VG-Wort Pixel

Fall DSK Staatsanwalt will Verfahren offenbar einstellen


Bewegung im Fall Strauss-Kahn: Der Staatsanwalt hat das mutmaßliche Opfer einbestellt. Schon am Dienstag könnte das Strafverfahren gegen den EX-IWF-Chef eingestellt werden.

Für Dominique Strauss-Kahn steigen die Chancen, schon bald als freier Mann in seine Heimat zurückkehren zu können. In dem New Yorker Verfahren um versuchte Vergewaltigung bestellte Oberstaatsanwalt Cyrus Vance das mutmaßliche Opfer für Montag zu einer Besprechung in sein Büro. Kenneth Thompson, der Anwalt des Zimmermädchens Nafissatou Diallo, wertete in der "New York Times" die Vorladung als weiteres Indiz dafür, dass Vance die Anklage gegen Strauss-Kahn in Kürze zurückziehen will. "Meine Interpretation ist, dass sie (die Staatsanwaltschaft) sie (Diallo) vom Ende der Klage oder der Aufgabe einiger Anklagepunkte informieren will", wurde Thompson in der Zeitung zitiert. "Es gäbe keinen Grund, sie (Diallo) zu treffen, wenn sie (die Kläger) nicht den Rückzug antreten wollten", spekulierte der Anwalt.

Antrag auf Ernennung eines Sonderstaatsanwalts

Im Gegenzug kündigte Thompson einen Antrag auf die förmliche Ernennung eines Sonderstaatsanwalts an. Wie die "New York Times" am späten Sonntag berichtete, will Thompson am Montag den außergewöhnlichen Antrag stellen, weil seiner Auffassung nach das Büro des New Yorker Staatsanwalts Cyrus Vance den Fall schlecht gehandhabt habe. Thompson warf Vance und seinem Büro darüberhinaus vor, das Zimmermädchen Nafissatou Diallo wie eine Angeklagte und nicht wie ein Opfer behandelt zu haben.

Rechtsexperten sagten dem Blatt, Thompsons Schritt werde aller Voraussicht nach scheitern, da seine Mandantin zu einer derartigen Forderung gar nicht berechtigt sei. "Wir nennen das ADV: Ein Akt der Verzweiflung", sagte Stephen Gillers von der New York University dem Blatt.

Strauss-Kahn am Dienstag ein freier Mann?

Für Dienstag ist die nächste gerichtliche Anhörung in dem Fall angesetzt. Um 11 Uhr Ortszeit (17 MESZ) wird Strauss-Kahn zur nächsten Anhörung in der Kammer von Michael Obus am Strafgericht des Staates New York in Manhattan erwartet. Es ist die erste Anhörung, seit die Staatsanwaltschaft erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit Diallos äußerte. Sie soll laut Angaben der Staatsanwaltschaft bereits unter Eid gelogen haben, unter anderem im Zusammenhang mit Anträgen auf ihre Aufenthaltserlaubnis für die USA. Angesichts der Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Einwanderin aus Guinea fordern Strauss-Kahns Anwälte eine Einstellung des Verfahrens.

Die 32-jährige Diallo aus dem westafrikanischen Guinea hatte Strauss-Kahn (62) bezichtigt, ihr in seiner Hotelsuite sexuelle Gewalt angetan zu haben. Strauss-Kahn war Mitte Mai aufgrund der Anschuldigungen in New York verhaftet und angeklagt worden. Er war daraufhin als Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) zurückgetreten.

Noch im Mai war er gegen Kaution und Bankbürgschaften in Millionenhöhe aus der Haft in Hausarrest unter strikten Auflagen entlassen worden. Anfang Juli wurde er vom Hausarrest befreit und kann sich seitdem frei in New York bewegen, durfte aber die USA nicht verlassen

Diallo-Anwalt wollte angeblich einen "Deal"

Erst am Freitag hatte es neuen Wirbel um den Fall gegeben, als mehrere Medien über angebliche Geldforderungen Diallos im Gegenzug für eine Schließung der Akten berichteten. Laut dem Nachrichtenportal "Daily Beast" und dem "Wall Street Journal" sollen Strauss-Kahns Verteidiger zu geheimen Treffen mit Diallos Anwälten zusammengekommen sein. Staatsanwalt Vance habe daraufhin wissen wollen, ob dabei eine Schließung des Falls gegen einen Geldbetrag angeboten worden sei. Im "Wall Street Journal" bestritt Thompson dies. Auch sein Kollege Douglas Wigdor wies die Berichte als "neuen Angriff ohne Grundlage" zurück.

kng/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker