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Fall muss neu geprüft werden: BGH präzisiert Unterschied zwischen Mord und Tötung auf Verlangen

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Trennung zwischen Mord und Tötung auf Verlangen präzisiert. Die Ernsthaftigkeit des Tötungsverlangens müsse ausreichend belegt sein, eine Augenblicksstimmung genüge nicht, erklärten die Richter am Donnerstag in Karlsruhe.

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat die Trennung zwischen Mord und Tötung auf Verlangen präzisiert. Die Ernsthaftigkeit des Tötungsverlangens müsse ausreichend belegt sein, eine Augenblicksstimmung genüge nicht, erklärten die Richter am Donnerstag in Karlsruhe. Sie verwiesen einen Fall, in dem ein Ehemann seine Frau angeblich auf ihren eigenen Wunsch getötet hatte, zurück an das Landgericht Stade. Dort muss der Fall komplett neu aufgerollt werden.

Der Ehemann hatte seine 53-jährige Frau am 3. Juni 2009 mit seinem Revolver erschossen und war vom Landgericht Verden lediglich zu zweieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden. Das Gericht war davon überzeugt, dass die Ehefrau ihren 21 Jahre älteren Mann um die Tötung gebeten hatte.

Grund für ihren Tötungswunsch soll nach Angaben des Mannes gewesen sein, dass seine Frau wegen eines Myoms an unerträglichen Unterleibsschmerzen litt und keine Lebenskraft mehr hatte. Deshalb habe sie am Morgen ihren Mann gebeten, sie zu erschießen. Tatsächlich hatte sie sich nicht an einen Arzt gewandt, und es stellte sich nach ihrem Tod heraus, dass das Myom im Bauchraum gutartig und operabel war. Der Ehemann erschoss zunächst sie, dann den gemeinsamen Hund und sich selbst in den linken Brustbereich. Er überlebte jedoch.

Die Tochter der Toten legte gegen den milden Schuldspruch Revision ein und wollte eine Verurteilung wegen Mordes erreichen. Die Staatsanwaltschaft und der angeklagte Ehemann waren dagegen mit dem Urteil des Landgerichts Verden einverstanden. Es kam am Donnerstag zu dem seltenen Fall, dass der BGH ein Urteil allein auf die Revision der Nebenklage hin aufhob und zurückverwies.

Die Karlsruher Richter sahen die Ernsthaftigkeit des Tötungsverlangens nicht ausreichend belegt. Das Ehepaar habe konkrete Urlaubspläne gehabt, eine Hausrenovierung unmittelbar bevorgestanden. Noch am Vorabend war die 53-Jährige spät in der Nacht am Computer gesessen, hatte Fotos bearbeitet und aktuelle Nachrichten verfolgt. Das spreche gegen den ernsthaften Wunsch aus dem Leben zu scheiden, erklärte der BGH.

APN / APN
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