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Getötete Peggy: Führt der Knochenfund zu ihrem Mörder?

Knochen und persönliche Gegenstände der neunjährigen Peggy hat die Polizei in einem Wald in Thüringen gefunden. Doch welche Hinweise können sie 15 Jahre nach dem Verbrechen überhaupt noch geben?

Grabstein von Peggy K. Führen Knochenfunde nun zu ihrem Mörder

Für Peggy wurde inzwischen eine Gedenkstätte eingerichtet

Nach dem Fund von Knochen der Schülerin Peggy in einem thüringischen Wald hat die Polizei ihre Suchmaßnahmen auf Straßen ausgeweitet, die zu Peggys 15 Kilometer entfernten Heimatort Lichtenberg führen. Zahlreiche Einsatzkräfte suchten am Mittwoch vor allem Straßengräben, Seitenstreifen und weitere relevante Bereiche nach möglichen Spuren und Gegenständen ab, wie Polizei und Staatsanwaltschaft mitteilten. Die Ermittlungen der Soko Peggy mit rund 30 Mitarbeitern laufen auf Hochtouren. Über Details machten weder Staatsanwaltschaft noch die Polizei in Oberfranken Angaben.

Denn das Rätsel um den Tod des Mädchens ist mit dem Fund noch lange nicht gelöst. Vielleicht können manche Fragen niemals mehr geklärt werden. "Schwere, massive Gewalteinwirkung, die zu Knochenfrakturen führt, könnte man noch feststellen", sagt Michael Tsokos, Rechtsmediziner an der Charité, dem stern. "Wenn etwa jemand überfahren oder ihm der Schädel eingeschlagen wird, ist das sichtbar. Aber wir wissen ja noch nicht, welche Knochen gefunden wurden. Wenn die Rippen gebrochen wurden, aber wir finden nur Speiche und Elle, dann haben wir keine Hinweise auf die Todesursache."

Zur Lösung des Falls, glaubt Tsokos, werde jedoch auch weniger die Ermittlung der Todesursache beitragen als die Untersuchung der persönlichen Gegenstände, die gefunden wurden. "Dort werden hoffentlich Fingerabdrücke oder DNA zu finden sein, die zum Täter führen. Dann dürfte es ein Indizienprozess werden."

Mühselige Puzzle-Arbeit

Die neunjährige Peggy aus Oberfranken war am 7. Mai 2001 von der Schule nicht nach Hause gekommen, seitdem fehlte von dem Mädchen jede Spur. Seit Dienstagnachmittag, also erst 15 Jahre später, besteht nun traurige Gewissheit: Peggy ist tot. Bei den in Thüringen gefundenen Knochen handelt es sich tatsächlich um sterbliche Überreste der vermissten Schülerin aus Lichtenberg. Dies ergab ein DNA-Abgleich, wie die Staatsanwaltschaft in Gera mitteilte. Die weiteren Ermittlungen leitet die Staatsanwaltschaft in Bayreuth.

Den Fundort von Peggys Knochen hat die Polizei inzwischen wieder freigegeben. Nun beginnt eine mühselige Puzzle-Arbeit der Sonderkommission "Peggy", der gut 30 Beamte angehören. Mit Spannung wird erwartet, ob die weiteren Untersuchungen in der Rechtsmedizin klären können, ob Peggy einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel oder ob auch ein Unfalltod denkbar ist. 

Sollte ein Verbrechen vorliegen, ist offen, ob der Fundort der Knochen auch der Tatort ist - und deutet dann der Fundort in einem Waldstück in Thüringen, nur rund 15 Kilometer von Peggys bayerischem Heimatort entfernt, möglicherweise darauf hin, dass der Täter vielleicht gar nicht aus Bayern stammt? 

Noch immer Hoffnung auf wichtige Zeugen

Ein Pilzsammler hatte am Samstag die Kinderknochen gefunden. In der Nähe lagen Gegenstände, die zu der Neunjährigen passten. Aus ermittlungstaktischen Gründen macht die Polizei aber keine Angaben zu diesen Spuren, die nun akribisch ausgewertet werden müssen.

In Peggys Heimatstadt Lichtenberg zeigte sich der Bürgermeister Holger Knüppel am Dienstag bei aller Erschütterung auch erleichtert. Er hoffe, dass die neuen Hinweise zu einem Täter führen. "Das Schlimmste wäre, wenn da niemand gefunden wird, kein Schuldiger." Um den Fall in der Stadt abschließen zu können, brauche es einen Täter. Andernfalls würde das "ewig auf Lichtenberg lasten". 

Und vielleicht melden sich ja noch wichtige Zeugen.

car/DPA