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Erschossener Teenager Brown: Warum die Jury den Todesschützen freisprach

Zwölf Geschworene haben entschieden, dass der Polizist, der Michael Brown erschossen hat, nicht angeklagt wird. Was Sie über die Jury wissen müssen - und über den Chefankläger Bob McCulloch.

Umstrittener Staatsanwalt Robert McCulloch: "umfassendes Verständnis vom Fall"

Umstrittener Staatsanwalt Robert McCulloch: "umfassendes Verständnis vom Fall"

Wie hat die Jury ihren "Freispruch" begründet?

Ein weißer Polizist streckt einen schwarzen Jugendlichen mit sechs Schüssen nieder. Waren die Todesschüsse von Ferguson schlichte Notwehr oder schiere Polizeigewalt? 25 Tage innerhalb von drei Monaten hat die Große Jury über diese Frage beraten. Ihr Entschluss: Die Beweislage reicht für eine Anklage gegen Darren Wilson nicht aus. Der zuständige Staatsanwalt Bob McCulloch sagte, die Jury habe ein umfassendes Verständnis von dem Fall bekommen. Viele Zeugen hätten eingeräumt, die Schüsse nicht gesehen zu haben. Umstritten war vor allem, ob sich Brown vor den tödlichen Schüssen ergeben wollte oder ob er den Polizisten bedroht hat und dieser deswegen in Notwehr handelte. Die Zeugen hätten dazu unterschiedliche Angaben gemacht, so der Ankläger.

Was war am 9. August in Ferguson geschehen?

Am helllichten Tag wurde der 18-jährige Michael Brown vom 28-jährige Polizisten Darren Wilson in Ferguson erschossen. Zwölfmal drückte der Beamte ab, sechs Schüsse trafen den Jugendlichen. Kurz zuvor wurden aus einem Laden Zigarillos gestohlen, Michael und ein Freund von der Streife angehalten. Nach der Tat, die von der schwarzen Bevölkerung als Rassismus und Polizeigewalt kritisiert wurde, brachen tagelang Unruhen in dem Teil von St. Louis aus. Lesen hier mehr darüber, was sich im Einzelnen am 9. August zugetragen hat.

Wie war die Jury zusammengesetzt?

Die Jury bestand aus zwölf Geschworenen - sieben Männern und fünf Frauen, neun Weißen und drei Schwarzen. Dies entspricht zwar der Zusammensetzung in St. Louis, nicht aber dem des Stadtteils Ferguson, wo zwei Drittel der Einwohner Schwarze sind. Geheim blieb, ob die Jury einstimmig für den "Freispruch" entschieden hat. Laut der "New York Times" sollen mindestens neun Geschworene der Überzeugung gewesen sein, dass die Indizien nicht für eine Anklage ausreichten.

Warum wurde überhaupt eine Jury eingesetzt?

Eine Große Jury wird dann zu Rate gezogen, wenn es sich um große, kontroverse Fälle handelt. Also in Fällen, in denen ein einzelner Staatsanwalt die Verantwortung auf möglichst viele Schultern verteilen will. Chefermittler Robert McCulloch spielt dabei eine umstrittene Rolle, weil er als wenig objektiv gilt: Sein Vater, ein Polizist, wurde in den 1960er Jahren von einem Schwarzen erschossen. Tausende hatten im Verlauf der Ermittlungen seine Absetzung als Ankläger gefordert.

Ist die Jury-Entscheidung endgültig?

Nicht zwingend. Das US-Justizministerium prüft derzeit, ob Polizist Darren Wilson Michael Brown in seinen Bürgerrechten verletzt, also diskriminiert hat. Ob es zu einer Anklage kommt, ist aber eher unwahrscheinlich, Polizeibeamte müssen sich laut der "New York Times" so gut wie nie wegen solcher Vergehen verantworten. Parallel dazu ist das Ministerium dabei, die grundsätzlichen Praktiken der Polizei in Ferguson unter die Lupe zu nehmen.

Staatsanwalt McCulloch über die Jury-Entscheidung

nik/AFP / AFP