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Fahndung: Streit unter Kinderpornografie-Ermittlern

Nachdem Deutschlands größte Fahndung in Sachen Kinderpornografie öffentlich geworden ist, fürchten die Ermittler um den Erfolg ihrer Arbeit. Das bayerische Landeskriminalamt kritisierte die Kollegen in Sachsen-Anhalt. Die wehren sich. Unterdessen gehen die umfangreichen Ermittlungen weiter.

Bei den Ermittlungen im bisher größten Kinderpornografie-Fall in Deutschland mit rund 12.000 Verdächtigen stehen noch zahlreiche Durchsuchungen aus. Das bayerische Landeskriminalamt (LKA) kritisierte deswegen den zuständigen Oberstaatsanwalt Peter Vogt in Sachsen-Anhalt. LKA-Sprecher Peter Burghardt sagte der Nachrichtenagentur AP, der Großteil der rund 1.900 Fälle in Bayern sei noch nicht abgearbeitet, und bei einer Reihe von Verdächtigen hätten noch keine Durchsuchungen stattgefunden. Deshalb sei man mit der Veröffentlichung "nicht glücklich".

Vogt wies den Vorwurf zurück. Er sagte der AP, er habe lediglich bestätigt, womit ihn Medien konfrontiert hätten. Er habe von sich aus weder den Namen der Operation noch die Zahl der 12.000 Verdächtigen genannt, betonte der Chef der Zentralstelle für Ermittlungen gegen Kinderpornografie bei der Staatsanwaltschaft Halle. Er habe der "Mitteldeutschen Zeitung" und dem MDR die Informationen bestätigt, dass gegen rund 12.000 Verdächtige ermittelt werde und 323 Wohnungen in Sachsen-Anhalt durchsucht worden seien. Es gebe weitere Verdächtige in etwa 70 Ländern, sagte Vogt. Die Fahnder seien ihnen aufgrund des Hinweises eines Berliner Internetanbieters auf die Spur gekommen. "Der Provider hatte einen enormen Datenverkehr festgestellt. Bei deren Analyse stellte sich heraus, dass es sich um Zugriffe auf ein kinderpornografisches Portal handelte."

Nach Informationen der ARD soll es sich um den Internetanbieters Strato handeln, der bereits Anfang des Jahres die Polizei eingeschaltet habe. Burghardt bestätigte, dass die Ermittlungen Anfang 2007 in Gang gekommen sind. "Dass das eine oder andere durchsickert, ist klar", meinte er. In Bayern brauchten die Fahnder sicher noch ein paar Monate, um alle Fälle abzuarbeiten. Der LKA-Sprecher hatte in "Spiegel Online" erklärt: "Wir wollten die nicht vorwarnen." Man sei deshalb "enttäuscht, dass jetzt solche Medienarbeit betrieben wird".

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"So etwas ist uns noch nicht untergekommen"

Vogt wies darauf hin, bereits vor einigen Wochen sei in Presseberichten über den Kinderpornografie-Verdacht gegen vier Berliner Polizisten der Operationsname "Himmel" aufgetaucht. Außerdem seien am vergangenen Freitag die Ermittlungen gegen 1.700 Verdächtige in Baden-Württemberg veröffentlicht worden. LKA-Sprecher Burghardt zeigte sich von der Dimension der Operation überrascht: "So etwas ist uns noch nicht untergekommen." In Bayern sei inzwischen ein Drittel der Verfahren abgeschlossen, die anderen stünden noch aus. "Das sind so viele, das ist eine solche Dimension, dafür braucht man Zeit", sagte Burghardt. "Das dauert noch ein paar Monate. Jeder einzelne Fall muss geprüft werden, mit Richterbeschluss und Durchsuchungen. Bei so vielen Fällen geht das nur Schritt für Schritt."

Im November hatten die Betreiber der Internetbeschwerdestellen FSM, eco und jugendschutz.net mit dem Bundeskriminalamt und der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien eine Kooperationsvereinbarung mit dem Ziel unterzeichnet, die Verbreitung strafbarer - insbesondere kinderpornografischer - Inhalte im Internet in Deutschland einzudämmen. Über die Beschwerdestellen waren nach deren Angaben 2003 über einen Straftäter in Sachsen-Anhalt die weltweiten Ermittlungen unter dem Namen "Marcy" in Gang gekommen. Bei der Operationen in 166 Staaten mit 26.500 Verdächtigen wurden 38 kinderpornografische Zirkel im Internet gesprengt. Anfang dieses Jahres gelang den Ermittlern mit einer bisher einmaligen Zusammenarbeit mit Kreditkartenunternehmen zudem ein spektakulärer Schlag gegen Kinderpornografie im Internet. Bei der Operation "Mikado" wurde gegen 322 Verdächtige ermittelt.

AP / AP