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Fall Dominique Strauss-Kahn: Falscher Bruder narrt die Medien

Blake Diallo, der "Bruder" des mutmaßlichen Opfers von Dominique Strauss-Kahn, ist offenbar gar nicht mit dem Zimmermädchen verwandt. Der Ex-IWF-Chef will sich mit einer Million Dollar freikaufen.

In der Affäre um den als Sextäter verhafteten Dominique Strauss-Kahn hat sich ein 42-Jähriger fälschlicherweise als Bruder des Opfers ausgegeben. Der Mann aus der Bronx habe zugegeben, dass das mutmaßlich von dem Franzosen angegriffene Zimmermädchen gar nicht seine Schwester sei, berichtete die "New York Times". Nach Informationen der Tageszeitung "Le Monde" vom Donnerstag soll der Restaurantbetreiber ein Freund sein.

Blake Diallo hatte in den vergangenen Tagen unter anderem der Pariser Tageszeitung "Le Parisien" ein ausführliches Interview gegeben. In diesem gab er sich als Bruder des mutmaßlichen Strauss-Kahn-Opfers aus.

Für seine Freilassung hat der ehemalige Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) unterdessen angeboten, bei der New Yorker Justiz eine Kaution von einer Million Dollar (700.000 Euro) zu hinterlegen. Mit diesem Angebot werde Strauss-Kahn am Donnerstag in die Verhandlungen gehen, sagten seine Anwälte wenige Stunden zuvor. Zudem werde er versprechen, New York nicht zu verlassen. Er sei auch bereit, eine elektronische Fußfessel zu tragen.

Anwälte gehen in nächste Instanz

Am Montag hatte eine New Yorker Richterin eine Freilassung auf Kaution abgelehnt. Bei dem vermögenden und international vernetzten IWF-Chef bestehe Fluchtgefahr. Auch an dem Tag war die Million schon im Gespräch gewesen. Nun sind die Anwälte eine Instanz weiter vor den State Supreme Court in Manhattan gegangen.

Die Verhandlung, an der der Beschuldigte nicht teilnehmen muss, sollte am Donnerstagabend deutscher Zeit beginnen. "Wir haben Bedingungen zugesagt, die alle Bedenken zerstreuen können, dass Mr. Strauss-Kahn die Stadt verlässt", erklärten die Anwälte. "Und wir hoffen, ihn umgehend von Rikers Island zu holen."

Sollte alles ideal für den Franzosen laufen, könnten sich noch am selben Tag die Zellentüren für ihn öffnen. Bis zu einem Prozess müsste er aber auf jeden Fall in New York bleiben. Strauss-Kahn sitzt seit Montag in einer Einzelzelle auf Rikers Island, einer Gefängnisinsel im New Yorker East River mit 14.000 Insassen.

Häftlingskleidung aus Spezialstoff

Die "New York Daily News" veröffentlichte unterdessen ein Bild Strauss-Kahns, das angeblich in seiner Zelle aufgenommen wurde. Es zeigt den unrasierten 62-Jährigen, der offenbar völlig übermüdet ist. Der einstige Bonvivant trägt eine blaue Häftlingskombi. Die Kleidung ist dem Blatt zufolge aus einem Spezialstoff, aus dem keine Streifen gerissen werden können. Häftlinge könnten sich so keine Schlinge knoten.

Der Franzose soll am Samstag in einem New Yorker Hotel versucht haben, ein Zimmermädchen zum Oral- und Analsex zu zwingen. Die 32-Jährige hatte am Mittwoch mehrere Stunden vor der Grand Jury ausgesagt, die letztlich über einen Prozess zu entscheiden hat. Details ihrer Vernehmung wurden nicht bekannt, sie soll ihre früheren Aussagen aber im Wesentlichen bestätigt haben.

mlr/DPA / DPA