Folter-Prozess "Das ganze Bad voller Blut"


Der Neonazi David K., der mit Freunden einen 23-Jährigen brutal gefoltert und fast zu Tode gequält hatte, ist geständig. "Ich fand das irgendwie geil", sagte er über den Gewaltexzess.

Im Prozess gegen drei Neonazis wegen der Folterung und brutalen Vergewaltigung eines Mannes hat einer der Angeklagten weitgehend gestanden. Er habe dem 23-Jährigen Brandwunden zugefügt, Drogen eingeflößt sowie ihn "möglicherweise" geschlagen und getreten, sagte David K. am Mittwoch vor dem Landgericht Frankfurt (Oder). Zuvor hatten zwei ebenfalls angeklagte Frauen ihrerseits die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft bestätigt, nach denen das Opfer außerdem vergewaltigt wurde.

"Könnte sein, dass ich ihn geschlagen und getreten habe"

David K. räumte ein, das Opfer Gunnar S. mit einem Bügeleisen sowie mit Spray und einem Feuerzeug verbrannt zu haben. "Ich fand das irgendwie geil", sagte er. Außerdem habe er ihn gezwungen, ein Glas aufgelöster Ecstasytabletten zu schlucken. "Es könnte sein, dass ich ihn auch geschlagen und getreten habe", erklärte der Angeklagte. Daran könne er sich aber nicht erinnern, weil er im Drogenrausch gewesen sei.

"Ich weiß in der Zwischenzeit, was ich für Scheiß gemacht habe, und das Opfer tut mir auch irgendwie leid", sagte der Angeklagte emotionslos. Er gab auch enge Kontakte zur rechtsextremen Szene zu. Mittlerweile habe er sich jedoch davon abgewandt, erklärte der seit Ende Juni 2004 in Untersuchungshaft Sitzende.

Gunnar S. wird Staatsanwalt Jörg Tegge zufolge lebenslang an den Folgen der zweieinhalbstündigen Folter am 5. Juni 2004 in der Wohnung eines Bekannten zu leiden haben. Nur eine Notoperation konnte ihn vor dem Tod retten. Der Staatsanwalt wirft den drei Neonazis zwischen 21 und 29 Jahren schwere Körperverletzung und Vergewaltigung vor. Die beiden wegen Beihilfe angeklagten Frauen bestätigten am Mittwoch auch die sexuellen Misshandlungen.

Stephanie L. gab an, einer der Neonazis habe das Opfer als "nicht arisch" und "weniger wert als ein Hund" beschimpft. Ramona P. erklärte, die Vergewaltigungen seien von einem der Angeklagten ausgegangen, alle drei Männer aber hätten sich an anderen Gewalttaten beteiligt. "Es kam mir vor, als hätten sie Spaß daran, einen Menschen zu quälen", so Stephanie L..

Dem schwer Verletzten auf den Kopf uriniert

Die Frauen erklärten, sie hätten von der Couch aus die Brutalitäten beobachtet. Beide wiesen Vorwürfe zurück, wonach sie mit Gelächter die Männer bestärkt hätten. Ihren Angaben zufolge zwangen diese ihr Opfer auch zum Herunterschlucken von Vogelkot und eigenem Erbrochenen. Zudem sei der Mann mehrmals mit Gegenständen vergewaltigt worden. Ihm seien ferner schwere Verletzungen zugefügt worden. Ein Angeklagter habe dem schwer Verletzten auf den Kopf uriniert.

"Das ganze Bad war voller Blut", sagte Ramona P.. Über das Opfer sagte sie ohne Anteilnahme: "Der sah aus, als ob er jeden Augenblick verrecken würde." Aus Angst und Desinteresse habe sie trotzdem keine Hilfe geholt. Die 25-Jährige sagte: "Ich wollte mich da gar nicht weiter reinhängen. Ich habe ja nichts gemacht bei der Tat."

An anderer Stelle schilderte sie, dass sie das stark blutende Opfer von Kontakt mit der Tapete in der fremden Wohnung abhielt. "Ich wollte nicht, dass er die Wände voll schmiert", erklärte sie. Überhaupt schilderten die Angeklagten die Vorfälle weitgehend emotionslos, oft fuhren sie dem Vorsitzenden Richter Andreas Dielitz über den Mund. Auch ein zweiter Neonazi hat eine Aussage angekündigt. Der dritte angeklagte Mann will sich dagegen nicht äußern.

AP AP

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