Fall Stephanie Mario M. simuliert Notfall


Erneut hat Stephanies Peiniger Mario M. für Aufregung gesorgt: Ein Bewacher hat den 36-Jährigen mit hochrotem Kopf und scheinbaren Erstickungssymptomen in der Zelle entdeckt.

Stephanie-Peiniger Mario M. hat die Justizbehörden in Dresden am Samstagabend erneut in Aufregung versetzt. Gegen 18.45 Uhr entdeckte ein Gefängniswärter M. in seiner Zelle mit "hochrotem Kopf", wie der Sprecher des Justizministeriums in Dresden, Martin Marx, am Sonntag der dpa sagte. Ein Notarzt sei gerufen worden, erklärte Marx und bestätigt damit einen Bericht der "Dresdner Morgenpost". Der Notarzt habe eine Hyperventilation (beschleunigte Atmung) festgestellt.

Mario M. habe einfach die Luft angehalten, erklärte Marx. Dadurch sei der Blutdruck in die Höhe getrieben worden, und der 36-Jährige habe hyperventiliert. Mario M. bekomme aber keine Medikamente. Sein Ziel sei möglicherweise gewesen, den Prozessverlauf gegen ihn zu beeinflussen. Hinweise auf eine Verletzung oder Medikamentenmissbrauch habe der Notarzt nicht erkennen können. Zu keinem Zeitpunkt habe die Möglichkeit bestanden, dass M. in ein externes Krankenhaus verlegt werden musste, betonte der Ministeriumssprecher.

Berichte, dass M. in seiner Zelle randaliert habe, wies der Sprecher des Justizministeriums zurück. Auch von einem Selbstmordversuch könne man nicht sprechen. Stephanies Rechtsanwalt Thomas Kämmer forderte unterdessen in einem Interview mit dem Fernsehsender N24 erneut personelle Konsequenzen. "Der Leiter der Justizvollzugsanstalt muss weg."

Am Mittwoch hatte M. für einen Skandal gesorgt, als er seinen beiden Bewachern entwischte und auf das Dach des Gefängnisses kletterte. Dort harrte er rund 20 Stunden aus. Seitdem gelten verschärfte Sicherheitsmaßnahmen für M. So wird er jede Stunde von einem Gefängniswärter in seiner Zelle aufgesucht. Zudem wurde ihm der Hofgang gestrichen. Nach der spektakulären Kletteraktion forderte der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, eine grundlegende Überprüfung aller Gefängnisse. "Dass ein gefährlicher Straftäter mit der Justiz Katz und Maus spielen kann und damit den Rechtsstaat verhöhnt, dürfen wir nicht mehr zulassen", sagte Freiberg der "Passauer Neuen Presse".

Mario M. leidet nach Einschätzung des Gerichts-Gutachters Hans-Ludwig Kröber an einer "schweren Persönlichkeitsstörung". Diese habe den Rang einer "seelischen Abartigkeit", berichtet das Nachrichtenmagazin "Focus" unter Berufung auf das vorläufige psychiatrische Gutachten. Der 36-Jährige sei "überdurchschnittlich" intelligent. Sein Intelligenz-Quotient beträgt dem Bericht zufolge 138.

Wegen der seelischen Beeinträchtigung habe sich sein Mandant «mental und emotional von seinen Mitmenschen und ihren Werten entfernt" sagte Verteidiger Andreas Boine dem "Focus". Er sehe ein Kindheitstrauma von M. als eine der Ursachen für die Störung an. "Ab dem Alter von drei Jahren war er stark entstellt durch ein Furunkel auf der Nase. Sein Nasenrücken war komplett zerstört." Unter seiner "platten Boxernase" habe der Angeklagte bis in seine Jugend gelitten und "eine starke Stigmatisierung erlebt", meinte Boine.

Seit Montag muss sich der arbeitslose Anlagenmonteur M. wegen Vergewaltigung, Geiselnahme, Kinderpornografie und anderer Straftaten vor dem Dresdner Landgericht verantworten. Er hatte zu Prozessbeginn gestanden, Anfang des Jahres die damals 13 Jahre alte Schülerin Stephanie entführt und wochenlang sexuell misshandelt zu haben. Er war 1999 wegen schweren Kindesmissbrauchs zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Nach einem positiven Gutachten kam er nach Verbüßung von zwei Dritteln der Strafe auf Bewährung frei.

DPA/AP AP DPA

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