Fall Tim Staatsanwalt fordert 14 Jahre Haft


Oliver H., der verdächtigt wird, den kleinen Tim aus Elmshorn getötet zu haben, soll nach dem Willen der Staatsanwaltschaft für 14 Jahre in den Knast. Die Verteidigung hat Freispruch beantragt - die Tat sei Oliver H. nicht nachzuweisen.

Die Staatsanwaltschaft hat am Landgericht Itzehoe 14 Jahre Haft für Oliver H. beantragt. Der 38-jährige soll den kleinen Tim aus Elmshorn - nachdem er ihn geschlagen und misshandelt hatte - heftig geschüttelt und mit dem Kopf gegen die Wand geschlagen haben. "Der Angeklagte tötete Tim. Er tat dies auch vorsätzlich", sagte Staatsanwalt Peter Müller-Rankow in seinem Plädoyer. Die Verteidigung hingegen beantragte Freispruch. "Was dem Jungen konkret angetan worden ist, sind alles nur Vermutungen", sagte Verteidiger Christoph Heer.

Heer und sein Mandant präsentierten eine ganz andere Version der fraglichen Nacht. Demnach hat H. den zweijährigen Jungen in seine Obhut genommen. Beim Duschen sei er gestürzt und habe sich leicht am Kopf verletzt. Dann sei Tim überraschend gestorben - H. habe die Leiche am Morgen darauf auf dem Sofa entdeckt. Es spräche nichts dafür, dass H dem Kind Verletzungen zugefügt hätte.

Leiche in der Tasche

Sicher ist, dass die 21-jährige Mutter ihren Sohn dem Lebensgefährten am 8. November 2005 zur Betreuung überlassen hatte. Zwei Tage später meldete sie das Kind als vermisst. Eine Woche danach fanden Ermittler die Leiche des Jungen: Sie lag in einer Sporttasche im Dickicht eines Gartens, wo Oliver H. mit Bauarbeiten beschäftigt war. Er wurde festgenommen. Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass er Tim erschlagen hat, weil er mit dessen Erziehung überfordert war.

Am letzten Prozesstag an diesem Donnerstag sagte auch der Vater von Oliver H aus. Der 66 Jahre alte Kaufmann berichtete, die Mutter habe das Kind wiederholt geschlagen. Damit widerrief er seine frühere Aussage bei der Polizei. Darin hatte er Tims Mutter als "fürsorglich und gluckenhaft" geschildert. Er räumte zugleich ein, dass auch sein Sohn Tim geschlagen habe. "Tim war aber relativ unempfindlich gegen Schläge", meinte der Zeuge.

Mit seiner Forderung von 14 Jahren Haft blieb der Staatsanwalt nur ein Jahr unter der gesetzlichen Höchststrafe. Das Landgericht Itzehoe wird am Montag sein Urteil sprechen.

AP/DPA AP DPA

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