Fall Hatun Sürücü "Ehrenmord"-Prozess wird neu aufgerollt

Im April wurden die Brüder des "Ehrenmord"-Opfers Hatun Sürücü freigesprochen. Nun müssen die beiden erneut vor Gericht, entschied der BGH. Sie sollen geholfen haben, ihre Schwester Hatun umzubringen. Der "Ehrenmord" hatte bundesweit für Entsetzten gesorgt.

Der Prozess um den Ehrenmord an der Berliner Deutsch-Türkin Hatun Sürücü muss neu aufgerollt werden. Der Bundesgerichtshof (BGH) hob auf Antrag der Staatsanwaltschaft die Freisprüche für zwei ihrer älteren Brüder auf und verwies den Fall zur Neuverhandlung an eine andere Kammer des Berliner Landgerichts zurück. Das Landgericht als Vorinstanz hatte im Falle der heute 26 und 28 Jahre alten Männer keine ausreichenden Beweise für eine Verurteilung gesehen. Ihr inzwischen 21-jähriger Bruder, der sich als Alleintäter bezeichnet hatte, war wegen Mordes zu einer inzwischen rechtskräftigen Jugendstrafe von neun Jahren und drei Monaten verurteilt worden.

Die 23-jährige Hatun Sürücü, die sich von ihrem türkischen Ehemann getrennt hatte und ihren kleinen Sohn gegen den Willen ihrer streng religiösen Familie aus Ostanatolien allein erziehen wollte, war am 7. Februar 2005 im Berliner Stadtteil Tempelhof erschossen worden. Ihr Bruder Ayhan hatte gestanden, sie mit drei Schüssen in den Kopf getötet zu haben, weil er in der westlichen Lebensweise seiner Schwester eine Verletzung der Familienehre sah. Der Fall hatte bundesweit für Entsetzen und für politische Diskussionen um die Integration muslimischer Familien, sogenannte Ehrenmorde und Zwangsehen gesorgt.

Die Staatsanwaltschaft hatte für alle drei Brüder eine Verurteilung wegen gemeinschaftlichen Mordes verlangt. Gegen die beiden älteren Brüder waren vom Ankläger jeweils lebenslange Haftstrafen gefordert worden. Einer der Männer habe die Waffe besorgt, der andere durch Anwesenheit in Tatortnähe moralischen Beistand geleistet, hatte die Anklage ihnen vorgehalten. In der Revisionsverhandlung bezeichnete Bundesanwalt Hartmut Schneider die Beweiswürdigung der Vorinstanz als lückenhaft. Deshalb sei die Entscheidung aufzuheben, forderte er.

Reuters Reuters

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