber nahmen sie eine Frau als Geisel und ließen sich von Köln nach Essen fahren. Da blieb das Auto der Geisel ohne Sprit liegen. Und in Essen sollen sie nun immer noch sein. Wo genau: Entweder weiß es die Polizei nicht, oder sie sagt es nicht.

Auf der Flucht sind zwei Männer, die ihr erwachsenes Leben in Zellen und auf Gefängnishöfen verbracht haben: Michael Heckhoff, 50, und Peter Paul Michalski, 46. Ihre Verbrechen: Geiselnahme und Mord. Ihre Urteile: lebenslänglich. Ihre Aussichten auf ein normales Leben: nahe null.

"Die beiden sind nicht so nett und sympathisch, wie sie auf den Fahndungsbildern wirken. Sie sind alles andere als nett. Sie sind brandgefährlich", sagte ein Polizeisprecher.

Seit fast 30 Jahren hinter Gittern

Michael Heckhoff ist ein etwas dicklicher Mann mit Schnauzbart (den er sich inzwischen abrasiert haben soll), 1,75 Meter groß. Er gilt als einer der gefährlichsten Geiselgangster Deutschlands. Seit Anfang der 80er Jahre sitzt er, mit kurzen Unterbrechungen, im Gefängnis. Er war nach einer Geiselnahme in der JVA Werl 1992 wegen Mordversuchs verurteilt worden. Bei der Geiselnahme zündete sein Komplize zwei Geiseln an. Heckhoff hatte für die Tat eine Pistolenattrappe aus Seife und Brot geknetet, die wie eine echte aussah. Kriminell war Heckhoff schon lange vorher: als Geiselnehmer und Bankräuber.

Peter Paul Michalski wirkt auf einem Polizeifoto hager, klug sieht es aus, wie er in die Kamera blickt. 1,76 Meter groß ist er. Michalski sitzt ebenfalls seit Anfang der 80er Jahre im Knast, mit einer dreijährigen Unterbrechung. Wegen Mordes und schwerer räuberischer Erpressung bekam er lebenslänglich. Diese Taten beging er 1993 bei zwei Raubüberfällen - während eines Hafturlaubs.

Zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung

Trotz Großfahndung mit Hubschraubern, Hunden und Wärmebildkameras sind Heckhoff und Michalski am Samstagnachmittag noch immer nicht gefasst. Die Polizei erhielt zahlreiche Hinweise aus der Bevölkerung. Eine heiße Spur schien zunächst nicht darunter zu sein. Durchsuchungen von Waldgebieten und einem Schwimmbad im Essener Süden bleiben ohne Erfolg.

So bleibt die Angst. Und jede Information, die die Polizei veröffentlicht, nährt diese Angst weiter. So teilt die Polizei am Samstagvormittag mit: Niemand solle den beiden Männern zu nahe kommen, sie seien nervlich stark angespannt, hätten womöglich seit Donnerstag wenig gegessen und kaum geschlafen. Ein guter Tipp, hoffentlich wird sich jeder dran halten können.

mit AP