HOME
stern exklusiv

Horrorhaus von Höxter: Angelika W.: "Das Gefängnis ist wie Urlaub"

Sie war Komplizin und Opfer zugleich. Über das, was im Horrorhaus von Höxter geschehen ist, spricht Angelika W. ausführlich mit den Ermittlern, schreibt seitenweise Erinnerungen auf. Ihr Anwalt kann sie nicht stoppen - und will es auch nicht mehr.

Das sogenannte Horrorhaus in Höxter-Bosseborn: Eines der Opfer kehrte freiwillig zu seinen Peinigern zurück

Das sogenannte Horrorhaus in Höxter-Bosseborn: Eines der Opfer kehrte freiwillig zu seinen Peinigern zurück

Seine Mandantin Angelika W. wisse, "dass es um etliche Jahre Gefängnis geht“, sagt der Bielefelder Strafverteidiger Peter Wüller in einem Interview mit dem stern. Das scheine ihr aber nicht wichtig zu sein: "Sie sagt, das Gefängnis sei wie Urlaub." Angelika W. sitzt wie ihr geschiedener Ehemann Wilfried W. seit Ende April in Untersuchungshaft – die beiden sollen in einem Haus in Höxter jahrelang Frauen festgehalten und gequält haben, mindestens zwei der Frauen starben an ihren Verletzungen.

"17 Jahre lang war ihr Lebensmittelpunkt Wilfried W.", so Anwalt Wüller im stern. Sie habe ihn bedient, ihm den Kontakt zu Frauen hergestellt, ihn herum gefahren. Sie sei ausschließlich für ihn da gewesen. Offenbar sei Angelika W. dabei von ihrem Exmann massiv misshandelt worden – bei ärztlichen Untersuchungen seien "sehr, sehr viele alte Verletzungen" festgestellt worden: "Narben, Hämatome, Verbrennungen, die linke Schulter und der linke Arm sind rohes Fleisch."

"Das Reden scheint sie zu erleichtern"

Er sei erst verpflichtet worden, als seine Mandantin "längst ausgepackt" hatte. "Sie will aufdecken“, sagt Anwalt Wüller, "das Reden scheint sie zu erleichtern." Seine Mandantin erzähle den Ermittlern sehr viel, "sie ist nicht zu stoppen". Ausschlaggebend dafür sei wohl eine Aussage von Wilfried W. gewesen, Angelika W. sei lesbisch, "sie habe das alles so gewollt". Angelika W. soll entsetzt reagiert haben. "Das war offenbar der Wendepunkt, von da an sprudelte es aus ihr heraus."

Laut Anwalt Wüller ist eines der Opfer, Susanne F., zwischendurch für fünf oder sechs Tage nicht im Haus gewesen, "sondern in ihrer Wohnung in Bad Gandersheim, eine Stunde von Höxter entfernt". Sie sei dann aber wieder zu ihren Peinigern zurückgekehrt. Insgesamt acht Frauen sollen in diesem Haus in Höxter gequält worden sein. "Es mag sein, dass sie psychisch nicht in der Lage gewesen sind, sich dem Martyrium zu entziehen", sagt Wüller, "physisch hätten sie es tun können."

Opfer in Höxter sollen durch Stürze gestorben sein

Angelika W. schreibe im Moment in der Justizvollzugsanstalt Bielefeld alles auf, "was ihr durch den Kopf geht – seitenweise, handschriftlich". Sie bleibe allerdings bei ihrer Aussage, so Peter Wüller zum stern, dass beide Frauen an Sturzverletzungen gestorben seien.

Im aktuellen stern lesen Sie das komplette Interview von stern-Autorin Barbara Opitz mit dem Rechtsanwalt Peter Wüller.



wm/stern