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Fall Kalinka: Frankreich gibt entführten Arzt nicht frei

Der entführte deutsche Arzt im Elsass bleibt vorerst in Haft. Das Pariser Berufungsgericht lehnte eine Freilassung von Dieter K. ab. Seine Anwälte üben "massive" Kritik an der Entscheidung der französischen Justiz.

Der nach Frankreich verschleppte deutsche Arzt Dieter K. bleibt in französischer Haft. Das Pariser Berufungsgericht lehnte am Dienstag den Antrag der Verteidigung ab, den Mediziner freizulassen. Der 74-Jährige soll seine Stieftochter Kalinka 1982 getötet haben. Der leibliche Vater des Mädchens, André Bamberski, hatte ihn im Oktober gewaltsam nach Frankreich entführen lassen, um ihn dort der Justiz zu übergeben. Deutschland fordert die Rückführung des Kardiologen in seine Heimat.

Anwälte werfen Frankreich Rechtsbruch vor

François Serres, der französische Anwalt des Arztes, hatte vor Gericht geltend gemacht, K. sei auf deutschem Staatsgebiet entführt worden, obwohl das Strafverfahren gegen ihn nach dem Tod der 14-jährigen Kalinka eingestellt worden sei.

Nach Einschätzung seines deutschen Anwalts Nicolas Becker missachte Frankreich "massiv" europäische Rechtsvorschriften, indem es den verschleppten Deutschen in Haft hält. Weil das deutsche Verfahren gegen den Mediziner seinerzeit eingestellt worden sei, verstoße die französische Justiz gegen das Verbot der doppelten Strafverfolgung und mache sich zudem ein Verbrechen zunutze, hatte der Anwalt wenige Tage nach der Entführung des Arztes erklärt.

Kalinkas Vater zeigte sich erfreut über die Entscheidung des Gerichts. "Ich bin zufrieden und jetzt auch entspannter, weil ich bis zur letzten Minute skeptisch war", sagte der 72-Jährige Bamberski Reportern im Gerichtsgebäude. "Es ist die Bestätigung dessen, was das Gesetz vorsieht."

Vater entführte den Arzt

K. befindet sich derzeit in einem Gefängniskrankenhaus im Großraum Paris, nachdem er am 18. Oktober gefesselt und geknebelt vor einem Gerichtsgebäude in Ostfrankreich gefunden worden war. Dessen Tochter Diana sagte am Rande der Verhandlung, ihr Vater habe in der Vergangenheit mehrere Herzinfarkte gehabt und sie sorge sich um seine Gesundheit.

Die französische Justiz hatte den verletzten K. inhaftiert, weil er in Frankreich in Abwesenheit zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt worden war. Die französischen Richter hatten den Arzt 1995 für schuldig befunden, seine Stieftochter mit einer Spritze getötet zu haben. Er musste die Strafe aber nie antreten, weil Deutschland ihn nicht auslieferte.

Für die Entführung des Deutschen nach Frankreich soll der leibliche Vater von Kalinka verantwortlich sein. Gegen ihn erließ das Amtsgericht Kempten inzwischen einen europäischen Haftbefehl. Er ist aber nach Zahlung einer Kaution in Frankreich auf freiem Fuß.

AFP/DPA / DPA