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Forschungsprojekt: Katholische Kirche stoppt Missbrauchsstudie

Die Deutsche Bischofskonferenz hat die Studie zum Missbrauch in der katholischen Kirche gestoppt. Das Verhältnis mit dem beauftragten Institut sei "zerrüttet", Kriminologe Pfeiffer spricht von Zensur.

Die Deutsche Bischofskonferenz will den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche nicht mehr vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen wissenschaftlich aufarbeiten lassen. Am Mittwoch kündigte sie vorzeitig den Vertrag mit dem Kriminologen Christian Pfeiffer, teilte die Bischofskonferenz (DBK) in Bonn mit.

Zur Begründung erklärte ihr Missbrauchsbeauftragter, Triers Bischof Stephan Ackermann: "Das Vertrauensverhältnis zwischen dem Direktor des Instituts und den deutschen Bischöfen ist zerrüttet." Vertrauen sei aber "für ein so umfangreiches und sensibles Projekt unverzichtbar". Die Bischofskonferenz werde sich einen anderen Partner für das Projekt suchen.

Sexuelle Übergriffe aus den Jahren 1950 bis 1980

Der Streit zwischen Pfeiffer und den Bischöfen ging vor allem um die Veröffentlichung von Forschungsergebnissen. Das Projekt sei "an den Zensur- und Kontrollwünschen der Kirche gescheitert", hatte Pfeiffer der "Süddeutschen Zeitung" (Mittwoch) gesagt. Nach dpa-Informationen hatte die Kirche Veröffentlichungen schriftlich genehmigen wollen. Pfeiffer sagte, er habe auch Hinweise erhalten, dass in mehreren Diözesen Missbrauchsakten vernichtet worden seien. Dies wurde von der Bischofskonferenz bestritten.

Die katholische Kirche hatte mit dem Forschungsprojekt auf den Missbrauchsskandal reagiert, der sie 2010 erschüttert hatte. Die sexuellen Übergriffe von Priestern und anderen Geistlichen vor allem aus den Jahren 1950 bis 1980 sollen wissenschaftlich analysiert werden, um neuen Missbrauch zu verhindern und das Vertrauen zurückzugewinnen. Die Studie war bis 2014 angelegt.

"Aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung"

Eineinhalb Jahre nach dem Startschuss des Projekts erklärte Bischof Ackermann aber: "Das Kommunikationsverhalten von Professor Pfeiffer gegenüber den kirchlichen Verantwortungsträgern hat leider einer weiteren konstruktiven Zusammenarbeit jede Vertrauensgrundlage entzogen." Die Kündigung hänge "allein mit dem mangelnden Vertrauen in die Person von Professor Pfeiffer" zusammen. Die Bischöfe hätten den Vertrag "aus wichtigem Grund mit sofortiger Wirkung" gekündigt.

Ackermann zeigte sich zuversichtlich, dass man "schon bald das Forschungsprojekt mit anderen Partnern in Angriff nehmen" könne. Bereits in der nächsten Woche sollten dazu "die nötigen Gespräche" geführt werden.

ins/DPA / DPA