HOME

Flüchtlingsdrama in Österreich: Ungarische Polizei nimmt vier Schlepper fest

Die Zahl der Flüchtlinge, die in dem in Österreich entdeckten Schlepper-Lkw ums Leben gekommen sind, ist höher als befürchtet. Die Polizei gibt bekannt, dass es 71 Tote gibt, darunter vier Kinder. Vier Schlepper wurden bereits gefasst.

71 tote Flüchtlinge sind in Österreich in diesem Lastwagen gefunden worden

Experten der Polizei untersuchen den Lastwagen auf dem Pannenstreifen der A4 im Burgenland. Anschließend wurde das Fahrzeug mit den toten Flüchtlingen nach Nickelsdorf in eine Veterinärgrenzdienststelle gebracht.

In dem in entdeckten Schlepper-LKW sind nach Angaben des Innenministeriums mehr Flüchtlinge zu Tode gekommen als zunächst erwartet. Die Ermittler haben in dem Fahrzeug 71 Leichen geborgen, sagte der Polizeichef des Burgenlandes, Hans Peter Dokozil, bei einer Pressekonferenz. Darunter seien auch vier Kinder und acht Frauen.

Außerdem bestätigte die Polizei, dass mehrere Schlepper in Ungarn gefasst worden sind. Die groß angelegte Fahndung führte demnach zu drei Festnahmen. Insgesamt gebe es vier Haftbefehle. Die Festgenommenen gehören laut der Polizei zu den beiden untersten Ebenen der kriminellen Struktur. Bei einem der Festgenommenen handelt es sich nach Polizeiangaben offenbar um einen Bulgaren, der Halter des Fahrzeugs ist. Die beiden anderen hätten den Lastwagen gesteuert. Die Hintermänner der Schleppermafia werden aber weiterhin in Rumänien vermutet. 

Später bestätigte die ungarische Polizei vier Festnahmen. Darunter seien drei Bulgaren und ein Afghane, teilte die Polizei mit. Es sei Untersuchungshaft beantragt worden. Darüber hinaus wurden knapp 20 Zeugen vernommen.

Nach bisherigem Ermittlungsstand ist der Lastwagen am Mittwoch bei Budapest losgefahren. In der folgenden Nacht soll er die österreichisch-ungarische Grenze überquert haben.

Wann die Flüchtlinge gestorben sind, ist noch unbekannt

Mitarbeiter des Autobahn-Streckendienstes Asfinag hatten den 7,5 Tonnen schweren Lkw am Donnerstag im Autobahnabschnitt bei Parndorf (Bezirk Neusiedl am See) entdeckt. Aus dem Laderaum quoll laut offiziellen Angaben Verwesungsflüssigkeit. Die Behörden gingen zunächst von 20 bis 50 Toten aus.  

Der Lastwagen wurde mittlerweile in eine ehemalige Veterinärmedizinische Anstalt gebracht, wo eine entsprechende Kühlung vorhanden sei, hieß es von den Ermittlern. Die Leichen aus dem Laderaum sollen laut Polizeiangaben in der Gerichtsmedizin in Wien untersucht werden. Dort soll unter anderem die Todesursache ermittelt werden. Bislang gehen Experten davon aus, dass die Menschen erstickten. Zudem bemühen sich die Gerichtsmediziner um die Feststellung der Identität der Opfer. Unklar ist bisher auch noch, woher die Flüchtlinge stammten und wann sie gestorben sind. 

Im an Ungarn grenzenden Burgenland wurden allein in den vergangenen beiden Tagen Hunderte aufgegriffen, sagte Doskozil. In den kommenden Tagen sei wegen der nahenden Fertigstellung des ungarischen Grenzzauns zudem mit einer Verschärfung der Schlepperproblematik zu rechnen. Österreich verzeichnete zuletzt stark gestiegene Flüchtlingszahlen. Viele von ihnen durchqueren die Alpenrepublik vom Balkan in Richtung Deutschland.


ivi / DPA / AFP