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Fall Magnus Gäfgen: Kindsmörder erstattet Strafanzeige gegen Polizei

Der zu lebenslanger Haft verurteilte Mörder des Frankfurter Bankierssohn Jakob von Metzler, Magnus Gäfgen, führt seinen Feldzug gegen die Frankfurter Polizei fort. Nun hat er Strafanzeige wegen uneidlicher Falschaussage gegen Polizisten gestellt. Es ist nicht das einzige anhängige Verfahren.

Der Justizmarathon um den zu lebenslanger Haft verurteilten Kindsmörder Magnus Gäfgen geht weiter. Wegen des Verdachts der uneidlichen Falschaussage erstattete Gäfgen Strafanzeige gegen den ehemaligen Vizepräsidenten der Frankfurter Polizei, Wolfgang Daschner, und einen Polizeibeamten, berichtet die "Frankfurter Rundschau". Gäfgens Anwalt Michael Heuchemer bestätigte der Nachrichtenagentur DPA die Anzeige.

Daschner hatte am 1. Oktober 2002 den Entführer Gäfgen mit Folter bedrohen lassen, damit er das Versteck seiner Geisel - der später getötete Bankierssohn Jakob von Metzler - preisgibt. Gäfgen verbüßt derzeit eine lebenslange Haftstrafe im nordhessischen Schwalmstadt. In einem laufenden Zivilprozess verlangt er vom Land Hessen Schmerzensgeld und Schadenersatz wegen angeblicher traumatischer Spätfolgen der illegalen Polizeimethoden.

Angebliche Widersprüche in Aussage Daschners

Gäfgens Anwalt erklärte, es gebe in dem Zivilprozess nach dem Eindruck vieler Beteiligter massive Widersprüche bei der Zeugenaussage Daschners. Dieser habe erklärt, der damalige Chef des hessischen Landeskriminalamtes, Norbert Nedela, sei 2002 sein Ansprechpartner im Fall Gäfgen gewesen. Nedela dagegen habe in einer dienstlichen Erklärung versichert, Daschner nicht zum Handeln aufgefordert zu haben. "Auch der Innenausschuss des Landtags konnte die Widersprüche nicht aufklären. Dies erhoffen wir uns nun von der Justiz", sagte Heuchemer.

Sollten Daschner und der Beamte im laufenden Verfahren noch vereidigt werden, erweitere sich die Anzeige gegen sie automatisch um den Straftatbestand des Meineides, meldet die "Rundschau" weiter.

dho/DPA / DPA