Fall Litwinenko Britische Ermittler sprechen von Mord


Britische Ermittler im Fall Litwinenko haben den Tod des Ex-Agenten erstmals offiziell als Mord bezeichnet. Spekulationen um seine Vergiftung haben nun auch den erkrankten russischen Ex-Premier Gaidar dazu veranlasst, wilde Vermutungen zu äußern.

Erstmals hat die britische Polizei den Gifttod des russischen Ex-Agenten Alexander Litwinenko als Mord bezeichnet. Allerdings seien die Ermittlungen noch in einem sehr frühen Stadium, so Scotland Yard. Zuvor hatten russische Beamte im Beisein britischer Fahnder einen ersten Zeugen in Moskau befragt. Dmitri Kowtun hatte Litwinenko am Tag der mutmaßlichen Polonium-Vergiftung in London getroffen. Die britischen Beamten durften bei der Befragung nur zuhören. Wer genau hinter dem Anschlag an dem Kreml-Kritiker steckt bleibt bisher ein Rätsel. Möglich ist, dass er wegen seiner regime-kritischen Äußerungen aus dem Weg geräumt wurde, allerdings halten Insider es auch nicht für abwegig, dass er ein Opfer der Anti-Putin-Bewegung geworden ist, da sein Tod ein schlechtes Licht auf die Regierung wirft.

Erkrankungen verleiten zu Verschwörungstheorien

Ähnliche Verdächtigungen äußert auch der russische Ex-Ministerpräsident Jegor Gaidar bezüglich seiner rätselhaften Erkrankung . Er vermutet dahinter stecke ein Mordversuch von Gegnern der russischen Regierung. Die Ereignisse bei seiner Irland-Reise, wo er aus Mund und Nase blutend in Ohnmacht gefallen war, ähnelten einem politischen Thriller, schrieb Gaidar am Donnerstag in der "Financial Times". Er vermute, er sei vergiftet worden. Sollte es sich tatsächlich um einen Mordanschlag gehandelt haben, sei dieser politisch motiviert gewesen. Dahinter steckten höchstwahrscheinlich Gegner der russischen Regierung, die an einer radikalen Verschlechterung der Beziehungen Russlands mit dem Westen interessiert seien.

"Ich habe praktisch sofort die Vermutung einer Mittäterschaft der russischen Regierung zurückgewiesen", schrieb der 50-Jährige weiter. Der einflussreiche Akademiker war am 24. November bei der Vorstellung seines neuen Buches in Dublin zusammengebrochen. Einen Tag zuvor war der russische Ex-Spion Alexander Litwinenko in London an einer radioaktiven Vergiftung gestorben. Von seinem Sterbebett aus bezichtigte er die russische Regierung eines Mordbefehls. Die Regierung in Moskau hat jede Verwicklung zurückgewiesen.

Logik spricht für Kreml-Gegner als Täter

"Ein anderer gewaltsamer Tod eines bekannten Russen am folgenden Tag ist das Letzte, was die russische Führung wollen könnte", schrieb Gaidar weiter. Das bedeute aller Wahrscheinlichkeit nach, dass offene oder versteckte Gegner der russischen Regierung die Fäden gezogen hätten.

Gaidar war nach einer ersten Behandlung nach Russland geflogen, um sich dort weiter untersuchen zu lassen. Inzwischen wurde er wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Ein Sprecher Gaidars sagte am Dienstag, bei der Erkrankung sei laut den russischen Ärzten ein "toxischer Faktor" im Spiel gewesen. Das Wort "Vergiftung" hätten die Ärzte aber nicht benutzt. Gaidar hatte berichtet, er habe sich an dem ersten Tag seiner Erkrankung bereits seit dem Frühstück nicht wohlgefühlt. Er habe Obst und eine Tasse Tee zu sich genommen.

Reuters/DPA DPA Reuters

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