HOME

Prozess um dilettantische Entführung: Eltern von ermordeter Anneli wollen "um die Höchststrafe kämpfen"

DNA-Spuren am Entführungsort, unmaskierte Entführer und eine Lösegeldforderung per Online-Banking: Die beiden mutmaßlichen Täter im Entführungs- und Mordfall Annelie gingen äußerst dilettantisch vor. Nun stehen sie vor Gericht.

Mord nach Entführung: In der Auffahrt des Bauernhofes in Sachsen, wo man die Leiche von Anneli fand, stehen Kerzen und Blumen

Mord nach Entführung: In der Auffahrt des Bauernhofes in Sachsen, wo man die Leiche von Anneli fand, stehen Kerzen und Blumen

Der Fall der 17-jährigen Anneli-Marie aus Sachsen hielt im Sommer vergangenen Jahres die Öffentlichkeit tagelang in Atem: Das Mädchen wurde beim Gassigehen mit ihrem Hund verschleppt, die Entführer forderten von der Familie anschließend Lösegeld. Nach wenigen Tagen war jedoch klar, dass Annelie nicht mehr lebte. Am an diesem Montag beginnt vor dem Landgericht Dresden nun der Prozess gegen die beiden mutmaßlichen Täter.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 40 Jahre alten Markus B. und dem 62 Jahre alten Norbert K. vor, Anneli am Abend des 13. Augusts auf einem Feldweg in der Gemeinde Klipphausen bei Meißen in ein Auto gezerrt und verschleppt zu haben. Ihr Fahrrad und der Familienhund wurden später etwa zwei Kilometer vom Haus der Unternehmerfamilie entfernt gefunden.

Täter forderten über das Handy von Anneli Lösegeld

Bereits kurz nach der Entführung meldete sich einer der Täter über Annelis Handy bei der Familie und forderte 1,2 Millionen Euro. Im Hintergrund waren damals Schreie zu hören - erst später zeigte sich, das dies das letzte Lebenszeichen von Anneli war.

Eine fieberhafte Suche mit Hubschraubern und Spürhunden begann. Weitere Anrufe der Täter folgten, dann brach der Kontakt ab. Die Ermittler gingen mit einem Zeugenaufruf an die Öffentlichkeit. Doch erst DNA-Spuren, die am Fahrrad der 17-Jährigen gesichert wurden, brachten den Durchbruch.

Ein Abgleich führte zu dem unter anderem wegen Versicherungsbetrugs vorbestraften Markus B., sein Handy wurde in Bayern geortet, wo er vier Tage nach der Entführung festgenommen wurde. Seinen Kumpan Norbert K. fasste die Polizei zur gleichen Zeit in Dresden.

Zu diesem Zeitpunkt war Anneli bereits tot. Der Anklage zufolge soll Markus B. dem Mädchen bereits am 15. August und damit zwei Tage nach der Entführung eine Plastiktüte über den Kopf gezogen und sie dann mit Kabelbinder und Spanngurt erstickt haben. Auf dem verlassenen Grundstück des 40-Jährigen bei Klipphausen nahe Annelis Elternhaus wurde ihre Leiche später hinter einer Mauer gefunden.

Anklage: Mord und erpresserischer Menschenraub mit Todesfolge 

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden mutmaßlichen Tätern erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge und dem 40-jährige B. zudem Mord vor. Den Mordverdacht gegen Norbert K. konnten die Ermittler nicht aufrecht erhalten. Der 62-Jährige hatte nach seiner Festnahme zwar ein Teilgeständnis abgelegt, er soll die Tötung Annelis aber nicht gebilligt haben. Letztlich war er es, der den Hinweis zum Fundort der Leiche gab.

Hinsichtlich des Motivs gehen die Ermittler von einem sogenannten Verdeckungsmord aus. Anneli musste demnach sterben, weil die Täter fürchteten, dass das Mädchen sie später identifizieren würde. Die Entführer waren nicht maskiert, Täter und Opfer kannten sich nach Angaben der Ermittler zumindest vom Sehen.

Der 40-jährige B. wohnte mit seiner Familie bis kurz vor der Tat auf seinem Dreiseitenhof bei Klipphausen. Nach seinem Wegzug tauchte sein Kumpan dort regelmäßig auf. Beide waren verschuldet, worin die Polizei ein weiteres Motiv sah.

Täter gingen bei Entführung dilettantisch vor

Allerdings bemühten sich die mutmaßlichen Täter nicht wirklich, an das geforderte Geld zu kommen. Sie gingen recht dilettantisch vor und wollten sich das Lösegeld per Onlinebanking überweisen lassen - letztlich ein Ding der Unmöglichkeit.

Für den Prozess sind zunächst 15 Verhandlungstermine bis Ende August anberaumt. Auf der Gedächtnisseite für Anneli-Marie im Internet schreibt die Familie zum Prozess, die Öffentlichkeit solle "dem Entsetzen ins Gesicht sehen". "Wir wollen gemeinsam unsere Abscheu ausdrücken und um die Höchststrafe kämpfen", schreiben die Eltern Ramona und Uwe R., die im Prozess als Nebenkläger auftreten.

fin / AFP
Themen in diesem Artikel
Kindesunterhalt für volljähriges Kind ohne Zielstrebigkeit
Mein Kind ist 19 Jahre alt und lebt im Haushalt der Mutter. Es hat im Juli 2017 seine Schule nach der 10. Klasse dann mit Hauptschulabschluss verlassen. Danach wollte es auf einer Berfsfachschule Einzelhandel seinen Realschulabschluss nachholen (2 Jahre). Es besuchte die Schule im ersten Halbjahr nicht wirklich regelmäßig und im zweiten Halbjahr dann so gut wie gar nicht mehr. (zum Ende hin, ist es gar nicht mehr zur Schule gegangen) Das notwendige zweite Jahr ging es dann gar nicht mehr an. Stattdessen hat es sich für ein freiwilliges Soziales Jahr beworben und geht hier mehr oder weniger regelmäßig hin. Nun möchte es das FSJ abbrechen und wieder seinen Realschulabschluss nachholen. Dies soll in Vollzeit an der Volkshochschule geschehen. Zwischendurch ist immer wieder die Rede von verschiedenen Ausbildungen. Ein wirkliches Konzept, oder Interesse ist aber auch hier nicht erkennbar. Mal kommt es mit dem Berufswunsch Tierarzthelfer/In, mal mit Immobilienkaufmann/-Frau, oder Ähnlichem. Informationen über freie Stellen, oder Inhalte des Berufs und der Ausbildung können nicht genannt werden. Bei laufenden Bewerbungen am Ball zu bleiben liegt ihm auch nicht wirklich. Hab die Bewerbung ja hingeschickt, damit soll es dann auch gut sein. Langsam drängt sich mir der Verdacht auf, es sucht sich den bequemsten Weg heraus und verlässt sich auf meine nicht unerheblichen Unterhaltszahlungen. Frei nach dem Motto: Was soll ich mich kümmern, Väterchen muss ja zahlen, solange ich Schule oder Ausbildung mache. Um meinem Kind Anreize zu geben, endlich Zielstrebigkeit zu entwickeln, habe ich schon über die Kürzung bzw. Einstellung des Unterhals nachgedacht. Wie verhält sich das rechtlich, bzw. was kann ich tun?