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Fall Mitja: Der Kinderschänder aus dem Schulzoo

Auf der Suche nach dem mutmaßlichen Mörder des kleinen Mitjas hat die Polizei ihre Suche auch auf Sachsen-Anhalt ausgedehnt. Nun werden immer neue erschreckende Details über die Vorgeschichte des vorbestraften Kinderschänders bekannt.

Knapp eine Woche nach dem gewaltsamen Tod des neunjährigen Mitja hat die Polizei die Suche nach dem mutmaßlichen Mörder auf Sachsen-Anhalt ausgedehnt. Wie ein Sprecher bestätigte, wurden Kräfte in den Raum Bitterfeld gebracht, aus dem der flüchtige Uwe Kolbig stammt. Doch auch im Norden und Nordwesten Leipzigs wurde die Suche fortgesetzt. Bislang gingen bei der Polizei mehr als 160 Hinweise aus der Bevölkerung ein. Unterdessen wurde bekannt, dass der vorbestrafte Kinderschänder über eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) in einem Schulzoo eingesetzt war. Der Sprecher der Sächsischen Bildungsagentur Leipzig, Roman Schulz, bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Berliner Zeitung".

Kolbig sei von Mai 2001 bis April 2002 in einem durch die Europäische Union und den Freistaat Sachsen geförderten Arbeitsbeschaffungsprogramm "Qualifikation und Arbeit statt Sozialhilfe" beschäftigt gewesen. Schulz betonte, er sei aber nicht unmittelbar bei der Schule oder dem Schulträger, der Stadt Schkeuditz, beschäftigt. Schon gar nicht sei er in pädagogischen Projekten eingesetzt gewesen. Vielmehr sei Kolbig Mitarbeiter des Sozial- und Beschäftigungsbetriebs des Landkreises Delitzsch gewesen, einer inzwischen nicht mehr existierenden Firma. Diese hatte von der Stadt Schkeuditz den Auftrag, an verschiedenen Stellen der Stadt Arbeiten auszuführen.

Nach Schulz’ Worten war es Zufall, dass Kolbig ausgerechnet im Schulzoo eingesetzt wurde. Dort war er mit handwerklichen Arbeiten beschäftigt. Die "Berliner Zeitung" zitierte einen ehemaligen Arbeitskollegen Kolbigs mit den Worten, dieser sei nie an den Kindern der Schule interessiert gewesen. Er sei aber hinter den im ABM-Projekt beschäftigten Frauen her gewesen. Den Frauen gegenüber habe der sonst eher verschlossene Kolbig sogar Charme entwickelt. Die Leiterin der Thomas-Müntzer-Schule, Sabine Borrmann, war entsetzt, als sie von der Geschichte erfuhr. "Für sie brach fast eine Welt zusammen", sagte Schulz. Auch Borrmann konnte sich nicht daran erinnern, dass Kolbig sich merkwürdig verhalten habe. "Dennoch läuft es mir jetzt noch kalt den Rücken herunter", sagte die Schulleiterin. "Man kann doch einen vorbestraften Triebtäter nicht in eine Schule zum Arbeiten schicken", empörte sich die Pädagogin.

Minister fordert härtere Gesetze

Im Zusammenhang mit dem Mordfall Mitja forderte der sächsische Justizminister Geert Mackenroth härtere Gesetze. Gefährliche Sexualstraftäter müssten nach der Haft länger und enger beaufsichtigt werden als bisher, sagte der CDU-Politiker der in Dresden erscheinenden "Sächsischen Zeitung". Dagegen warnte der SPD-Innenpolitiker Dieter Wiefelspütz in der "Netzeitung" davor, in das "übliche hektische Gerede" zu verfallen. Wiefelspütz wies auch die Forderung von CSU-Generalsekretär Markus Söder nach grundsätzlicher Verhängung von lebenslanger Sicherungsverwahrung für Kinderschänder als unsachlich zurück.

Der neunjährige Mitja war am Donnerstag verschwunden. Letztes Lebenszeichen sind Bilder von einer Überwachungskamera in der Straßenbahn. Darauf ist zu sehen, wie er neben Uwe Kolbig sitzt. Die Leiche des Kindes lag in einer Kleingartenanlage am Rande von Leipzig. Der Neunjährige wurde erstickt und zuvor wahrscheinlich missbraucht. Sichergestellte Spuren sollen mit DNA-Material Kolbigs abgeglichen werden, das in der DNA-Analyse-Datei des Bundeskriminalamtes eingelagert ist. Das Ergebnis der Obduktion wurde noch nicht bekannt gegeben.

AP / AP