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Flugzeugkatastrophe von Überlingen: Vier Schuldsprüche für Skyguide-Mitarbeiter

Im Prozess um das Flugzeugunglück von Überlingen sind vier Mitarbeiter der Schweizer Flugsicherung schuldig gesprochen worden. Fünf Jahre nach der Katastrophe wurden sie zu Bewährungs- und Geldstrafen verurteilt. 71 Menschen kamen damals ums Leben.

Vier Mitarbeiter der Schweizer Flugsicherung Skyguide sind wegen des Flugzeugunglücks von Überlingen zu Bewährungsstrafen verurteilt worden. Das Bezirksgericht im schweizerischen Bülach befand sie der mehrfachen fahrlässigen Tötung für schuldig. Drei Skyguide-Anstellte der Führungsebene erhielten Freiheitsstrafen von zwölf Monaten mit zwei Jahren Bewährung. Der Vierte muss eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 150 Franken (91 Euro) zahlen. Alle vier Verurteilten tragen die Gerichtskosten und müssen außerdem den anwaltschaftlich vertretenen Geschädigten eine Entschädigung zahlen, deren Höhe noch nicht feststand. Die vier anderen der insgesamt acht Angeklagten wurden freigesprochen. Dabei handelt es sich um einen Systemplanungsexperten, zwei Mitarbeiter im Spätdienst sowie einen Fluglotsen, der zum Unglückszeitpunkt in der Pause war.

Pflichtwidrigkeiten und Versäumnisse

Der Vorsitzende Richter Rainer Hohler nannte das Unglück eine "unfassbare Tragödie". Dennoch habe das Gericht sachlich urteilen müssen. Es sei um persönliche Verantwortung der Angeklagten gegangen. Nicht das Unternehmen Skyguide habe vor Gericht gestanden. Die Staatsanwaltschaft hatte Bewährungsstrafen zwischen sechs und 15 Monaten für alle acht Angeklagten gefordert. Staatsanwalt Bernhard Hecht hatte die Katastrophe als Folge einer Kettenreaktion von Pflichtwidrigkeiten und informellen Versäumnissen bezeichnet. Zur Zeit des Unglücks hatte in Zürich nur ein Fluglotse Dienst getan, während ein Zweiter Pause machte. Zugleich fanden an den technischen Anlagen Wartungsarbeiten statt.

Die Verteidiger dagegen hatten für alle Angeklagten auf Freispruch plädiert. Alle acht Angeklagten hatten zuvor ihre Unschuld beteuert und den in der Unglücksnacht alleine arbeitende Fluglotsen belastet. Der 36-jährige Däne war nach der Katastrophe suspendiert worden, blieb aber Skyguide-Angestellter. Er wurde am 24. Februar 2004 von einem Russen getötet, der bei der Flugzeugkollision Frau und Kinder verloren hatte. Der heute 51-jährige Mann befindet sich in der Schweiz in Haft.

Bei der Kollision eines Passagierflugzeugs der Bashkirian Airline mit einer DHL-Frachtmaschine am 1. Juli 2002 kamen alle 71 Insassen der Maschinen ums Leben, darunter 49 Kinder und Jugendliche. Skyguide kontrolliert den Luftraum im Bodenseegebiet.

AP/DPA/Reuters / AP / DPA / Reuters