Flughafenschutz Von Sicherheit keine Spur


Auf Fehlerquoten von 30 bis 50 Prozent stößt die Bundespolizei bei Sicherheitstests auf Flughäfen und bemängelt vor allem die mangelnde Qualität des Personals. Die Anschlagsplaner konnten nur aufgrund abgehörter Telefonate gefasst werden.

Nach der Aufdeckung der Vorbereitungen eines Terroranschlags auf ein Verkehrsflugzeug hat die Gewerkschaft der Polizei vor den Folgen der Sicherheitslücken auf deutschen Flughäfen gewarnt. Gewerkschaftschef Konrad Freiberg sagte der "Neuen Presse" in Hannover: "Die Luftsicherheit ist der zentrale Angriffspunkt für Terroristen. Wir haben leider Sicherheitslücken, angefangen bei den Kontrollen durch private Sicherheitsdienste am Frankfurter Flughafen." Nach Presseberichten wollte eine Gruppe mit islamistischem Hintergrund auf dem Flughafen Frankfurt/Main einen Bombenkoffer in einer Maschine der israelischen Fluggesellschaft El Al platzieren.

Fehlerquoten von 30 bis 50 Prozent

Freiberg sagte mit Blick auf die Lage an den Flughäfen: "Von Sicherheit kann man da eigentlich guten Gewissens nicht reden. Bei Tests durch die Bundespolizei gab es Fehlerquoten von 30 bis 50 Prozent und das seit Jahren." Er fügte an, es sei verantwortungslos, dass diese Aufgaben des Staates privatisiert worden sind. "Die Privatisierung hat zu Lohndumping geführt. Die Qualität des Personals nimmt ab." Er forderte, die Privatisierungen rückgängig zu machen.

Generalbundesanwältin Monika Harms leitete am Montag ein Ermittlungsverfahren gegen sechs Beschuldigte wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung sowie deren Unterstützung eingeleitet. Die Verdächtigen waren am Freitag vorläufig festgenommen, aber am Samstag - bis auf einen wegen einer anderen Tat in Haft sitzenden Beschuldigten - wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Abgehörte Telefonate führten zu den Anschlagsplanern

Nach den offiziellen Angaben der Karlsruher Ermittler vom Montag hatten mehrere Verdächtige bereits eine Person mit Zugang zum Sicherheitsbereich eines Flughafens dazu überredet, gegen Geld einen Koffer oder eine Tasche mit Sprengstoff in eine Verkehrsmaschine zu schmuggeln. Allerdings seien sich die Beteiligten nicht über die Höhe des Terrorlohns einig geworden.

Auf die Spur der Terrorverdächtigen sind die Ermittler nach Informationen des stern durch abgehörte Telefonate gestoßen. Der Mittelsmann am Frankfurter Flughafen soll bereits seit längerem wegen eines Drogendelikts im Visier der Fahnder gestanden haben, deshalb hörten die Fahnder bei seinen Gespächen, die er offenbar auch mit den Anschlagsplanern am Telefon führte, mit. Verdächtige Codewörter ließen sie hellhörig werden. Zum Zeitpunkt der Festnahme soll der Flughafenmitarbeiter schon nicht mehr am Frankfurter Airport gearbeitet haben. Bisher ist unklar, ob er ein direkter Angestellter des Flughafenbetreibers Fraport war oder in einer der Tochterfirmen gearbeitet hat.

Nach Angaben der Zeitung "Tagesspiegel" kommt die Mehrheit der Verdächtigen aus Jordanien. Es soll sich um Männer palästinensischer Herkunft handeln. Auch die anderen Beschuldigten stammten aus arabischen Ländern. Die Bundesanwaltschaft bestätigte lediglich, dass es sich um Ausländer mit Wohnsitz in Rheinland-Pfalz und Hessen handelt. Dort wurden auf Anordnung des Bundesgerichtshofs neun Wohnungen durchsucht.

DPA DPA

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