Fall Tim "An Gefühlskälte nicht zu überbieten"


Der Bautischler Oliver H. muss 13 Jahre in den Knast, weil er den kleinen Tim aus Elmshorn getötet hat - vermutlich, indem den Jungen gegen die Wand schleuderte. Der Richter fand klare Worte für die Tat.

Im Prozess um den gewaltsamen Tod des kleinen Tim aus Elmshorn bei Hamburg hat das Landgericht Itzehoe am Montag den Ex-Freund der Mutter zu 13 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht sprach den 38 Jahre alten Bautischler Oliver H. des Totschlags schuldig. Der Vorsitzende Richter Eberhard Hülsing sagte, das Verhalten von H. sei "an Gefühlskälte nicht zu überbieten" und verdiene "tiefe Verachtung". Der Stiefvater habe das Kind "drillen" wollen, sagte der Richter.

Oliver H. muss den kleinen Jungen am 8. November in seiner Wohnung so heftig geschüttelt haben, dass er gegen eine harte Fläche prallte, wahrscheinlich eine Wand. Das Kind starb an einer Hirnschwellung durch die "rohe und heftige Misshandlung". Vorher musste der Junge laut Richter Hülsing durch einen "zwölfstündigen Todeskampf" gehen. "Der Angeklagte hat schwere Schuld auf sich geladen. Er hat das Leben des Kindes ohne jeden Sinn zerstört." Nach der Tat hatte er die Leiche in eine Sporttasche gelegt und die Tasche in einem Garten versteckt, wo er mit Bauarbeiten beschäftigt war. Dort fand die Polizei sie eine Woche später.

Keine Regung

Das Gericht blieb in seinem Urteil zwei Jahre unter der möglichen Höchststrafe und ein Jahr unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert. Der Angeklagte hatte die Tat bestritten; er nahm das Urteil ohne sichtbare Regung entgegen. Auch die Mutter des Jungen war zur Urteilsverkündung gekommen. Sie blickte starr, als der Richter das Urteil vorlas. Die Mutter und der leibliche Vater von Tim nahmen als Nebenkläger am Prozess teil.

Die 21-jährige Monya H. hatte ihrem Freund Oliver H., der in der Wohnung neben ihr wohnte, am 8. November den Zweijährigen zur Aufsicht überlassen. Am 10. November um 23.30 Uhr meldete sie das Kind als vermisst. Nach intensiver Suche fand die Polizei die Sporttasche mit der Leiche und nahm Oliver H. fest. Monya H. wusste laut Polizei zuvor nichts vom Tod ihres Kindes.

Jede Schuld abgestritten

Der Fall hatte bundesweit Bestürzung ausgelöst: Hunderte Polizisten hatten eine Woche nach dem vermissten Kind gesucht. Der Angeklagte hatte nach seiner Festnahme und vor Gericht unterschiedliche Angaben gemacht. Er hatte kurz nach der Tat zunächst ein Teilgeständnis abgelegt, das sein Anwalt später jedoch relativierte. In seiner Aussage vor Gericht stritt H. dann jede Schuld am Tod von Tim ab.

AP AP

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