HOME

FDP-Politiker: Video von Möllemann-Absturz aufgetaucht

Im Jahr 2003 ist der frühere FDP-Politikers Möllemann mit einem Fallschirm tödlich verunglückt. Nun berichtet die "Bild"-Zeitung über ein Video des Absturzes. Dieses stützt angeblich die Selbstmord-These.

Knapp vier Jahre nach dem tödlichen Fallschirmabsturz des früheren FDP-Politikers Jürgen W. Möllemann am 5. Juni 2003 sorgt jetzt ein weiteres Amateur-Video für Diskussionen. In dem Video, von dem bisher nur bekannt war, dass es Teil der Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft war, sieht die "Bild"-Zeitung einen weiteren Beleg für den Selbstmord des ehemaligen FDP-Spitzenpolitikers. Dem Bericht zufolge zeigt das Video, dass das Notsystem ausgeschaltet war, das andernfalls den Fallschirm noch rechtzeitig über dem Boden geöffnet hätte.

Fremdverschulden liegt nicht vor

Die Staatsanwaltschaft Essen hatte ihre Ermittlungen mit der Feststellung abgeschlossen, dass ein Fremdverschulden nicht vorliege. Ob es sich um Unfall oder Selbstmord handele, bleibe für immer offen. Justizsprecher Wilhelm Kassenböhmer sagte, der Zeitungsbericht bringe keine neuen Erkenntnisse.

Das Video habe den Ermittlern vorgelegen und sei ausgewertet worden. Es ändere nichts daran, dass Fremdverschulden ausgeschlossen werden könne. Das sei für die Strafverfolgungsbehörde das einzig Wesentliche.

"Es muss Selbstmord gewesen sein"

Laut "Bild" lässt das Video aber nur einen Schluss zu: "Es muss Selbstmord gewesen sein." Die Schlüsselszene dafür ist laut "Bild" die Reaktion von Möllemanns Fallschirmspringer-Kameraden am Schluss des Videos. Zu sehen ist der Rucksack des Toten mit dem nicht aktivierten Notsystem, das automatisch den Reserve-Fallschirm ausgelöst hätte.

Die Springer diskutieren darüber, dass Möllemann vor dem Einsteigen in die Maschine auf dem Sportflugplatz Marl/Lohmühle in Nordrhein-Westfalen noch ein Glas Wasser geholt habe, um der üblichen gegenseitigen Kontrolle des Notsystems zu entwischen, schrieb die Zeitung.

Vorkommnisse auch als Unfall zu erklären

Das ausgeschaltete Notsystem hatte auch die Staatsanwaltschaft in ihrem Abschlussbericht erwähnt. Es hätte sonst den Reserveschirm in 225 Meter Höhe automatisch geöffnet. Selbstmord lag auch schon nach damaliger Einschätzung nahe: Möllemann, einst Star der FDP, hatte die Partei nach Affären um ein als antisemitisch gewertetes Flugblatt und um Parteispenden verlassen müssen.

Am Morgen des Todessprungs hatte der Bundestag seine parlamentarische Immunität aufgehoben und die Staatsanwaltschaft hatte Büros und Wohnhaus durchsucht. Dennoch wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht auf Selbsttötung festlegen.

"Suizid ist ohne Abschiedsbrief nicht zu belegen", erklärte der ermittelnde Oberstaatsanwalt Wolfgang Reinicke damals. Nach einem Gutachten eines Experten der Antiterrortruppe GSG-9 ließen sich alle Vorkommnisse auch als Unfall erklären.

DPA/AP / AP / DPA