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Fall Carlina White: Kindesentführerin stellt sich nach fast 24 Jahren

Das Schicksal von Carlina White rührt die USA. Das Mädchen war 1987 im Alter von 19 Tagen aus einer Klinik gekidnappt worden. Mehr als 23 Jahre später klärte sie jetzt ihre eigene Entführung auf und traf ihre leiblichen Eltern. Ihre Entführerin sitzt inzwischen in Haft.

Mehr als 23 Jahre nach der Entführung eines Babys aus einem Krankenhaus in New York hat sich die mutmaßliche Täterin den Behörden gestellt. Die Frau erschien am Sonntag bei der Polizei, nachdem die Justiz im US-Bundesstaat North Carolina wegen eines anderen Vergehens einen Haftbefehl gegen sie ausgestellt hatte, wie ein Sprecher der Bundespolizei FBI sagte. Sie sei wegen des Verstoßes gegen Bewährungsauflagen verhaftet worden. Zugleich werde mit den Ermittlern in New York wegen des Entführungsfalls zusammengearbeitet.

Entführerin war als Krankenschwester verkleidet

Der Fall der 1987 im Alter von 19 Tagen aus einem Krankenhaus im New Yorker Stadtteil Harlem entführten Carlina White hatte in den vergangenen Tagen für Schlagzeilen gesorgt. Ihre leiblichen Eltern hatten sie am 4. August 1987 mit hohem Fieber in ein Krankenhaus in Harlem gebracht. Sie überließen das Baby einer Frau, die sich als Krankenschwester ausgab und noch am gleichen Abend mit der kleinen Carlina verschwand.

Es gab nie einen Verdächtigen, der Vorfall wurde von keiner Überwachungskamera festgehalten. Trotz einer Belohnung von 10.000 Dollar verliefen letztlich mehr als 23 Jahre lang alle Spuren im Sand.

Carlinas Verwandte erzählen, dass sie von einer Frau mit Namen Cassandra P. in Connecticut aufgezogen wurde. Als diese ihrer vermeintlichen Tochter trotz mehrfacher Nachfrage keine Geburtsurkunde vorzeigen konnte, schöpfte die 23-Jährige Verdacht. White überprüfte daraufhin Kidnapping-Internetseiten und suchte nach ihrem Steckbrief. Zu Beginn beschränkte sie ihre Suche auf den Bundesstaat Connecticut, erst als sie landesweit über ihr Schicksal recherchierte, wurde sie fündig.

"Ich weiß nicht, wer ich bin"

Um die Weihnachtszeit rief White schließlich das US-Zentrum für vermisste Kinder an und klagte: "Ich habe das Gefühl nicht zu wissen, wer ich bin." Aufgrund eines DNA-Tests konnte sie einem ungeklärten Fall aus dem Jahr 1987 zugeordnet werden. Daraufhin wurde sie mit ihren leiblichen Eltern Joy White und Carl Tyson zusammengeführt.

White gibt an, in ihrer Kindheit von ihrer Entführerin geschlagen worden zu sein. New Yorker Zeitungen sagte sie, sie habe ihr ganzes Leben lang Zweifel gehabt, dass sie mit ihrer wirklichen Mutter zusammenlebe. Im Interview mit der New York Post sie: "Ich bin so glücklich. Gleichzeitig ist es aber ein komisches Gefühl, weil alles so neu ist. Es ist, als wäre ich neu geboren."

kng/DPA / DPA