Fall Nadine Verteidigung fordert Freispruch


Sie wurde geschlagen und gequält bis sie starb - angeblich bei einem Sturz vom Hochbett. Jahrelang vertuschten Nadines Eltern ihren Tod. Im Prozess forderte der Verteidiger nun Freisprüche "aus Mangel an Beweisen" - denn die Leiche wurde nie gefunden.

Im Prozess um die verschwundene kleine Nadine aus Gifhorn hat die Verteidigung am Mittwoch Freispruch für die angeklagten Eltern gefordert. Die Todesursache sei nicht aufgeklärt, die Hauptbelastungszeugin nicht glaubwürdig, sagte Michael Ebeling, der Anwalt des 32 Jahre alten Vaters, im Landgericht Hildesheim (Niedersachsen). Die Eltern von Nadine müssen sich wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung verantworten. Die Verteidigung sieht nach der Hauptverhandlung jedoch keine Anhaltspunkte dafür, dass der Familienvater Nadine misshandelt oder attackiert haben könnte. Es gebe keine Zeugen für mögliche Übergriffe, betonte Ebeling.

Mutter griff bei Quälereien nicht ein

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren für den Vater und ein Jahr auf Bewährung für die Mutter gefordert. Die Frau soll bei den Misshandlungen nicht eingegriffen haben. Die Anklage sieht ein Motiv für die Übergriffe darin, dass der Angeklagte nicht der leibliche Vater des Mädchens war. Deshalb habe er es gequält. "Mein Mandant ist immer davon ausgegangen, dass Nadine von ihm stammt", betonte Ebeling. Erst nach der Festnahme habe der Angeklagte erfahren, dass er nicht der leibliche Vater ist.

Die Eltern von Nadine bestreiten jede Schuld am Tod ihrer Tochter und behaupten, Nadine sei im Januar 2003 als knapp Zweieinhalbjährige nach einem Sturz aus dem Hochbett gestorben. Trotz intensiver Suche wurde die Leiche des Kindes nicht gefunden. Die Eltern vertuschten den Tod über Jahre - angeblich aus Angst vor dem Jugendamt - und nannten eine später heimlich geborene Tochter ebenfalls Nadine. Sie sollen die Leiche der "echten" Nadine im Harz vergraben haben.

Todeszeitpunkt irgendwann 2002

Die Hauptbelastungszeugin sei nur eine "Zeugin vom Hörensagen", sagte Ebeling in seinem Plädoyer. Im Prozess hatte diese Zeugin ausgesagt, Nadines Mutter habe ihr anvertraut, dass der Familienvater Nadine misshandelt, ihr die Füße verbrannt und ihr nichts zu essen gegeben habe. Die Staatsanwaltschaft ist der Ansicht, der Vater habe das Kleinkind aus Frust umgebracht, weil er vermutete, Nadine entstamme einem Seitensprung. Die Angeklagten schwiegen während der Verhandlung zu den Vorwürfen.

Wann genau Nadine gestorben ist, stehe nicht fest, sagte der Verteidiger. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass das Mädchen bereits im Sommer 2002 starb. Genauso wenig gebe es einen Beweis dafür, dass die Eltern einen falschen Ort des Grabes genannt hätten, sagte der Verteidiger. "Beide Ehepartner haben unabhängig voneinander denselben Ort gezeigt", sagte Ebeling. Gefunden wurde dort aber nichts. Ein Gutachter hatte darauf hingewiesen, dass Tiere die sterblichen Überreste gefressen oder verschleppt haben könnten.

Verteidiger plädiert auf Freispruch

Thomas Köhler, Verteidiger der 30-jährigen Mutter, schloss sich den Argumenten an und plädierte auch für seine Mandantin auf Freispruch. Er sprach von einem außergewöhnlichen Fall: "Wir haben ein Kind, das drei bis vier Jahre weg ist und keinem ist es aufgefallen." Das Urteil soll an diesem Freitag gesprochen werden.

DPA/AP AP DPA

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