VG-Wort Pixel

Familientragödie in Niedersachsen Ilsede trauert um vier tote Kinder


Ilsede unter Schock: Ein 36 jähriger Vater soll in dem kleinen Ort in Niedersachsen seine vier schlafenden Kinder getötet haben. Am Abend kamen die Menschen zu einer stillen Andacht zusammen.

Der Antrag auf Haftbefehl wegen Mordverdachts stützt sich auf Heimtücke, und selbst das klingt untertrieben: Offenbar arglos schlafend lagen die vier kleinen Kinder in ihren Betten, als ihr eigener Vater sie am späten Donnerstagabend in ihrem Reihenhaus im niedersächsischen Ilsede erstach. Sein anschließender Selbstmordversuch schlug fehl. Noch am Nachmittag, so berichtete am Freitag eine Nachbarin fassungslos einem Fernsehsender, habe der 36-Jährige mit mehreren der Kinder im Garagenhof gespielt. Nichts, aber auch gar nichts habe dabei anders gewirkt als sonst.

Nach der Tragödie gab es am Abend eine stille Andacht in der 7000-Einwohnergemeinde zwischen Braunschweig und Hannover. Vor allem Schulfreunde der Getöteten kamen mit ihren Eltern in die kleine St. Nikolai Kirche. Viele Kinder weinten immer wieder. Die Mädchen und Jungen zündeten hunderte Teelichter an und schrieben Fragen und Gebete auf kleine Zettel, die sie auf den Altar legten. Die Andacht hielt der Pastor der Gemeinde, Walter Faerber. Er war nach dem Verbrechen als Notfallseelsorger im Einsatz gewesen. Der Pastor betonte, es brauche Zeit, um das Geschehene zu verarbeiten.

Anwohner reagierten mit Entsetzen auf die Bluttat. "Ich bin total geschockt", sagte eine Nachbarin, die die Kinder immer zur Schule hatte gehen sehen. "Ich bin fassungslos." Erschüttert zeigte sich auch der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde. "Man kann sich das gar nicht vorstellen, ich bin regelrecht gelähmt von dieser Information."

Vater überlebt Selbstmordversuch

Den ganzen Tag lang waren Kriminalbeamte in weißen Overalls dabei, Spuren zu sichern. Die Faktenlage lässt in grausamer Genauigkeit aber kaum Fragen offen: Der Mann hat einen Abschiedsbrief hinterlassen, in dem er wegen der wohl anstehenden Trennung der Eheleute verzweifelt feststellt, er könne ohne seine vier Kinder nicht leben. Der Mutter, die in der Türkei Urlaub machte, schickte er eine SMS, mit der er die Tat ankündigte.

Die Häuser stehen eng beisammen in der Eigenheimsiedlung in Groß Ilsede, aber dennoch hörte offenbar keiner Schreie, als das zwölfjährige Mädchen und ihre neun, sieben und fünf Jahre alten kleinen Brüder in ihren Betten starben. Als die von der besorgten Mutter alarmierten Polizisten kurz vor Mitternacht die Tür aufbrachen, waren die Kinder tot. Der Vater lebte noch, mit schweren Schnittverletzungen wurde er in ein Krankenhaus gebracht, wo er in ein künstliches Koma versetzt wurde. Gegen ihn soll nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Haftbefehl erlassen werden, wenn er wieder aufwacht und sich äußern kann.

Ein Kind hat sich womöglich gewehrt

Aufschluss über die genauen Todesumstände der Geschwister sollte nun eine Obduktion der vier Kinderleichen in der Medizinischen Hochschule Hannover erbringen, die die Staatsanwaltschaft Hildesheim am Freitag anordnete. "Wir gehen davon aus, dass die Kinder im Schlaf getötet worden sind", sagte Staatsanwalt Bernd Seemann. Nachbarn hätten deshalb wohl keine Schreie hören können. Die Verletzungen eines Kindes deuteten aber daraufhin, dass es sich möglicherweise noch gewehrt habe.

War es ein schneller Tod und wie sehr haben die Kinder leiden müssen? Fragen, die auch die Mutter stellen wird, wen sie aus dem Ausland zurück ist. Und es bleibt das Rätselraten darüber, was einen Vater dazu bringen kann, seine eigenen Kinder zu töten.

Der 36-Jährige soll nach Aussagen von Nachbarn schwer depressiv und herzkrank gewesen sein. Von seiner Frau habe er sich im Guten getrennt, die Kinder seien bei ihm wohnen geblieben. Zu den Einzelheiten der Trennungsprobleme konnte die Staatsanwaltschaft nichts sagen. Die beiden seien nicht geschieden gewesen. Es handele sich um eine vollkommen unauffällige Familie, sagte der Staatsanwalt.

kng/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker