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Frank Hanebuth Spanische Justiz klagt Hells-Angels-Boss an


Seit anderthalb Jahren sitzt Hells-Angels-Boss Frank Hanebuth in Spanien in Untersuchungshaft. Nun hat die Justiz ihre Ermittlungen abgeschlossen. Sie erhebt schwere Vorwürfe gegen Hanebuth.

Auf Mallorca hat Frank Hanebuth einst ein Luxusleben geführt, doch seit anderthalb Jahren sitzt der Rocker-Boss aus Hannover in Spanien in Untersuchungshaft. Jetzt will die spanische Justiz dem 50-Jährigen sowie 54 weiteren Mitgliedern und Helfern der Hells Angels den Prozess machen. 18 Monate nach einer Großrazzia der Polizei auf Mallorca hat der Ermittlungsrichter Eloy Velasco seine Untersuchungen für beendet erklärt.

In seinem Abschlussbericht stuft er die Hells Angels als eine kriminelle Organisation ein, die sich auf der Mittelmeerinsel vor allem mit der sexuellen Ausbeutung von Frauen finanziert habe. Dem bulligen Zwei-Meter-Mann Hanebuth legt der Richter zur Last, an der Spitze einer Gang gestanden zu haben, die Frauen zur Prostitution gezwungen habe.

Darüber hinaus hätten der Rocker-Boss und seine Komplizen auf der Ferieninsel auch andere Wege gesucht, Geld zu machen, heißt es in dem Bericht. Sie sollen Schutzgelder erpresst und Scheinfirmen gegründet haben, um in betrügerischer Weise an Kredite zu kommen. Ihre Organisation habe sich auf ein Netz von Helfern gestützt, dem auch drei Polizeibeamte angehört hätten.

Anwalt begrüßt Bewegung im Fall

"Es ist sehr erfreulich, dass endlich der Abschlussbericht vorliegt und Bewegung in die Sache kommt", sagte Hanebuths deutscher Anwalt Götz von Fromberg am Montag in Hannover. Er kenne den Bericht aber noch nicht.

Hanebuth war nach Ansicht des Ermittlungsrichters einer der führenden Köpfe der Hells Angels in Europa. Hannover hatte der Rocker-Boss verlassen - zuvor hatten sich GSG9-Spezialkräfte im Mai 2012 auf seinem Anwesen von einem Hubschrauber abgeseilt, die Tore aufgerammt und einen Hund erschossen. Hanebuth wurde verdächtigt, Drahtzieher eines Auftragsmordes zu sein - jedoch stellte die Staatsanwaltschaft Kiel die Ermittlungen im April 2013 mangels eines Tatnachweises ein.

Jonglieren mit Millionen

Der Hells-Angels-Charter in Hannover löste sich bereits im Juni 2012 auf - kurz nach dem spektakulären Einsatz gegen den Clubchef – und Hanebuth versuchte allem Anschein nach auf Mallorca einen Neuanfang. Seine Organisation auf der Lieblingsinsel der Deutschen wurde aber schon nach wenigen Monaten zerschlagen.

Bei einer Großrazzia unter dem Codenamen "Casablanca" nahm die spanische Polizei im Juli 2013 Hanebuth und 24 mutmaßliche Komplizen fest. Später folgten weitere Festnahmen. Die Hells Angels hätten auf Mallorca mit Millionensummen jongliert und auf einem Anwesen residiert, dessen Wert auf 2,5 Millionen Euro geschätzt wird, teilte die Polizei damals mit.

Nach einer Mitteilung des spanischen Innenministeriums sollen Hanebuth & Co. sogar den Plan gehabt haben, mit Schwarzgeldern aus Deutschland und der Türkei auf Mallorca eine Formel-1-Rennstrecke zu bauen. Sieben Motorräder der Hells Angels, die die Polizei bei der Razzia beschlagnahmt hatten, wurden im Dezember 2014 versteigert. Die Einnahmen sollen zur Begleichung möglicher Schadensersatzansprüche verwendet werden. Mehrere Autos der Hells Angels werden von der Polizei als Dienstfahrzeuge genutzt.

Hanebuth bestreitet Vorwürfe

Der Ermittlungsrichter legt Hanebuth und dessen Komplizen unter anderem Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung, Menschenhandel, Erpressung, Freiheitsberaubung, Zuhälterei und Geldwäsche zur Last. Hanebuth hatte die Vorwürfe stets bestritten.

Im spanischen Rechtssystem führt nicht ein Staatsanwalt, sondern ein Richter die Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft und die Verteidigung können allerdings Entscheidungen des Ermittlungsrichters anfechten. Der Richter entscheidet auch darüber, ob Anklage erhoben und ein Prozess eröffnet wird. Velasco forderte in seinem Bericht die Staatsanwaltschaft auf, innerhalb von zwei Wochen ihre Anklageschrift vorzulegen.

In Spanien sind die Hells Angels weniger präsent als in anderen Ländern. Die 2013 zerschlagene Gruppe auf Mallorca war nach Polizeiangaben die größte des Landes. Spanische Medien führten das Auftreten der Rocker auf der Balearen-Insel damals darauf zurück, dass die Rocker sich in Deutschland von der Polizei und der Justiz so sehr unter Druck gesetzt gesehen hätten, dass sie auf Mallorca Zuflucht gesucht hätten.

tkr/DPA DPA

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