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Fall Dominik Brunner: Anstifter kommt mit Bewährungsstrafe davon

Er war bei der Tat nicht dabei, soll seine Freunde aber zuvor angeheizt haben: In München ist der erste Jugendliche im Zusammenhang mit dem Tod von Dominik Brunner an einer S-Bahnstation verurteilt worden.

Sieben Monate nach dem aufsehenerregenden Tod des Managers Dominik Brunner an einer Münchner S-Bahnstation hat sich der erste Täter vor dem Richter verantworten müssen. Das Jugendschöffengericht beim Amtsgericht München verurteilte Christoph T. unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und versuchter räuberischer Erpressung zu 19 Monaten Haft.

Die Strafe für den zur Tatzeit 17 Jahre alten Jugendlichen wird allerdings zur Bewährung ausgesetzt, wenn er seine Drogentherapie die nächsten fünf Monate fortsetzt.

Angeklagter soll Freunde aufgestachelt haben

Christoph T. soll am 12. September 2009 der Wortführer gewesen sein, als er und zwei Freunde eine Schüler-Gruppe bedrohten und 15 Euro von ihnen verlangten. Dabei soll er auch zugeschlagen haben. Der 17-Jährige war aber nicht dabei, als Brunner sich am S-Bahnhof Solln schützend vor die Schüler stellte und zu Tode geprügelt wurde. Er soll zuvor seine Freunde angestachelt haben, stieg aber dann in eine andere S-Bahn.

Der Angeklagte hatte vor Prozessbeginn ein Geständnis abgelegt. Streng abgeschirmt wurde er in das Justizgebäude des Amtsgerichts München gebracht. Der Prozess vor dem Jugendschöffengericht findet unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Als Zeugen waren zwei Jugendliche aus der Schüler-Gruppe und eine Passantin geladen. Zudem sollten ein Psychiater und ein Sachverständiger für Alkohol und Drogen vom Institut für Rechtsmedizin aussagen.

Nicht nur wegen Körperverletzung vor Gericht

Als der junge Mann von der Festnahme seiner Freunde erfuhr, schrieb er in einem Internetforum: "Schießt alle Bullen tot und holt den Basti und Markus raus." Er musste sich deshalb auch wegen öffentlicher Aufforderung zu Straftaten verantworten, außerdem wegen Drogenbesitzes. Seit seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft ist Christoph in therapeutischer Behandlung außerhalb Münchens.

Das Gerichtsverfahren gegen die beiden mutmaßlichen Täter wird in den kommenden Wochen ebenfalls eröffnet. Der damals 17-jährige Sebastian L. und der 18 Jahre alte Markus S. traktierten den 50-jährigen Brunner laut Obduktionsbericht innerhalb von wenigen Minuten mit über 22 Tritten und Schlägen auf Oberkörper und den Kopf. Dabei verletzten sie ihn so schwer, dass er wenig später starb. Zur Zeit des Überfalls am Samstagmittag waren laut Staatsanwaltschaft rund 15 Menschen am S-Bahnhof Solln.

Sebastian L. droht eine Jugendstrafe von zehn Jahren. Markus S. könnte nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden, da er zur Tatzeit bereits 18 Jahre alt war.

DPA / DPA