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Fall Dennis: Serienkiller nahm offenbar Pflegekinder auf

Martin N. aus Hamburg hat gestanden, drei Jungen ermordet zu haben. Nach einem Medienbericht wurde der 40-jährige Pädagoge bereits 2005 aktenkundig, weil er zwei Jungen gestreichelt hatte. Früher soll er sogar Pflegekinder in seiner Wohnung betreut haben.

Der mutmaßliche Serienmörder Martin N., der die Tötung von drei Jungen gestanden hat, hat früher offenbar auch Pflegekinder betreut. Nach Angaben ehemaliger Nachbarn habe der heute 40-jährige N. Ende der 90er Jahre wiederholt "etwa 10 bis 15 Jahre alte Pflegekinder" in seiner damaligen Wohnung in Bremen-Neustadt aufgenommen, berichtete am Samstag "Der Spiegel". Die Kinder hätten aus sozial benachteiligten Familien gestammt und seien zur vorübergehenden Betreuung an N. vermittelt worden.

Ob die Angaben zutreffen und falls ja, wer für die Vermittlung der Kinder an den offenbar pädophilen N. verantwortlich war, werde derzeit in der Bremer Sozialbehörde geprüft. Eine Sprecherin der Sonderkommission der Polizei wollte die Angaben auf Anfrage der Nachrichtenagentur DPA weder bestätigen noch dementieren. Es gingen jedoch zahlreiche neue Hinweise ein, die in den kommenden Wochen geprüft würden.

Ermittlungen werden noch Monate dauern

"Wir haben noch sehr viel Arbeit vor uns und werden dafür noch Wochen oder Monate brauchen", sagte Polizeisprecher Jürgen Menzel am Freitagabend im niedersächsischen Verden dem NDR-Fernsehen. Es werde untersucht, ob noch weitere Kindermorde und Missbrauchsfälle auf das Konto des Mannes gehen. Beamte hatten N. am Mittwoch in Hamburg-Wilstorf festgenommen. Er gestand, zwischen 1992 und 2001 drei kleine Jungen umgebracht zu haben. Darüber hinaus soll der Mann für mindestens 40 weitere Fälle von sexuellem Missbrauch verantwortlich sein. Laut Polizei war er als Sexualtäter bekannt, aber nicht vorbestraft.

Der Verhaftete sei bereits in den Jahren 2005 und 2006 aktenkundig als Straftäter in Erscheinung getreten, berichtete NDR 1 Niedersachsen mit Hinweis auf die Hamburger Staatsanwaltschaft. Der Mann soll zwei Jungen am Bauch gestreichelt haben, jedoch ohne Misshandlungen. Ein Verfahren sei gegen Zahlung einer Geldauflage von 1800 Euro eingestellt worden, meldete der Sender.

Später soll er einen Mann aus Berlin mit kinderpornografischen Fotos erpresst haben. Dabei ging es um eine Geldforderung von 20.000 Euro. Die Geldübergabe sei jedoch gescheitert. Ein Hamburger Gericht habe ihn zu einer Bewährungsstrafe von zehn Monaten verurteilt. Die Hamburger Staatsanwaltschaft war am Samstagnachmittag zunächst nicht zu einer Stellungnahme zu erreichen.

Martin N. war hilfsbereit und unauffällig

Zeugen beschrieben den Pädagogen, der zwischenzeitlich auch Jugendbetreuer war und zuletzt in der Erwachsenenbildung arbeitete, als sozial unauffällig und hilfsbereit. Der gebürtige Bremer lebte seit zehn Jahren in Hamburg. In der Öffentlichkeit war der Tatverdächtige als "der Maskenmann" bekannt, weil Opfer und Zeugen ihn immer wieder als großen schwarzen Mann mit Gesichtsmaske beschrieben hatten.

Laut Geständnis war das letzte Opfer 2001 der neun Jahre alte Dennis Klein aus Osterholz-Scharmbeck. 1995 soll der frühere Lehramtsstudent den achtjährigen Dennis Rostel aus Nordrhein-Westfalen umgebracht haben, den er in einem Ferienzeltlager in Schleswig-Holstein aufspürte. 1992 war nach dem Geständnis des Mannes der 13 Jahre alte Stefan Jahr sein Opfer geworden - er verschwand aus einem Internat im niedersächsischen Scheeßel.

mlr/DPA / DPA