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Fall Lea-Sophie: Hungertod in der Familienidylle

Sie erträumten sich ein Zuhause und sperrten die Welt aus. Doch ihre Tochter Lea-Sophie machte in der Idylle nicht mit. Nicole G. und Stefan T. aus Schwerin gaben die Fünfjährige auf - und ließen sie verhungern und verdursten.

Von Anja Christina Lohmann

Es hätte das Paradies sein sollen. Der Spielplatz vor dem Haus, die Geranien auf dem Balkon, der Seeblick. Keine Vorstadtidylle, aber ein Ort, an dem sich eine Familie wohl fühlen kann. Und man kann nicht mal behaupten, dass sie es nicht gewollt hätten: sich wohl fühlen. Die Familie von Lea-Sophie, verhungert und verdurstet mit 7,4 Kilogramm und fünf Jahren.

Sie sind arbeitslos, ja. Aber weder drogen- noch alkoholabhängig, ihre Wohnung ist blitzblank, Stefan T. und Nicole G. haben einen Schulabschluss, Stefan auch eine abgeschlossene Ausbildung. Es wird nicht leicht sein, Erklärungen zu finden.

"Die eigene Elternschaft", sagt Kinderpsychiater Prof. Peter Riedesser, "beginnt schon in der Kindheit."

Nicole wurde als Baby adoptiert

Stefans Eltern ließen sich scheiden, als er sechs Jahre alt war. Er habe immer mit dem Stiefvater um die Liebe der Mutter kämpfen müssen und den Kampf verloren, sagt er einem Bekannten später. Nicole wurde bereits als Baby adoptiert, ihre leiblichen Eltern sind eigentlich ihre Tante und Onkel. Der leibliche Vater, so erzählt es ein Verwandter, einst Insasse im Stasi-Gefängnis, stark traumatisiert, stirbt unter ungeklärten Umständen. Seine Frau gibt auch die restlichen Kinder zur Adoption frei. Erst als Jugendliche erfährt Nicole G. von ihrer Herkunft. Ständig habe sie unter Verlustängsten gelitten, sagt Stefan T..

Das Paar ist noch nicht lange zusammen, als Nicole schwanger wird. Lea-Sophie kommt zur Welt, ein Frühchen. Sie ist unruhig und will nicht so richtig essen. Nicole wohnt bei ihren Eltern. Stefan will sich eigentlich beim Bund verpflichten, doch der Einfluss der Großeltern stört zumindest ihn, so schildert es ein Bekannter. Das Paar will sein eigenes Reich.

Vielleicht beginnt hier der tödliche Kreislauf, im Versuch sich ein perfektes Heim zu schaffen, das mit der Wirklichkeit nicht Schritt halten kann. Gerade traumatisierte Menschen, sehnen sich nach einer heilen Familienwelt, sagen Psychiater, und die Träume können angesichts einer enttäuschenden Realität in Hass umschlagen.

Im Frühjahr 2004 ziehen Nicole und Stefan mit ihrer kleinen Tochter in die Kieler Straße 15. Es gibt Ärger mit den Nachbarn. Und Lea-Sophie bleibt ein anstrengendes Kind, ihr Vater schafft es nicht, eine Bindung zu ihr aufzubauen, Nicole fühlt sich im Stich gelassen, das zumindest erzählt sie später ihrem Anwalt.

Paar schottet sich ab

Der Traum von der Familienidylle entgleitet ihnen. Beide bleiben arbeitslos, Stefan sitzt viel am Computer, Nicole putzt die Wohnung, kümmert sich um die Haustiere. Vor die Tür gehen sie immer seltener, dafür streiten sie. Nicoles Anwalt sagt, seine Mandantin habe mehrmals versucht sich zu trennen.

Je mehr an der Fassade gekratzt wird, desto mehr schottet das Paar sich ab. Auch von den Großeltern, die ein bis zwei Mal die Woche Essen vorbei bringen und sich um die Enkelin sorgen. Nachbarn sehen das Paar immer seltener, und so gut wie nie mit Lea-Sophie. Irgendwann klemmen Stefan T. und Nicole G. sogar die Türklingel ab.

Am 2. November 2006 wendet sich Nicoles Vater, Norbert G., das erste Mal an das Jugendamt. Das Amt schickt einen Brief, bietet eine Beratung an, keine Reaktion. Am 20. Juni 2007, wird Norbert G. wieder vorstellig, wieder passiert nichts. Schließlich, am 12. November, ein anonymer Anruf aus der Nachbarschaft: Man mache sich Sorgen um einen Säugling, der fast nie zu sehen sei.

Justin, Lea-Sophies kleines Brüderchen, ist Ende September auf die Welt gekommen. Ein Wunschkind. Im abgeschotteten Reich reagiert Lea-Sophie eifersüchtig, macht wieder in die Hose, sagt Stefan T., das Essen habe sie völlig verweigert. Kann ein Kind von fünf Jahren sich aus bloßem Trotz zu Tode hungern? So wollen es die Eltern heute erklären.

Als endlich zwei Jugendamtsmitarbeiter vor der Tür stehen, macht niemand auf. Sie hinterlassen einen Brief, diesmal kommen Nicole und Stefan tatsächlich ins Amt. Justin haben sie dabei, Lea-Sophie sei bei Bekannten sagen sie.

Auch im Jugendamt bröckelt die Fassade. Im Herbst 2006 bereits hatte die Leiterin, Heike Seifert, bei einer Sitzung fehlende Mittel beklagt. "Sie hat gesagt, sie könne nicht garantieren, dass in Schwerin nicht auch eines Tages ein totes Kind gefunden werde," erinnert sich Verena Riemer, damals stellvertretende Vorsitzende des Landeselternrats. "Das war fast ein Hilferuf." Er verhallt ungehört.

Lea-Sophie stirbt im Krankenhaus, nachdem ihr Vater den Notarzt gerufen hatte. Der Vater von Nicole G. sagt, seine Tochter sei von ihrem Freund "untergebuttert" worden. Sie habe resigniert. Stefan T. sagt, er habe sich die Erziehung anders vorgestellt, aber sich nicht durchsetzen können. Er habe resigniert. Und dass ein Kind sich selbst zu Tode hungert, hätte man doch nicht ahnen können. Man kann es auch nicht glauben.

Korrektur
In der ersten Version dieses Artikels hat sich leider ein Fehler eingeschlichen. Im zweiten Absatz hieß es: " ... aber weder drogen- noch alkoholunabhängig, ..." Das ist natürlich falsch. Richtig muss es heißen: "... aber weder drogen- noch alkoholabhängig, ..."
Wir haben den Satz korrigiert, die Red.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(