Fall Corinna Polizei will letzte Zweifel am Täter ausräumen


Spätestens nach seinem Geständnis scheint der Mörder der neunjährigen Corinna überführt. Die Arbeit der Ermittler läuft dennoch auf Hochtouren weiter, sie wollen den mutmaßlichen Täter zusätzlich durch eine lückenlose Indizienkette überführen.

Nach der Festnahme des mutmaßlichen Mörders der kleinen Corinna aus dem sächsischen Eilenburg gehen die Ermittlungen mit Hochdruck weiter. So sollen am Tatort Spuren gesichert werden. Ziel ist es, den Täter zweifelsfrei zu überführen.

Am Samstagabend war der 39-jährige Peter S. in Gewahrsam genommen worden. Bei seiner Festnahme sei er betrunken gewesen, die Polizei hält sein Geständnis aber für glaubwürdig. "Wir sind der Überzeugung: Was er gesagt hat, das kann nur er wissen", sagte Sachsens Landespolizeipräsident Bernd Merbitz am Sonntag.

Dennoch müssen die Ermittler alle Spuren so aufbereiten, dass sie auch vor Gericht verwertbar sind. Gegen den Verdächtigen erging Haftbefehl. Ihm wird unter anderem Mord und Vergewaltigung mit Todesfolge vorgeworfen.

Es waren Hinweise aus der Bevölkerung, die zur Festnahme des mutmaßlichen Mörders geführt haben. 164 Hinweise hatte es gegeben, darunter vier besonders wertvolle. Ein Zeuge habe den 39-Jährigen in Begleitung eines Mädchens gesehen, auf das die von der Polizei herausgegebene Beschreibung von Corinna passte, berichtete Jürgen Georgie, Leiter der Polizeidirektion Westsachsen, am Sonntag. Ein weiterer Hinweis lautete, der Mann habe sich zu einer ungewöhnlichen Zeit ungewöhnlich verhalten. Ein dritter Zeuge hatte den mutmaßlichen Täter in nasser und verschmutzter Kleidung gesehen.

Der Tatort befindet sich laut Polizei nicht allzu weit von dem späteren Fundort der Kinderleiche entfernt und sei derzeit zur Spurensicherung abgesperrt. Über weitere Einzelheiten der Tat wurde nichts mitgeteilt. "Wir waren diesmal so schnell mit der Ermittlung des Täters, dass wir uns noch am Beginn der Spurenauswertung befinden", sagte Merbitz. Außerdem wollen die Ermittler keine Einzelheiten zur Tat bekanntgeben, um die weiteren Ermittlungen nicht zu gefährden. Zuletzt waren 122 Polizisten rund um die Uhr im Einsatz.

Vorbestraft, aber nicht als Sexualtäter

Georgie sagte weiter: "Wir können davon ausgehen, dass wir einen geständigen Täter haben und sind zuversichtlich, dass wir das auch objektiv beweisen können." Der Leitende Oberstaatsanwalt Hans Strobl betonte, bei dem Festgenommenen handle es sich nicht um einen Rückfalltäter. Der Mann sei zwar vorbestraft, aber nicht wegen Sexualverbrechen. Vielmehr habe er wegen lange zurückliegender Straftaten - wie unter anderem Brandstiftung - unter sogenannter Führungsaufsicht gestanden.

Der 39-Jährige ist geschieden und arbeitslos. Er wohnt ebenfalls in Eilenburg, rund einen Kilometer von der Wohnung von Corinnas Eltern entfernt. Nach Medienberichten soll der Mann selbst Vater einer Tochter sein. Die Polizei wollte sich dazu nicht äußern.

Die neunjährige Corinna war am vergangenen Dienstag vom Spielplatz nicht nach Hause zurückgekehrt. Am Tag darauf wurde ihre in einem Sack versteckte Leiche in einem Nebenarm des Flusses Mulde gefunden.

Die Familie von Corinna habe die Nachricht von der schnellen Ergreifung des Täters mit Erleichterung aufgenommen, sagte die Anwältin der Familie. Ansonsten bitte die Familie darum, in Ruhe gelassen zu werden. Die Beerdigung des Mädchens sei im engsten Familienkreis geplant.

Der Mord an Corinna hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt. Der Fall rief Erinnerungen an die kleine Michelle wach, die vor einem Jahr in Leipzig Opfer eines Sexualverbrechers wurde. Nach ihrem Mörder fahndete die Polizei ein halbes Jahr lang.

AP/DPA AP DPA

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