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Florida Marihuana-Schmuggler kommt nach 31 Jahren frei – ursprünglich war er zu 90 Jahren Haft verurteilt worden


Richard DeLisi wurde 1988 beim Marihuana-Schmuggel erwischt. Seitdem saß der Amerikaner im Gefängnis, verurteilt zu 90 Jahren Haft. Nach 31 Jahren ist er nun wieder in Freiheit.

Im Jahr 1989 sah die Welt noch anders aus. An Internet und Smartphones war noch nicht zu denken, in Berlin fiel die Mauer, George Bush senior war gerade US-Präsident geworden. Die Welt von 1989 ist das Letzte, was Richard DeLisi aus der Freiheit kennt. 31 Jahre lang saß er in einem Gefängnis im US-Bundesstaat Florida in Haft.

Nun kommt DeLisi frei. Ursprünglich war er sogar zu 90 Jahren Haft verurteilt worden. Sein Delikt: Er hatte Marihuana geschmuggelt. Für das Vergehen wurde er im Alter von 40 Jahren hart bestraft. Mit mittlerweile 71 Jahren konnte DeLisi unter Tränen das Gefängnis verlassen und seine Familie in die Arme nehmen. "Ich bin ein gesegneter Mensch, ein Überlebender", sagte er der Nachrichtenagentur AP nach seiner Entlassung. Die Haft vor dem Prozess eingerechnet, verbrachte DeLisi sogar 32 Jahre im Gefängnis.

Hartes Urteil: 90 Jahre Haft für Marihuana-Schmuggel

Die verlorene Zeit indes kann ihm niemand zurückgeben. Während DeLisi im Gefängnis seine Haftstrafe absaß, ist seine Frau gestorben, ebenso seine Eltern und ein Sohn. Seine erwachsene Tochter wurde bei einem Autounfall verletzt und ist schwerbehindert. Nach seiner Entlassung konnte DeLisi immerhin zum ersten Mal seine beiden Enkeltöchter treffen. Die Mädchen sind elf Jahre und ein Jahr alt.

DeLisi ist nach Angaben seiner Anwälte der Mann, der die längste Haftstrafe aufgrund eines gewaltfreien Marihuana-Delikts in den USA verbüßt hat. Die Höchststrafe für den Drogenschmuggel, für den er verurteilt wurde, hätte eigentlich "nur" zwölf bis 17 Jahre betragen. DeLisis Erklärung: Der Richter habe wohl vermutet, dass er einer kriminellen Vereinigung angehöre, weil er Italiener sei – und deshalb das extrem hohe Strafmaß gewählt. Harte Gerichtsurteile waren damals Teil des amerikanischen "War on Drugs".

"Das Gefängnis hat mich verändert"

Wegen guter Führung und auf Druck seiner Anwälte und der Öffentlichkeit wurde DeLisi vorzeitig entlassen. "Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht die schrecklichen Fehler, die ich 1988 gemacht habe, bereue", hatte sich der Häftling aus dem Gefängnis geäußert. Seit seiner Inhaftierung habe er jede Möglichkeit genutzt, sich zu bessern, schrieb DeLisi auf der Website "Free DeLisi", die seine Familie und andere Unterstützer eingerichtet hatten. "Ich hoffe, als ein produktives Mitglied in die Gesellschaft zurückzukehren."

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Bei allem, was DeLisi während seiner Haftzeit verpasst hat, hat er dennoch die Jahre im Gefängnis sinnvoll genutzt. Als Analphabet kam er hinter Gitter, mittlerweile kann er lesen und schreiben. Nach einigen Jahren im Gefängnis wurde er zum Mentor für jüngere Häftlinge. "Das Gefängnis hat mich verändert", sagt DeLisi. Mehr als 300.000 Dollar hat seine Familie über die Jahre ausgegeben, um seine Freilassung zu erkämpfen. Nun hat Richard DeLisi nur noch einen Wunsch: Die verbleibende Zeit mit seinen Enkeln zu genießen.

Quellen: AP / "Free DeLisi" / "Last Prisoner Project"

epp

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