VG-Wort Pixel

Fall Diren D. Der erste Auftritt des Todesschützen vor Gericht


Das Verfahren gegen den Todesschützen im Fall Diren D. kommt ins Rollen. Der Angeklagte Markus K., der in seiner Garage die tödlichen Schüsse abgab, plädiert vor Gericht auf unschuldig.
Von Alexandra Kraft

Schwarzes Jackett, graue Hose und gelbe Krawatte – für seinen ersten Auftritt vor dem Distriktgericht, wählte Markus K. eine betont seriöse Garderobe. Der 29-Jährige, der in seiner Nachbarschaft in Missoula für seine cholerischen Aussetzer bekannt ist, wurde begleitet von seiner Lebensgefährtin Janelle P., seinem zehn Monate alten Sohn und seinen fünf Anwälten. Nachdem er von Richter Ed McLean über seine Rechte informiert worden war, erklärte er sich für "unschuldig". Die Schüsse auf den 17-Jährigen Diren D. aus Hamburg seien kein vorsätzlicher Mord gewesen. Er habe aus Notwehr gehandelt. Schließlich habe er den Jungen in der dunklen Garage nicht sehen können und habe nicht gewusst, ob der ihn mit einer Waffe attackieren würde.

Anwalt beruft sich auf "Castle Doctrine"

K.s Anwalt Paul Ryan bestätigte nochmals, dass er das Handeln seines Mandanten durch die sogenannte "Castle Doctrine" gedeckt sehe. Das Gesetz, eine Besonderheit des amerikanischen Bundesstaates Montana, erlaubt es Hausbesitzern, auf Eindringlinge zur Selbstverteidigung zu schießen. Die Polizei muss nicht vorher alarmiert werden – und die Opfer müssen nachweisen, dass sie keine Schuld tragen.

K., der ohne Vorwarnung vier Mal mit einer Schrotflinte auf den deutschen Schüler in seiner Garage gefeuerte hatte, musste seinen Pass abgeben. Schon zuvor hatte die Polizei seine fünf Waffen beschlagnahmt. Eine Erhöhung der Kaution auf 500.000 Dollar, wie vom Staatsanwalt gefordert, lehnte der Richter ab. Derzeit ist K. gegen Zahlung von 30.000 Dollar auf freiem Fuß. Allerdings hatten sich Nachbarn in den Wochen nach dem Tod des Schülers von K. bedroht gefühlt, da er in der Vergangenheit immer wieder durch sein unberechenbares Verhalten auffällig geworden war.

Lebensgefährtin muss kein Verfahren fürchten

K. und seine Lebensgefährtin hatten in ihrer Garage in Missoula Bewegungsmelder installiert und den jungen Deutschen gestellt, als er vermutlich ein paar Dosen Bier aus dem Kühlschrank klauen wollte. K. hatte angegeben, er sei wiederholt Opfer von Einbrüchen geworden. Einmal seien ihm Marihuana, ein iPhone und eine Kreditkarte gestohlen worden. Weil die Polizei nichts unternommen habe und er sich "gestalkt" gefühlt habe, habe er zur Waffe gegriffen. Einige Tage zuvor hatte er bereits bei einem Friseurbesuch gedroht: "Ich werde einen dieser fucking Teenager töten."

Inzwischen haben sich ein 16-Jähriger und ein 18-Jähriger bei der Polizei gemeldet und den früheren Einbruch gestanden. Sie besuchten, wie Diren D., die Big Sky High-School, kannten den türkischstämmigen Jungen der für ein Austauschjahr in den USA war, aber nicht.

Gegen K.s Lebensgefährtin wird kein Verfahren eingeleitet. Sie hatte geholfen, die Bewegungsmeldung und eine kleine Kamera in der Garage zu installieren. Außerdem hatte sie eine Handtasche mit Wertgegenständen in der offen stehenden Garage deponiert, um Diebe anzulocken. K. hatte ausgesagt, er habe von dieser Falle nichts gewusst. Nun erklärte Staatsanwalt Andrew Paul: "Die Beweise gegen sie reichen für eine Anklage nicht aus." Der nächste Verhandlungstag ist für den 25. Juni angesetzt worden.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker