Fall "Maddie" Polizei nimmt zwei Trittbrettfahrer fest


Seit zwei Monaten ist die vierjährige Madeleine spurlos verschwunden. Nun haben offenbar Betrüger versucht, sich an der tragischen Geschichte zu bereichern: Die Polizei nahm zwei Verdächtige fest, die versucht hatten, die Familie des Mädchens zu erpressen.

Fast zwei Monate nach dem Verschwinden der kleinen Madeleine in Portugal hat die spanische Polizei am Donnerstag zwei Betrüger festgenommen, die offenbar die Eltern des britischen Mädchens erpressen wollten. Der Italiener und die Portugiesin hätten Gerry und Kate McCann Informationen über ihre Tochter angeboten, teilte die Polizei mit.

Nach Angaben des Außenministeriums in Rom hat der Italiener nichts mit Madeleines Verschwinden zu tun. Das hätten spanische Behörden italienischen Diplomaten berichtet, hieß es. Die Verdächtigen wurden nach spanischen Polizeiangaben am Donnerstagmorgen in Sotogrande im Süden des Landes aufgegriffen. Die Ermittlungen hätten begonnen, nachdem die Polizei Informationen erhalten habe, dass die beiden versucht hätten, wegen einer Belohnung mit den McCanns in Verbindung zu treten, hieß es in einer Erklärung. Die Ermittlungen dauerten noch an.

Gegen den Italiener lag laut Polizei ein in Frankreich ausgestellter internationaler Haftbefehl vor. Der Mann wurde demnach wegen mutmaßlicher Verbindung zu einer kriminellen Gruppe gesucht. Wegen Kindesmisshandlung habe er in Frankreiche eine 18-monatige Haftstrafe verbüßt. Der Haftbefehl habe aber nichts mit dem Fall McCann zu tun, sagte eine Polizeisprecherin. Die Portugiesin sei wegen ihrer Verbindungen zu dem Italiener festgenommen worden.

Die portugiesische Polizei erklärte, es gebe keine Hinweise darauf, dass der Mann und die Frau mit dem Fall Madeleine zu tun hätten. "Es ist möglich, aber wir haben bis jetzt keine konkreten Hinweise gefunden", sagte ein Polizist. An den Festnahmen waren seinen Angaben zufolge zwei portugiesische Kollegen beteiligt.

Kein Kommentar von Maddies Eltern

Madeleines Eltern äußerten sich zu den Berichten nicht. Die Familie wisse nicht mehr, als über die Medien verbreitet werde, sagte der Bruder von Gerry McCann, John. Madeleine wurde am 3. Mai aus einer Ferienanlage in der Algarve entführt. Die Eltern hatten ihre drei Kinder schlafend in ihrem Appartement zurückgelassen, während sie rund 50 Meter entfernt zu Abend aßen.

In ihrer Verzweiflung reisten Madeleines Eltern Kate und Gerry McCann auch nach Berlin und baten deutsche Urlauber um Hilfe, die sich zum Zeitpunkt des Verschwindens von Madeleine im Ferienort Praia da Luz aufhielten. Die Touristen sollten ihre Urlaubsfotos auf verdächtige Personen im Hintergrund überprüfen und diese Bilder den Behörden schicken.

Die McCanns suchten auch Papst Benedikt XVI. auf, der ihnen im Rahmen einer Generalaudienz tröstende Worte stiftete. Unter großer Anteilnahme der Medien beteten die Eltern zudem im Wallfahrtsort Fatima für die sichere und gesunde Rückkehr ihrer Tochter. Prominente wie der britische Fußballspieler David Beckham unterstützten die Eltern bei ihrer Öffentlichkeitskampagne.

AP AP

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker