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Flugzeuganschlag von Detroit: Die Spur führt zu al Kaida

Offenbar steckt tatsächlich das Terrornetzwerk al Kaida hinter dem fehlgeschlagenen Anschlag von Detroit. Das berichtet der US-TV-Sender ABC. Die Spur führt nach Jemen.

Das fehlgeschlagene Attentat auf eine US- Passagiermaschine ist einem amerikanischen Fernsehbericht zufolge von al-Kaida-Führern im Jemen geplant worden, von wo auch der Sprengsatz stammte. Der 23 Jahre alte Täter Umar Faruk Abdulmutallab sei in dem arabischen Land für das Selbstmordkommando trainiert worden, berichtete der US-Fernsehsender ABC am Sonntag unter Berufung auf US- Regierungsbeamte. Der Sprengsatz sei von einem Top-Bombenbauer des Terrornetzes von Osama bin Laden im Jemen gebaut worden.

Ein Inferno an Bord von Flug 253 am ersten Weihnachtsfeiertag sei nur verhindert worden, weil ein Zünder nicht funktionierte, meldete der Sender weiter unter Berufung auf Ermittler. Nach Angaben von Bombenexperten befand sich mehr als genug Sprengstoff an Bord, um den Airbus mit fast 300 Menschen an Bord zum Absturz zu bringen. Die Bombe habe mehr als 80 Gramm PETN enthalten, ein hochexplosiver Plastiksprengstoff.

Abdulmutallab lächelte bei der Anklage

Gegen Abdulmutallab wurde unterdessen die Anklage eröffnet. Bezirksrichter Paul Borman verlas sie bei einer Anhörung im Universitätskrankenhaus in Ann Arbor (US-Bundesstaat Michigan) Der Nigerianer wird beschuldigt, er habe versucht ein Flugzeug in die Luft zu sprengen und einen Sprengkörper an Bord des Airbus gebracht. Beide Anklagepunkte können nach US-Medienangaben mit jeweils bis zu 20 Jahren Haft bestraft werden.

Abdulmuttalab lächelte, als er im Medical Center der University of Michigan in den Konferenzraum geschoben wurde. Er trug einen grünen Klinikkittel und blaue Strümpfe. Sein linker Daumen und sein rechtes Handgelenk waren verbunden. Auf die Frage, ob er die Anklage verstanden habe, antwortete Abdulmuttalab auf Englisch: "Ja, das tue ich."

Sicherheitsbestimmungen auf USA-Flügen verschärft

Als Reaktion auf die Geschehnisse an Bord des US-Airbus' wurden die Sicherheitskontrollen im Luftverkehr verschärft. Wie das Bundespolizeipräsidium in Potsdam mitteilte, werde der Vorfall in Detroit zum Anlass genommen, die bestehenden hohen Sicherheitsstandards durch zusätzliche Kontrollmaßnahmen zu ergänzen. Reisende in die USA wurden gebeten, sich gegebenenfalls auf längere Wartezeiten einzustellen. Die deutschen Sicherheitsbehörden stünden im engen Kontakt mit den Experten der amerikanischen Luftsicherheitsbehörde TSA.

Air Canada forderte Fluggäste explizit auf, vor dem Abflug frühzeitig am Flughafen einzutreffen und mehr Zeit für Kontrollen einzuplanen. Zudem müssten sie sich auf ein Handgepäckstück beschränken. Die US-Behörde TSA hat nach Angaben von Air Canada neue Regeln für die Zeit während des Fluges aufgesetzt. So müssen Passagiere wie Crew in der letzten Stunde vor der Landung sitzen bleiben und dürften keine persönlichen Gegenstände mehr auf ihrem Schoss haben. Die "Sunday Times" aus Singapur berichtete unter Berufung auf einen Sprecher von Singapore Airlines, dass in den letzten 60 Minuten auch das Unterhaltungsprogramm an Bord abgeschaltet werde.

Ruf von Flughafen Amsterdam steht auf dem Spiel

US-Justizminister Eric Holder sagte zum Zwischenfall vom Freitag: "Hätte dieser Plan, das Flugzeug zu zerstören, Erfolg gehabt, wären Dutzende von unschuldigen Menschen getötet oder verletzt worden." Der Nigerianer war von Crew und Passagieren schnell überwältigt worden. Die EU-Kommission untersucht, ob alle Sicherheitsregeln in Europa eingehalten wurden. "Ich bin entsetzt über die versuchte Terrorattacke auf einem Flug von Amsterdam nach Detroit am Weihnachtstag", erklärte EU-Innen- und Justizkommissar Jacques Barrot.

Niederländische Parlamentarier forderten eine lückenlose Aufklärung der Umstände. Das Justizministerium müsse erklären, wie der Nigerianer am Airport Schiphol explosionsfähiges Material mit an Bord der Maschine der Delta Airlines bringen konnte. Der Ruf des Amsterdamer Flughafens als zuverlässiges internationales Luftdrehkreuz stehe auf dem Spiel, erklärte der Abgeordnete der regierenden Sozialdemokraten, Ton Heerts.

Die Warnungen des Vaters kamen zu spät

Der junge Täter ist allem Anschein nach Sohn des früheren nigerianischen Ministers und Bankenchef Alhaji Umaru Mutallab. Der Terrorverdächtige hatte britischen Medienberichten zufolge zwischen 2005 und 2008 Maschinenbau am University College in London studiert. Am Samstag durchsuchte die britische Polizei seine Wohnung im Londoner West End in der Nähe von Oxford Circus.

Offenbar hatte Abdulmutallabs Vater die Katastrophe kommen sehen. Im November nahm der nigerianische Banker und Ex-Minister zur US-Botschaft in Nigeria Kontakt auf, um die dortigen Diplomaten vor den Umtrieben seines eigenen Sohnes zu warnen. Doch war der Sohn zu diesem Zeitpunkt längst im Besitz eines Visums für die USA, das ihm im Juni 2008 erteilt worden war.

Vor dem Anschlag hatte sich Abdulmutallab 20 Minuten auf der Bordtoilette aufgehalten, teilte das US-Justizministerium unter Berufung auf Zeugen mit. Nach der Rückkehr zu seinem Sitzplatz habe er eine Decke über sich ausgebreitet, daraufhin hätten Mitreisende Knallgeräusche wie von Feuerwerkskrachern gehört. Die Hosenbeine des Mannes und die Innenwand des Flugzeuges hätten Feuer gefangen. Als eine Stewardess ihn fragte, was er da habe, sagte der Nigerianer den Angaben zufolge: "einen Sprengsatz". Ermittler fanden in der Nähe seines Sitzes eine Spritze, die vermutlich Teil der Bombe war.

Der Mann war den Angaben zufolge von der nigerianischen Metropole Lagos aus zunächst nach Amsterdam geflogen. Dort wurde er Medienberichten zufolge abermals kontrolliert, bevor er den Flug 253 der zu Delta gehörenden Northwest Airlines nach Detroit bestieg. Abdulmutallab hatte ein gültiges Einreisevisum für die USA. Sein Name habe allem Anschein nach nicht auf der Flugverbots-Liste des US-Heimatschutzministeriums gestanden, obwohl er in einer Datenbank möglicher Terrorverdächtiger geführt wurde. Diese Datenbank mit der Bezeichnung Terrorist Identities Datamart Environment wurde vom US-Zentrum für Terrorabwehr (National Counterterrorism Center) geführt.

dpa/Reuters/AFP/lk / Reuters