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Festnahme von Juilan Assange: Gericht lässt Wikileaks-Gründer schmoren

Julian Assange muss bis mindestens 14. Dezember im Gefängnis bleiben. Ein Londoner Gericht hat eine Entlassung gegen Kaution abgelehnt. Wikileaks wurde derweil ein weiterer Geldhahn zugedreht.

Ein britischer Richter hat es abgelehnt, Wikileaks-Gründer Julian Assange gegen Kaution auf freien Fuß zu setzen. Er habe Grund zu der Annahme, dass der 39-Jährige zu weiteren Befragungen sonst nicht mehr erscheinen würde, sagte Richter Howard Riddle. Assange bleibt nun vorerst in Untersuchungshaft und soll am 14. Dezember erneut vor dem Gericht erscheinen. Wann genau über eine Auslieferung nach Schweden entschieden werden könnte, ist noch unklar. Er werde sich dagegen wehren, kündigte Assange laut BBC an.

Der 39 Jahre alte Kopf der Enthüllungsplattform Wikileaks hatte sich am Morgen in London der Polizei gestellt und war festgenommen worden. Schweden hatte einen EU-weiten Haftbefehl gegen den Australier ausgeschrieben. Mehrere Prominente wie etwa die Millionärs-Tochter Jemima Khan hatten angeboten, für Assange zu bürgen.

Laut Anwalt liegt keine Anklage vor

Der schwedische Haftbefehl hat vordergründig nichts mit den Veröffentlichungen geheimer US-Dokumente durch Wikileaks zu tun. Assange muss sich in Schweden wegen angeblicher sexueller Vergehen verantworten. Nach bisherigen Informationen wird ihm von zwei Frauen vorgeworfen, ungeschützten Verkehr erzwungen zu haben. Laut seinem Londoner Anwalt soll der 39-Jährige dazu befragt werden. Eine Anklage liege nicht vor. Assange selbst weist die Vorwürfe zurück und vermutet hinter dem Haftbefehl eine gezielte Kampagne der US-Regierung.

US-Verteidigungsminister Robert Gates begrüßte die Festnahme des Australiers. Das klinge "nach einer guten Nachricht", sagte Gates während eines Besuchs in Afghanistan. Wegen der Veröffentlichung der Geheimdokumente streben die Amerikaner ebenfalls eine Auslieferung Assanges an.

Enthüllungsplattform lässt sich nicht stoppen

Wikileaks will mit seinen Enthüllungen trotz der Festnahme von Assange weitermachen. Die Veröffentlichung geheimer Dokumente des US-Außenministeriums laufe nach Plan und werde weitergehen, sagte ein Mitarbeiter der Internetseite der Nachrichtenagentur AFP in London. "Die heutige Aktion gegen unseren Chefredakteur Julian Assange wird unsere Arbeit nicht beeinträchtigen", verkündeten die Wikileaks-Aktivisten auch über den Online-Dienst Twitter. Die nächste Veröffentlichung werde sogar noch mehr Papiere als üblich enthalten.

Assange, das öffentliche Gesicht von Wikileaks, hatte vergangene Woche in einem Livechat mit der britischen Zeitung "Guardian" erklärt, Kopien der Depeschen des US-Außenministeriums seien in verschlüsselter Form an mehr als 100.000 Menschen verteilt worden. Sollte ihm oder der Internetseite etwas geschehen, würden diese automatisch veröffentlicht. "Die Geschichte wird siegen. Die Welt wird zu einem besseren Ort werden. Werden wir überleben? Das hängt von Ihnen ab", sagte der frühere Hacker bei dem Livechat.

Visa dreht Wikileaks den Geldhahn zu

Für Wikileaks wird unterdessen die Beschaffung von Geld immer schwieriger: Nach mehreren anderen Finanzdienstleistern hat am Dienstag auch die Kreditkartenfirma Visa alle Zahlungen an die Organisation eingestellt. Es solle ein möglicher Verstoß gegen die Geschäftsbedingungen geprüft werden, erklärte Visa Europe. Das Unternehmen wolle dazu weitere Informationen über die Tätigkeit von Wikileaks abwarten. "Dies ist eine Entscheidung, die wir selbstständig getroffen haben", betonte ein Firmensprecher. "Ich glaube nicht, dass wir unter dem Eindruck irgendeines Drucks einer Regierung gehandelt haben." Mit dem Schritt folgt Visa mehreren anderen Finanzdienstleistern. Erst am Montag sperrte Mastercard die Zahlungen an Wikileaks, weil die Kreditkartenfirma eigenen Angaben nach keine Beziehungen mit Kunden unterhalten könne, die illegale Aktivitäten direkt oder indirekt unterstützten. Zuvor hatte bereits das Internet-Bezahlsystem Paypal Zahlungen an Wikileaks gesperrt. Auch die Schweizer Bank Postfinance schloss ein Konto Assanges, da eine Überprüfung der angegebenen Adresse ergeben habe, dass diese falsch sei.

mad/AFP/DPA/Reuters / DPA / Reuters