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Familiendrama von Nantes: Geliebte des Vaters meldet sich bei der Polizei

War es der Vater, der seine Frau und seine vier Kinder in Nantes aus nächster Nähe erschossen hat? Nun ist eine Geliebte des Flüchtigen aufgetaucht und gibt an, dem 50-Jährigen zuvor einen großen Geldbetrag geliehen zu haben.

Im westfranzösischen Familiendrama mit fünf Toten ist eine Geliebte des verschwundenen Vaters aufgetaucht und hat der Polizei Hinweise gegeben. Dazu zählen SMS-Nachrichten auf ihrem Handy, berichtete am Sonntag der französische Rundfunksender Europe 1. Die Frau aus dem Großraum Paris soll dem Mann zudem 50.000 Euro geliehen haben. Der verschwundene 50-jährige Familienvater steht im Verdacht, seine Frau und die vier Kinder getötet zu haben. Er wird aber zunächst nur als wichtiger Zeuge gesucht - nun auch international.

Die Leichen der Frau und der gemeinsamen vier Kinder waren im Garten des Reihenhauses der Familie gefunden worden. Nach der Autopsie erklärte die Staatsanwaltschaft, alle fünf Opfer seien am 3. oder 4. April "methodisch" wie bei einer Exekution aus nächster Nähe erschossen worden: "Sie wurden im Schlaf durch eine Waffe getötet." Sie eröffnete ein Verfahren gegen Unbekannt wegen Mordes.

Untersucht wird jetzt, ob die Opfer vorher betäubt wurden. Die Tatwaffe, ein Gewehr, wurde noch nicht entdeckt. Der Familienvater hatte eine derartige Waffe kurz zuvor geerbt. Die Familie galt seit drei Wochen als vermisst. Nachbarn hatten die Polizei auf ihr Verschwinden aufmerksam gemacht.

Wo steckt der Vater?

Das Fahrzeug des Vaters war am Karfreitag auf dem Parkplatz eines Hotels im südfranzösischen Roquebrune-sur-Argens entdeckt worden, wo der Mann am 14. April gesehen wurde und 30 Euro abgehoben hatte. Die Stadt liegt in der Nähe des früheren Wohnorts der Familie. Aus dem Ort stammt auch eine Frau, die am gleichen Tag auf unerklärliche Weise verschwand. Der Staatsanwalt sprach von einem "beunruhigenden Zufall", wollte aber keine Zusammenhänge bestätigen. Der Mann soll ein weitgehend erfolgloses Ein-Mann-Werbeunternehmen geleitet haben. Er sei beruflich aber sehr oft unterwegs gewesen.

Nachbarn hatten die Polizei auf das rätselhafte Verschwinden der Familie seit Anfang April aufmerksam gemacht. Sie beschrieben die Familie als ruhig und unscheinbar, den Vater als diskret. Die vier Kinder im Alter von 13 bis 20 Jahren waren plötzlich nicht mehr in der Schule erschienen, die Eltern nicht mehr an ihren Arbeitsplätzen. Vor Bekannten hatte der Vater angegeben, er sei US-Geheimagent und müsse im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms abtauchen. Den Arbeitgebern seiner als religiös beschriebenen Frau war ein Schreiben zugestellt worden, wonach sie nach einer Magenverstimmung ins Krankenhaus müsse. Später folgte ihre Kündigung.

"Das hättest Du nicht tun dürfen - Du fehlst mir!"

In einer anderen Version gab er an, plötzlich beruflich nach Australien versetzt worden zu sein. Damit erklärte er in einem Schreiben an den Schuldirektor auch, dass zwei Kinder in der Schule fehlten. Im Brief lag ein Scheck für die Schulgebühren.

Die Leichen lagen unter der Terrasse in einem Graben verscharrt. Dort wurden auch die Kadaver der beiden Hunde der Familie entdeckt. Bei dem Verbrechen ging der Täter offenbar sehr organisiert vor. Polizisten stellten bei einer Hausdurchsuchung fest, dass die Schränke ausgeräumt und Bettlaken abgezogen waren. Spuren einer Auseinandersetzung gab es nicht.

Die Polizei ermittelt auch, was es mit einer Botschaft auf einem Auto auf sich hat: Auf dem Wagen, der wohl der verschwundenen Mutter gehörte, stand in Staub geschrieben: "Das hättest Du nicht tun dürfen - Du fehlst mir!" Unklar blieb aber, ob dieser Satz mit dem Verschwinden der Familie zusammenhing.

be/DPA/AFP / DPA
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