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Fall Marco W.: Die Hoffnung war vergebens

Nach einer weiteren Gerichtsverhandlung im Fall Marco W. entbrannte zwischen den Rechtsanwälten des Angeklagten und des mutmaßlichen Opfers ein heftiger Streit. Während der junge Deutsche auf dem Weg zurück in türkische Gefängnis war, hagelte es gegenseitige Beschuldigungen - alles zum Nachteil von Marco.

Von Frauke Hunfeld und Metin Yilmaz, Antalya

Marco W. aus Uelzen bleibt weiter in türkischer Untersuchungshaft. Das Gericht ordnete die Fortsetzung der Haft an. Die Originalaussage des Mädchens Charlotte liegt dem Gericht immer noch nicht vor, allerdings verfügt es über eine Kopie und eine vorläufige türkische Übersetzung.

Marcos Anwälte sind enttäuscht. "Das ist nicht das Ergebnis, das wir erhofft haben. Wir sind der Meinung, dass alle Voraussetzungen gegeben sind, um Marco auf freien Fuß zu setzen. Wir müssen diese Entscheidung respektieren," sagt Marcos Rechtsanwalt Ahmet Ünal Ersoy.

Vor dem Gerichtssaal tobte ein Streit der Anwälte

Schon am frühen Morgen hatten sich zahlreiche Journalisten und auch einige "Sympathisanten" vor dem Saal des ersten Schwurgerichts eingefunden. Die Verhandlung begann jedoch erst gegen 13 Uhr fünfzehn, wurde einmal unterbrochen und anschließend auf den 14. Dezember vertagt.

Während Marco nach der Verhandlung in das neue Gefängnis von Antalya gebracht wurde, tobte vor den Pforten des Gerichts eine Auseinandersetzung der Anwälte. Dr. Michael Nagel, Rechtsanwalt aus Hannover, zeigte sich wütend über die Mutmaßung des Anwaltes von Charlotte, Ömer Aycan, dass seine Kanzlei die Aussagen des englischen Mädchens an die Presse weitergegeben hätte. Nagel wörtlich: "Ich versichere anwaltlich, dass dies nicht der Fall ist. Manchmal ist der, der angreift, es dann selber gewesen."

"Traurig, dass Aussagen an die Öffentlichkeit gelangten"

Im Gegenzug beschuldigte er Aycan, Ressentiments zwischen Deutschen und Türken hervorrufen zu wollen. Weitere Schritte gegen Aycan behalte er sich vor. Ömer Aycan sagte dazu: "Was ein Herr Nagel vor den Toren des Gerichtes erzählt, interessiert mich nicht. Er ist nicht Teil des Verfahrens, er sitzt nicht im Gerichtssaal. Das Verfahren spielt sich im Gerichtssaal ab und dort sollte es auch bleiben. Die Geschädigte und ihre Eltern sind sehr traurig darüber, dass ihre Aussagen an die Öffentlichkeit gelangt sind. Es handelt sich hier um ein dreizehnjähriges Mädchen, das über eine Vergewaltigung sprechen muss. Das verlangt entsprechenden Schutz."

Vorwürfe, das Verfahren verzögern zu wollen, wies Aycan zurück. "Es ist nicht im Sinne meiner Mandanten, dass sich dieser Prozess so lange hinzieht. Vor jedem Verhandlungstag hoffen sie, dass es der letzte ist. Die Belastung ist groß. Sie wollen, dass es vorbei ist und endlich wieder ein normales Leben führen." Aycan äußerte Mitleid auch für die Eltern von Marco W. "Ich sehe, dass sie sehr traurig sind. Es ist ein Alptraum, auch für sie."

"Marco braucht mehr denn je Unterstüzung"

Marcos Anwalt Ahmet Ünal Ersoy wollte zu diesen Auseinandersetzungen keine Stellungnahme abgeben. "Wir machen unsere Arbeit. Marco braucht mehr denn je Unterstützung. Er weiß, dass seine Eltern und Freunde an ihn denken und dass wir in seiner Nähe sind und er auf uns zählen kann."