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Fall Lukas W.: "Komme gegen vier zum Wetttrinken"

Der Fall Lukas W. erschütterte die Republik: Beim Wettsaufen hatte sich der 16-Jährige ins Koma getrunken, wenig später starb er. Nun stehen diejenigen vor Gericht, die ihn zum Trink-Kampf animiert hatten. Diejenigen, die seinem Gegner Wasser statt Tequila eingeschenkt hatten.

Von Uta Eisenhardt

Der Wirt wusste um die Trinkfestigkeit von Schüler Lukas W.

Der Wirt wusste um die Trinkfestigkeit von Schüler Lukas W.

Bereits Wochen vorher stand der Termin für das Tequila-Wetttrinken fest: An einem Sonntag im Februar 2007, verabredeten der Wirt Aytac G. und sein Kontrahent Lukas W., sollte der Kampf stattfinden. "Hey, ich komm gegen vier. Lukas", mit dieser SMS kündigte der Gymnasiast sein Erscheinen in der Bar namens "Eye T" an. Es war die letzte SMS, die er in seinem Leben schrieb. Als Rettungssanitäter den 16-Jährigen gegen 7.30 Uhr aus der Bar im Berliner Westen abtransportierten, funktionierte bei diesem lediglich noch der Atemreflex. Fünf Wochen später wurden die Maschinen abgestellt, die den Hirntoten bis dahin am Leben gehalten hatten.

Nun begann der Prozess gegen diejenigen, die an jenem Sonntagmorgen das Wetttrinken unterstützt hatten. Vier Jugendliche im Alter von 17 bis 21 Jahren müssen sich vor der 24. Großen Jugendstrafkammer wegen Beihilfe zu gefährlicher Körperverletzung verantworten. Das Verfahren gegen den Wirt wegen Körperverletzung mit Todesfolge wurde abgetrennt und wird zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden. Der 26-Jährige sitzt seit einem halben Jahr in Untersuchungshaft. Ob Aytac G., der versucht hatte, Zeugen zu beeinflussen, noch vor Beginn seines Prozesses von der Haft verschont wird, darüber entscheidet zurzeit das Berliner Kammergericht.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Das Schicksal des "Tequila-Jungen", wie Lukas W. von der Boulevardpresse getauft wurde, ging um die Welt. Entsprechend groß ist der Andrang vor dem Saal 621 des Berliner Landgerichts. Doch noch vor Prozessbeginn wird die Öffentlichkeit ausgeschlossen. Das Gericht habe lange darüber beraten, ob es nicht besser sei, eine Berichterstattung zuzulassen, damit die Jugendlichen dieses Landes vom Prozess gegen ihre Altersgenossen erfahren, sagt Gerichtssprecherin Iris Berger. Doch letztlich entschied die Jugendstrafkammer zugunsten des Persönlichkeitsschutzes der Angeklagten. Der Ausschluss der Öffentlichkeit gilt jedoch nur für die Beweisaufnahme, also für die Schilderungen der Angeklagten, des als Zeugen geladenen Wirtes und der gerichtsmedizinischen Gutachterin. Zu den Plädoyers und der Urteilsverkündung wird die Öffentlichkeit wieder zugelassen.

Die Anklage, die Staatsanwalt Reinhard Albers verfasst hat, geht von folgenden Fakten aus: Aytac G. und Lukas W. lieferten sich ein 30- bis 60-minütiges Wetttrinken mit einem 38-prozentigen Tequila der Marke Lanius. Martin J. schenkte die ersten vier Gläser und Edis B. die weiteren Gläser ein, die den beiden Kontrahenten an einem Mini-Tresen serviert wurden. Der Wirt, der von der Trinkfestigkeit des Schülers wusste, hatte seine Mitarbeiter und Freunde angehalten, ihm nur Wasser einzuschenken.

Es stand 44:45, als der Junge die Besinnung verlor

Zwischen der 25. bis 30. Runde verwechselte die hübsche Serviererin die Gläser. "Schmeckt wie Wasser", sagte Lukas W. Darum stellte "Wettrichter" Mathias M. die Tequila-Flasche auf den Tisch. Erst jetzt kämpften beide mit den gleichen Waffen. Der sichtlich angewiderte W. soll um eine Trinkpause gebeten haben, doch der nüchterne Wirt ignorierte diesen Vorschlag. Schnell stürzte er die nächsten fünf Gläser hinunter, um so den Angetrunkenen zum Weitertrinken aufzufordern. Es stand 44:45 für den Wirt, als sein Kontrahent die Besinnung verlor. Der unehrliche Sieger verließ das "Eye T" und überließ den Verlierer seinem Schicksal.

Eine Stunde später bemerkten die Angeklagten, dass der Schüler aufgrund akuten Sauerstoffmangels blau angelaufen war. Sie alarmierten die Feuerwehr und bemühten sich sehr um Lukas: Sie steckten ihm den Finger in den Hals, massierten sein Herz, beatmeten ihn und brachten ihn in die stabile Seitenlage. "Aus ihrer Sicht haben die Angeklagten alles getan", sagt Staatsanwalt Reinhard Albers in einer Prozesspause.

Ein Verteidiger: "Jeder kann sich zu Tode saufen"

Im Prozess hätten drei der vier Angeklagten die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bestätigt. "Sie haben sich erschüttert und tief bewegt gezeigt", resümiert Albers den ersten Prozesstag. Einer der Angeklagten kämpfe seit dem Geschehen mit psychischen Problemen. Doch noch sei überhaupt nicht klar, ob die vier sich überhaupt schuldig gemacht haben, sagt Eckhard Fleischmann, Verteidiger des 21-jährigen Edis B.: "Unsere Rechtsordnung geht von der Eigenverantwortlichkeit aus - jeder kann aus dem Fenster springen oder sich zu Tode saufen." Außerdem wundert es den Juristen, dass man nicht erst dem Haupttäter Aytac G. den Prozess macht und anschließend die Beihelfer belangt. "Wir brauchen erst eine Haupttat, die feststeht, dann kann man über die Gehilfenschaft entscheiden." Auch der Staatsanwalt sieht darin ein Problem, doch er geht ohnehin nicht davon aus, dass er die Jugendlichen rechtskräftig verurteilen kann. "Das wird mit absoluter Sicherheit in Revision gehen."

Nach Albers' Ansicht kann man "aus diesem Fall eine Examensarbeit machen". In seinen Augen habe sich vor allem Aytac G. strafbar gemacht, "mehr als diese Jugendlichen, die auf Geheiß des Wirtes gehandelt haben". Der "Eye T"-Inhaber habe gegen den Jugendschutz verstoßen, der es Jugendlichen unter 18 Jahren weder gestattet, sich nach Mitternacht in einer Gaststätte aufzuhalten, noch dort branntweinhaltige Getränke zu konsumieren. Zweitens sei Aytac G. zehn Jahre älter als der Geschädigte und hätte einen "Überblick über den Wahnsinn" haben müssen. Drittens habe der Wirt betrogen und damit den Schüler dazu gebracht, in kürzester Zeit sehr viel Tequila zu konsumieren. Weil der Gastwirt keine alkoholbedingten Reaktionen zeigte, wurde der Jugendliche auch nicht animiert, seinen massiven Konsum kritisch zu hinterfragen, so der Staatsanwalt.

Konsequenz aus dem Fall Lukas: Flatrate-Partys sind verboten

Knapp drei Wochen nach dem Tod des Jungen entzog das Wirtschaftsamt Charlottenburg-Wilmersdorf Aytac G. seine Konzession, "wegen fortwährend begangener grober Verstöße gegen den Jugendschutz". So soll der Wirt bereits vor dem Wetttrinken mit Lukas einen anderen Schüler ins Koma befördert haben - doch dieser hatte das Glück, daraus wieder zu erwachen. Der Fall Lukas zog noch weitere Konsequenzen nach sich: Die sogenannten Flatrate-Partys sind bundesweit verboten. Und die Berliner Polizei registriert seit April 2007 sämtliche bekannt gewordenen Fälle, in denen sich Jugendliche bis zur Besinnungslosigkeit betranken. 663 waren es bis Dezember 2007. Tendenz: in den Schulferien steigend.

Auf welche Rechtsgrundlage beziehen sich die Münchner Finanzämter im jüngsten Steuerskandal?
Gestern in Report: Münchener Mittelständler, die zum Beispiel Werbung bei Google gekauft haben, sollen auf gezahlte Werbung bei Google eine Quellensteuer von 15 Prozent zahlen, und zwar zunächst rückwirkend für die Jahre 2012 und 2013. Das Geld, so die Betriebsprüfer des Finanzamts München, könnten sich die Steuer ja von Google zurückholen. Klingt skurril. Klingt nach einer Sauerei. ich habe mir deshalb den 50a ESTG durchgelesen, was wenig Freude macht. Dort steht erstens: "Die Einkommensteuer wird bei beschränkt Steuerpflichtigen im Wege des Steuerabzugs erhoben", was bedeutet, dass (um im Beispiel zu bleiben) Google der Steuerschuldner ist und sich das Finanzamt dorthin wenden soll und unter Abschnitt 7: "Das Finanzamt des Vergütungsgläubigers kann anordnen, dass der Schuldner der Vergütung für Rechnung des Gläubigers (Steuerschuldner) die Einkommensteuer von beschränkt steuerpflichtigen Einkünften, soweit diese nicht bereits dem Steuerabzug unterliegen, im Wege des Steuerabzugs einzubehalten und abzuführen hat, wenn dies zur Sicherung des Steueranspruchs zweckmäßig ist. " Nach diesem Text muss das Finanzamt von Google diese Anordnung treffen und nicht das Münchner. Ich bin mir sehr sicher, dass das Finanzamt in Irland nicht tätig geworden ist. Was also könnte die Rechtsgrundlage für diese extreme Auslegung einer Vorschrift sein, die ursprünglich dazu gedacht war, dass Veranstalter von Rockkonzerten die Steuern für die ausländischen Musiker abführen (was ja vernünftig ist)?
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.