Fall El Masri Abhöraktion gegen stern-Redakteure


Die Münchner Staatsanwaltschaft hat dienstliche Telefongespräche zweier stern-Redakteure abgehört. Drei Telefonate der Journalisten mit dem Anwalt des CIA-Entführungsopfers Khaled el-Masri wurden von der Behörde im Rahmen ihrer Ermittlungen protokolliert.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hat dienstliche Telefongespräche der stern-Redakteure Katja Gloger und Hans-Martin Tillack abhören und protokollieren lassen. Das berichtet der stern in seiner neuesten Ausgabe. Im Rahmen ihrer Ermittlungen im Fall des CIA-Entführungsopfers Khaled el-Masri hatte die Münchner Staatsanwaltschaft im Januar 2006 eine Telefonüberwachung des el-Masri-Anwalts Manfred Gnjidic angeordnet.

Von den sechs protokollierten Telefonverbindungen betrafen allein drei Telefonate, die die beiden stern-Redakteure mit Gnjidic im März 2006 geführt haben. In den Gesprächen zwischen Gloger, beziehungsweise Tillack und Gnjidic ging es um einen Mann namens "Sam", der el-Masri während dessen Verschleppung in Afghanistan in perfektem Deutsch verhört haben soll. Gloger und Tillack recherchierten damals über die Identität dieses "Sam". Der stern prüft jetzt rechtliche Schritte gegen das Abhören der Telefonate.

Wie der verantwortliche Münchner Staatsanwalt Martin Hofmann jetzt dem stern sagte, seien "ausschließlich verfahrensrelevante Telefonate" protokolliert worden. Ein Sprecher des bayerischen Justizministeriums sagte dem stern: "Beim Antrag ihrer Telefonüberwachung hat die Staatsanwaltschaft die Tatsache gewürdigt, dass nicht nur der Überwachte als Rechtsanwalt, sondern unter Umständen auch einige seiner Gesprächsteilnehmer Angehörige eines nach Paragraf 53 StPO besonders geschützten Berufsstandes sein könnten." Zu den nach diesem Paragraph mit einem Zeugnisverweigerungs-recht ausgestatteten Berufsgruppen gehören auch Journalisten.

Anwalt Gnjidic hat bereits gegen die Überwachung seiner Telefonanschlüsse Verfassungsbeschwerde eingelegt.

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