Fall Nadine "Die Leiche ist todsicher Nadine"


Ein grausiger Fund: Hans-Udo R., Großvater der kleinen Nadine, hat die Leiche der eigenen Enkelin ausgegraben. Sein Sohn wurde wegen ihres Todes zu einer achtjährigen Haftstrafe verurteilt. Zu Unrecht, meint Hans-Udo R. im stern.de-Interview. Er schildert die Umstände der Ausgrabung.

Die kleine Nadine kam wahrscheinlich im Jahr 2002 ums Leben, damals war sie gerade eineinhalb Jahre alt. Der 32-jährige Vater war vor drei Wochen zu acht Jahren Haft wegen Misshandlung und Tötung seiner Tochter verurteilt worden. Er und seine Frau behaupten jedoch, das Mädchen sei bei einem Unfall gestorben. Sie haben die Leiche ihrer Tochter im Harz vergraben, aus Angst vor dem Jugendamt. Der Großvater hatte die sterblichen Überreste des Mädchens am vergangenen Samstag am Rande eines Waldgebietes gefunden.

Herr R., sind Sie sicher, dass die von Ihnen gefundene Leiche wirklich Ihre Enkelin Nadine ist?

Ich bin mir todsicher. Denn sie lag dort, wo es mein Sohn von Anfang an gesagt hat. Hinter den Büschen gleich rechts. Wir haben zweieinhalb Stunden gegraben und dann haben wir den Kopf getroffen. Der Schädel wurde zertrümmert. Mir wurde zwar vorgeworfen, ich hätte laienhaft gegraben, aber die Kriminalpolizei hat überhaupt nicht mehr gesucht und behauptet, man würde jetzt nichts mehr von Nadine finden. Und die Justiz hat immer behauptet, meine Schwiegertochter und mein Sohn seien Lügner. Dabei haben sie von Anfang an gesagt, wo die Leiche liegt.

Was genau haben Sie dort gefunden?

Ich und meine Helfer haben den Schädel und die ganzen Gebeine gefunden. Wir haben dann aber aufgehört zu graben, denn ich wollte, dass die Leiche original vergraben bleibt. Sonst wirft man am Ende mir vor, ich hätte sie vergraben.

Warum haben Sie nicht vorher gegraben?

Ich durfte nicht vorher graben, da ein Ermittlungsverfahren lief. Dabei wussten wir, wo Nadine liegt. Ich hätte natürlich gerne früher gegraben, durfte das aber erst nach dem Urteil. Was man da durchmacht, kann man sich nicht vorstellen.

Was meinen Sie: Warum wurde nicht von Behördenseite nach der Leiche gesucht?

Um meinen Sohn und seine Frau schlechter hinzustellen und sie weiter als Lügner darzustellen. Da, wo das Kind lag, wurde nicht gegraben.

Wie ist Nadine zu Tode gekommen?

Es war ein Unfall. so wie die beiden es immer gesagt haben. Es war ein Unfall, sie ist vom Bett runtergefallen.

Warum haben die beiden Nadine dort beerdigt?

Nadine war tot. Nun hatten die beiden Angst, dass ihnen auch ihre anderen drei Kinder weggenommen werden. Sie hatten Angst, dass die Familie kaputt geht. Da der Verwesungsgeruch einsetzte, kamen sie auf die Idee mit dem Vergraben. Sie haben sie dann dort vergraben, wo mein Sohn früher gelebt hat. Sie wollte ihr ein harmonisches Grab geben.

Gab es in der Familie ihres Sohnes Misshandlungen der Kinder?

Nein, in keinster Weise. Außer der Mutter meiner Schwiegertochter, die stark medikamentenabhängig ist, hat niemand irgendwelche blauen Flecken gesehen. Sogar das Jugendamt, hat festgestellt, dass der Umgang der Eltern mit den Kindern sehr gut ist.

Während des Prozesses kam heraus, dass Sie ihren Sohn schon vor Jahren wegen Misshandlung angezeigt haben. Warum?

Das habe ich nicht. Das wurde während des Prozesses verdreht. Mein Sohn und ich hatten damals lediglich eine Auseinandersetzung. Der Polizei habe ich dann gesagt, ich mache 'vielleicht' eine Anzeige. Aber nicht wegen der Misshandlung seiner Tochter. Und ich habe auch nur gesagt 'vielleicht'. Doch dann habe ich wenig später einen Anruf der Polizei bekommen, die Anzeige sei fertig, ich müsste nur noch unterschreiben. Da habe ich der Polizei gesagt, dass ich nur 'vielleicht' gesagt habe. Sie könnten die Anzeige in den Mülleimer schmeißen. Das hat der Polizist aber nicht getan, sondern hat sie abgeheftet

Haben Sie Nadine kennengelernt?

Ja, ich hatte Nadine bis zum Alter von eineinhalb Jahren im Arm.

Ihr Sohn und seine Frau haben nach dem Tod von Nadine eine weitere Tochter gezeugt und als Nadine ausgegeben. Wussten Sie von diesem Trick?

Nein, von dem Tod von Nadine habe ich nichts mitbekommen. Ich hatte viereinhalb Jahren keinen Kontakt zu der Familie. Als ich wiederkam, gab es ein Kind, die soll sechs gewesen sein. Und dass habe ich so hingenommen. Diese Nadine war für mich die richtige Nadine. Ich weiß erst seit November 2006 von dem Tod der richtigen Nadine, als ich von der Kripo angesprochen wurde. Ich bin zusammengebrochen.

Den Unterschied zwischen den beiden Mädchen haben sie nicht bemerkt?

Nein, wie wollen sie das den mitbekommen? Die eigentliche Nadine war ja nur eineinhalb Jahre alt, als ich sie zuletzt gesehen hatte.

Glauben Sie, dass sich mit dem Leichenfund die Unschuld Ihres Sohnes beweisen lässt?

Ich hoffe das von ganzem Herzen. Mein Sohn ist unschuldig. Beide sind unschuldig.

Interview: Malte Arnsperger

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker