Fall Natascha Mädchen wurde sexuell missbraucht


Das heute 18-jährige Opfer soll von sexuellen Kontakten mit ihrem Peiniger gesprochen haben. Der Kurier berichtet sogar von "freiwilligen" Kontakten. Der Entführer war weder vorbestraft noch ein Serientäter.

Das in Österreich nach acht Jahren wieder aufgetauchte Mädchen ist von seinem Entführer sexuell missbraucht worden. Das bestätigten die Ermittler am Samstag in Wien. Die heute 18-Jährige habe einer Polizistin gesagt, dass sie sexuellen Kontakt mit dem Mann gehabt habe. Nähere Einzelheiten wurden nicht genannt. Von "freiwilligen" sexuellen Kontakten berichtete am Samstag die Tageszeitung "Kurier". Die Ermittler gaben weiter bekannt, dass der Entführer bislang nicht in der DNA-Datenbank auftauchte. Wie Erich Zwettler vom österreichischen Bundeskriminalamt sagte, brachte ein Abgleich der DNA des Mannes in der Datenbank keinen Treffer. Damit sei klar, dass er noch nicht in Zusammenhang mit einer Straftat gesucht worden sei und kein Serientäter in Österreich sei.

Vernehmungspause bis Montag

Die junge Frau solle frühestens am Montag weiter vernommen werden, sagte Zwettler. "Sie braucht dringend eine Pause." Sie befinde sich an einem "sicheren Ort, wo der Zutritt nicht jederzeit möglich ist". Die junge Frau habe derzeit auch nicht den Wunsch geäußert, erneut mit ihren Verwandten Kontakt zu haben: "Sie möchte ihre Ruhe haben." Ihr Aufenthaltsort wird von der Polizei streng geheim gehalten. Wie lange sie dort bleiben wird, sei unklar, erklärte Zwettler. Der "Kurier" berichtete am Samstag weiter, die junge Frau trauere um ihren Peiniger, der sich vor einen Zug warf. Entgegen ersten Meldungen solle sie sehr geweint haben, als sie von seinem Freitod erfuhr. Das Mädchen habe während seiner Gefangenschaft zudem tagebuchähnliche Notizen verfasst, die nun weitere Anhaltspunkte geben sollten.

Penible Vorbereitungen

Der Täter habe schon Monate vor der eigentlichen Tat mit den Vorbereitungen für die Entführung begonnen, schrieb der "Kurier". Bereits ein Jahr vor dem Kidnapping habe er das Tatfahrzeug, einen weißen Bus, gekauft und mit umfangreichen Aushubarbeiten für das Kellerverlies begonnen. Er soll sogar über die Fertigstellung des umfangreich gesicherten Bunkers ein eigenes Fotoalbum angelegt haben. Nachbarn hätten ihn gesehen, als er Schutt fortschaffte, so der "Kurier". Ein Ermittler wurde mit den Worten zitiert, ohne die exakten Angaben des Entführungsopfers sei das Verlies niemals gefunden worden, nicht einmal bei einer Hausdurchsuchung. Das Mädchen war am 2. März 1998 im Alter von zehn Jahren auf dem Schulweg in Wien verschwunden, ohne eine Spur zu hinterlassen. Der Fall wurde zu einem der größten Rätsel der jüngeren Kriminalgeschichte Österreichs. Am Mittwoch gelang der heute 18-Jährigen die Flucht aus ihrem Versteck. Sie wurde jahrelang von ihrem Entführer in einem Verlies unter einer Garage gefangen gehalten. Dieser nahm sich während der Großfahndung nach ihm am Mittwoch das Leben.

AP


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